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"Der ehrbare Kaufmann ist eine wichtige Basis"

Volker Treier zum Verhältnis von Compliance und Erfolg

(18.04.2018) Die Allianz für Integrität zielt darauf, Transparenz und Lauterkeit im Wirtschaftssystem zu stärken. Die Rolle dieser Werte in internationalen Wirtschaftsbeziehungen kommentierte jetzt in einem Interview Volker Treier, Außenwirtschaftschef des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK).

Dr. Volker Treier

Nachfolgend zitieren wir das Gespräch mit der Allianz für Integrität im Wortlaut:

"Allianz für Integrität: Sie engagieren sich für die Allianz für Integrität. Welches sind die Beweggründe für den DIHK, die Allianz für Integrität zu unterstützen?

Volker Treier: Deutsche Unternehmen sind stark international aktiv und treffen dort auf Rahmenbedingungen, die zum Teil schwierig sind. Das Wissen darüber, wie man die eigene Organisation, das eigene Unternehmen aufstellt, um sich integer und compliant, wie das neudeutsch heißt, verhalten zu können, ist heute eine unabdingbare Voraussetzung für wirtschaftlichen Erfolg.

Das heißt, Antikorruption, Compliance, Integrität und CSR sind heute für wirtschaftlichen Erfolg eine notwendige Basis. Je schwieriger das Land, umso mehr besteht der Bedarf. Deutsche Auslandshandelskammern können ihre Mitgliedsunternehmen immer besser auf diesem Weg begleiten – auch mit dem Projekt Allianz für Integrität.

Allianz für Integrität: Der klassische ehrbare Kaufmann steht für Anstand und Sitte im wirtschaftlichen Handeln. Viele Unternehmen verfügen über ein Leitbild, in dem ethische Grundsätze formuliert sind. Erreichen die Programme der Allianz für Integrität die Unternehmen und auch die Führungsebenen?

Treier: Der ehrbare Kaufmann ist eine wichtige Basis, auf der über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte Kauffrauen und Kaufmänner agiert haben. Die Welt dreht sich weiter und es kommen neue gesetzliche Ansprüche hinzu. Dieses Sinnbild des ehrbaren Kaufmanns lässt natürlich Interpretationsspielraum.

Die Allianz für Integrität hat es geschafft, dieses Leitbild des ehrbaren Kaufmanns auf konkrete Problemstellungen herunterzubrechen. Sie hat es geschafft, die Erfahrungen gerade von größeren international aktiven deutschen Unternehmen zu ihren Geschäftspartnern zu tragen: 'Wie muss ich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen, damit sie sich integer verhalten?'

Es nützt nicht der Wille allein, es braucht auch die Praxis und das Können. Wie müssen sich oder wie sollten sich die Unternehmen aufstellen und dabei die Erkenntnis gewinnen, dass es kein Selbstzweck ist, sich integer zu verhalten, sondern dass ein konkreter, betriebswirtschaftlicher Nutzen daraus resultiert. Diese Form des Wissens und Know-how-Transfers ist durch die Allianz für Integrität möglich geworden.

Allianz für Integrität: Sie haben das Thema bereits angesprochen. Die globalisierte Welt wird stetig komplexer, und die wirtschaftlichen Standards werden überall und immer wieder neu etabliert, vor allem auf internationaler Ebene. Wie würden Sie die globale Präsenz des DIHK beschreiben?

Treier: Die globale Präsenz des DIHK ist ausgeprägt und wird zunehmend vernetzter. Und zwar nicht nur mit deutschen Unternehmen, die weltweit aktiv sind und damit den Brückenschlag liefern. Auch wir liefern den Brückenschlag über unser Netzwerk von deutschen Industrie- und Handelskammern in deutsche Auslandshandelskammern in alle Welt, ob das Unternehmen sind oder die Administrationen in den jeweiligen Ländern.

Eine Herausforderung ist die Vernetzung der Institutionen und Unternehmen untereinander und innerhalb des Netzwerks und weniger bilateral von einzelnen Ländern nach Deutschland und vice versa. Wir sind aktiv in über 90 Ländern, mit 130 Standorten, das entspricht fast einer hundertprozentigen globalen Abdeckung, wenn man als Referenzgröße das Exportvolumen Deutschlands nimmt und das Volumen deutscher Direktinvestitionen, das heißt, Aufbau von Arbeitsplätzen durch deutsche Tochtergesellschaften in vielen Ländern auf der Welt.

Allianz für Integrität: Die Allianz für Integrität bietet Korruptionspräventionstrainings in verschiedenen Ländern an. Ist der Erfolg sichtbar oder messbar?

Treier: Wenn man die Inputgrößen betrachtet, dann ist der Erfolg absolut messbar. Insgesamt 702 Unternehmen oder Organisationen haben an Trainings teilgenommen. Sie sind wiederum Multiplikatoren für das, was sie dabei gelernt oder auch innerhalb der Trainings weitergegeben haben.

Das Wissen darüber, ich nenne das mal 'integres' oder 'compliant' Verhalten für das Unternehmen, für die Partnerorganisationen, möglicherweise aber auch für Wettbewerbe und der Blick auf die gemeinsamen Spielregeln, werden avisiert.

Darüber hinaus tragen sich die Erkenntnisse dieser Trainings weiter in die Unternehmerlandschaft hinein und auch an die jeweiligen Administrationen. Man redet über Korruptionsbekämpfung oder Korruptionspräventionstrainings. Die Inputgrößen sind messbar. Die Outputgrößen, davon bin ich überzeugt, die sind da, die sind Realität, die sind aber schwieriger zu messen. Was man sagen kann, ist, dass das Bewusstsein für das Thema in der deutschen, international aufgestellten Wirtschaft erheblich zugenommen hat.

Allianz für Integrität: Sie haben das Thema Vernetzung angesprochen. Eine der Aufgaben der Allianz für Integrität ist es, Personen in der Wirtschaft zu stärken und zu vernetzen. Unsere Frage: Profitieren Führungskräfte nachhaltig davon, integer und transparent zu handeln?

Treier: Es profitieren Führungskräfte, es profitieren vor allem aber die Unternehmen selbst davon. Und damit eben nicht nur die Führungskräfte, sondern jeder, der an dem Unternehmen teilhat, und das sind alle Beschäftigten.

Korruption und Bestechung ist, für sich gesehen, schon ein Ressourcenverschleiß, den man besser zum Wohle für andere Zwecke einsetzen sollte und den Unternehmen verlorengeht. Wenn ich das a priori vermeiden kann, indem Führungskräfte, und damit ganze Organisationen nicht Versuchungen unterliegen, sich unlautere Vorteile zu verschaffen oder einzelne Personen aus diesen Organisationen oder Unternehmen sich solche Vorteile verschaffen, dann bedeutet das letztlich einen Mehrwert, der betriebswirtschaftlich messbar ist.

Der ist dann auch messbar für die Führungskräfte, weil sie natürlich gute Beispiele abgeben. Im öffentlichen Bewusstsein – glücklicherweise – nimmt die Stigmatisierung von Korruption und Bestechung deutlich zu. Insofern ist es für die Führungskräfte, die sich sozusagen in einer Kontrabewegung zur Korruption und Bestechung positionieren, auch für die Karriere förderlich.

Das steht jedoch nicht im Vordergrund der Beweggründe, um sich zu engagieren. Es ist besser, sich zu positionieren, indem man natürlich den Vorteil für das Gesamte darstellt. Und wenn dann für einen selbst noch etwas übrig bleibt, ist das nicht abträglich und auch nicht zu kritisieren.

Allianz für Integrität: Integres Verhalten Einzelner hängt eng zusammen mit der Transparenz wirtschaftlicher Organisation und Tätigkeit. Wie schaffen Sie es, bei dem berechtigten Anspruch an Transparenz, die Unabhängigkeit und Autonomie wirtschaftlicher Tätigkeit zu garantieren?

Treier: Solange Transparenz gemeinsam verabredeten Spielregeln dient, ist Transparenz ein hoher Wert. Wenn Transparenz asymmetrisch erfolgt, dann ist der 'Ehrliche der Dumme'. Wir wollen als Deutsche in der Wirtschaft mit gutem Beispiel auch die Spielregeln beeinflussen, damit sie fair – und das heißt, gleichmäßig für alle geltend und von allen befolgt – beziehungsweise, falls nicht, mit einem allseits akzeptierten Schiedsrichter, um das in der Fußballersprache zu sagen, dann geahndet werden.

Wir wollen als Vorbild durchaus einen Schritt vorausgehen und mehr Transparenz liefern. Allerdings braucht es dazu auch die politische Unterstützung, damit wir den Kreis derjenigen, die voranschreiten, möglichst groß gestalten. Ansonsten kann derjenige, der voranschreiten möchte, gar nicht voranschreiten, weil er sofort ins Hintertreffen gerät.

Der Begriff ist positiv besetzt. Er hat aber auch die eine oder andere Einschränkung. Transparenz muss dem gewährt werden, der einen Anspruch darauf hat. Dieser Anspruch bedarf in vielen Fällen einer gesetzlichen Grundlage. Manches Mal reicht aber auch eine geschäftliche Verhandlung, an deren Ende das Ergebnis transparent gemacht wird.

Wer zu welchem Zeitpunkt welche Forderungen aufgestellt hat, um einen Anspruch für Menschen zu erheben, die mit dem Unternehmen nichts zu tun haben, das kann ich an der Stelle nicht erkennen. Insofern kann ich den Transparenzbegriff nicht vollumfänglich unterstützen. Das Wichtigste ist, dass der Transparenzbegriff möglichst von vielen gelebt wird und Teil allgemeiner Spielregeln ist.

Allianz für Integrität: Sie haben dargestellt, dass der Ehrliche nicht der Dumme ist, sondern derjenige, der vorausschaut. In der öffentlichen Wahrnehmung spricht man von 'Bauernschläue'. Was sagen Sie den Menschen, die meinen, das Vorhaben lohne sich nicht?

Treier: Grundsätzlich antwortet man auf solche Bauernweisheiten, das meine ich nicht abwertend, da wir alle letztendlich Nachfahren von Bauern sind, folgendermaßen: 'Ehrlich währt am längsten!'. Das ist die Richtschnur.

Allianz für Integrität: Für Nachhaltigkeit auch?

Treier: Bezogen auf die Arbeit der Allianz für Integrität ist deutlich zu machen, dass integres Verhalten betriebswirtschaftliche und damit, wenn wir sie herunterbrechen auf einzelne Personen, fast egoistische Vorteile liefern kann. Dass kein Widerspruch bestehen muss, vor allem dann, wenn wir es schaffen, das ehrliche Verhalten über den Einzelnen hinaus als gemeinsame Regel zu schaffen.

Die Allianz für Integrität hat auf einer sehr praktischen Ebene Ansatzpunkte geliefert. Unternehmen, die aufgrund ihrer Größe und ihrer Bedeutung im Markt verpflichtet sind – und es ein Stück weit damit auch leichter haben –, integres Verhalten zu leben und in der Organisation zu implementieren, sozusagen in die DNA des Unternehmens zu integrieren, diese Unternehmen hat die Allianz für Integrität bewegt, ihr Wissen zu teilen. Und zwar für die Unternehmen, die in ihrer Wertschöpfungskette stehen, die Zulieferer sind, die Kunden sind.

Wir müssen den Aufbau von Strukturen in den Unternehmen stärken, sodass wir sagen können 'ehrlich währt am längsten'. Alleine sind Unternehmen wie Menschen mitunter zu schwach, wenn es sich nicht zu einer allgemeinen Regel entwickelt.

Aber das Gute an dem Projekt ist, dass man von – wie man neudeutsch sagt – 'bottom up' anfängt, die gute Regel einzupflanzen. Ein nächster Schritt ist, und das wäre das Wünschenswerteste, dass sich die Regeln auch im Gesetzeswerk beziehungsweise im administrativen Verhalten in schwierigen Ländern niederschlagen.

Machen wir uns da nichts vor, in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern, aber auch in entwickelten Industrieländern ist das nicht vollumfänglich der Fall. Aber die Allianz für Integrität schafft es, aus dem Spruch 'der Ehrliche ist der Dumme', den Kompass in Richtung 'ehrlich währt am längsten' ein Stück weit zu drehen."