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Von Anfang an für Freiheit und Wettbewerb

Von Dr. Ulrich S. Soénius,* Vorstand und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln


Seit 150 Jahren vertritt der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) die Interessen der gewerblichen Wirtschaft. Bereits bei der ersten Sitzung am 13. Mai 1861 wurden Verbesserungen für die Wirtschaft diskutiert und beschlossen. Das Prinzip der ersten Stunde "Freiheit und Wettbewerb" zieht sich wie ein roter Faden durch die DIHK-Geschichte. Das Jubiläum ist Anlass für einen Streifzug durch die Geschichte.

Allein der Wechsel der Ansprechpartner auf der öffentlichen Seite lässt erkennen, welchem Wandel der DIHK in seiner langen Geschichte unterlegen war: Die Gründung 1861 wurde 31 (!) deutschen Einzelregierungen mitgeteilt, mit Bismarck als deutschem Reichskanzler wurden wirtschaftspolitische Gefechte ausgetragen, die demokratisch gewählten Regierungen in der Weimarer Republik stellten besondere Anforderungen und das NS-Regime dezimierte die Aufgaben bis hin zur Bedeutungslosigkeit. In der Bundesrepublik Deutschland fand der DIHK seit 1949 eine herausgehobene Stellung und wurde zum gefragten Ansprechpartner aller Bundesregierungen. Dabei hat der DIHK stets um die wirtschaftspolitisch sinnvollste Lösung gerungen, manches erreicht und vieles angestoßen.

Die Gründerzeit

Es begann am 13. Mai 1861 in Heidelberg, als 91 Handelskammern und Kooperationen unter schwarz-rot-goldenen Fahnen, den Farben der damals noch nicht erreichten deutschen Einheit, den "Deutschen Handelstag" gründeten. Bereits bei der ersten Sitzung wurden Verbesserungen für die Wirtschaft diskutiert und beschlossen: Währung, Zölle, einheitliche Maße und Gewichte. Der Handelstag (DHT) wählte 1861 den profilierten Wirtschaftspolitiker David Hansemann zum ersten Präsidenten. Nach der Reichsgründung 1871 intensivierte der DHT seine Beratung der Reichsregierung – diese nutzte wiederum die Vereinigung der Kammern für die Vermittlung ihrer Ziele. Die Wirtschaftsorganisation richtete das Augenmerk auf die Themen Post und Verkehr, auf den Export und besonders auf die Schutzzölle. Dazu gab es im Kreis der Mitglieder unterschiedliche Auffassungen, was zeitweise zu einem Austritt mancher Kammern führte.

Am Ende des 19. Jahrhunderts unterstützte der DHT die Kolonialpolitik des Reiches, wobei man sich zu viel von der wirtschaftlichen Expansion im eigenen Kolonialreich versprach. Die Diskussionen bei den jährlichen Vollversammlungen führten die Mitglieder überwiegend zu Gesetzesvorlagen. 1892 diskutierte der 17. Handelstag zum Beispiel die rechtlichen Anforderungen an die Ausbreitung des Telefons. Ebenso standen die Einführung des Bürgerlichen Gesetzbuches zum 1. Januar 1900 und dessen Auswirkungen für die Wirtschaft im Mittelpunkt der Versammlung.

Wirken in kritischen Zeiten

Im Ersten Weltkrieg hatte sich der DHT anfangs der allgemeinen Euphorie angeschlossen, obwohl Kriege auch für die Wirtschaft große Schäden hervorrufen. Die Weimarer Republik befürwortete der seit 1918 umbenannte "Deutsche Industrie- und Handelstag" (DIHT) uneingeschränkt. Erstmals wurde nun die eigene Organisation professionalisiert, um den gestiegenen Anforderungen gerecht zu werden. Bestimmt wurden die Aktivitäten in dieser Zeit durch die politisch schwierigen Rahmenbedingungen. Ruhrbesetzung, Inflation, "Goldene Zwanziger" und Weltwirtschaftskrise – all dies musste die IHK-Organisation meistern.

Besonders dem Wiederaufbau der internationalen Beziehungen für die Wirtschaft widmete sich der DIHT mit Erfolg. Bei der Internationalen Handelskammer wurde sein Präsident Franz von Mendelssohn 1931 der erste deutsche Repräsentant an der Spitze. In dieser Zeit wurden vermehrt Auslandshandelskammern errichtet. 1926 wurde beim DIHT der Berufsbildungsausschuss ins Leben gerufen – dieses Thema hat seitdem eine herausragende Stellung in der Arbeit eingenommen.

Gleichgeschaltet – aufgelöst

Die Machtübertragung an die Nationalsozialisten am 30. Januar 1933 veränderte die Industrie- und Handelskammern, die so seit 1924 benannt wurden, extrem. In mehreren IHKs übernahmen in den ersten Wochen die NS-Schergen gewaltsam die Leitung, auch beim DIHT besetzte der "Reichsführer des Kampfbundes des gewerblichen Mittelstandes" mit Hilfe der SS die Büroräume. Der 1932 gewählte Präsident Bernhard Grund protestierte bei Adolf Hitler und erreichte eine kurzzeitige Rücknahme der NS-Okkupation, aber bereits im Sommer 1933 wurde die DIHT-Vollversammlung gleichgeschaltet und die Spitze ausgetauscht. Der DIHT wurde 1935 nach der "Neuordnung" der gewerblichen Wirtschaft als "Arbeitsgemeinschaft der Industrie- und Handelskammern" in die neu geschaffene Reichswirtschaftskammer überführt und praktisch bedeutungslos. Die IHKs verkamen bis zu ihrer Auflösung und Überführung in die Gauwirtschaftskammern 1943 zu Befehlsorganen des Reichwirtschaftsministers.

Der Neubeginn

Kurz nach Ende des Zweiten Weltkrieges nahmen die IHKs vor Ort wieder ihre Tätigkeit auf. Bereits im Juli 1945 kamen in der Britischen Besatzungszone einige IHKs zusammen und gründeten eine Arbeitsgemeinschaft, die dann 1947 erweitert wurde um die IHKs in der US-amerikanischen Besatzungszone. Am 27. Oktober 1949 wurde in Anwesenheit des ersten Bundespräsidenten der Bundesrepublik Deutschland, Theodor Heuss, der DIHT in Ludwigshafen wieder gegründet. Der DIHT setzte sich gleich zu Beginn für ein einheitliches deutsches IHK-Gesetz (IHKG) ein und war vehementer Verfechter der Gestaltung der IHKs als Selbstverwaltungseinrichtungen der Wirtschaft mit öffentlich-rechtlicher Basis. Genauso aktiv engagierte sich der DIHT für die Soziale Marktwirtschaft und setzte konsequent gemeinsam mit Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard diesen so genannten "dritten Weg" zwischen Planwirtschaft und Kapitalismus um. Dennoch musste der DIHT in den folgenden Jahrzehnten vielfach gegen staatliche Reglementierungen vorgehen.

Getreu seiner Tradition forcierte der DIHT in den folgenden Jahrzehnten den weltweit freien Handel. In der Wiederaufbauzeit kam ihm dabei aufgrund seiner konsequent freihändlerischen Haltung eine entscheidende Bedeutung bei der Neugestaltung der außenwirtschaftlichen Beziehungen zu. Dafür standen die bekannten Unternehmer, die sich stets an die Spitze des Verbandes im Ehrenamt stellten.

Wiedervereint

Nach der Wiedervereinigung kam dem DIHT erneut eine "Wiederaufbaurolle" bei der Neuerrichtung der IHKs in den neuen Ländern zu. Im Zuge der Entscheidung für Berlin als deutscher Parlaments- und Regierungssitz wechselte der DIHT 1999 nach Berlin. Zwei Jahre später wurde der Name in "Deutscher Industrie- und Handelskammertag (DIHK)" umgewandelt. Im 150ten Jahr seines Bestehens stellt sich der Dachverband der deutschen Industrie- und Handelskammern den wandelnden Aufgaben der Wirtschaftspolitik und vertritt die deutsche Wirtschaft im In- und Ausland. In gelebter Tradition bleibt der DIHK Garant für die Soziale Marktwirtschaft, an deren Erfolg er maßgeblichen Anteil hatte.



Der Autor:

*Dr. Ulrich S. Soénius ist Vorstand und Direktor der Stiftung Rheinisch-Westfälisches Wirtschaftsarchiv zu Köln, die auch die historischen Archivalien des DIHK aufbewahrt.

Die Stiftung RWWA errichtet zum Jubiläum eine Wanderausstellung zur Geschichte des DIHK, die erstmals im März in Berlin zu sehen ist.

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Wichtige Eckdaten der DIHK-Geschichte:

 

David Hansemann war der erste Präsident des Deutschen Handelstages (1861 – 1862)

Der Kaufmann und Bankier David Hansemann war der erste Präsident des Deutschen Handelstages
(1861 – 1862).

 

 

 

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