Dieser Artikel erschien erstmals im IHK-Berufsbildungsmagazin POSITION II/2025.
Die angespannte Lage auf dem Wohnungssektor in und um deutsche Großstädte ist eklatant. Die Auswirkungen treffen mittlerweile auch den Arbeitsmarkt. Besonders betroffen: junge Menschen, die während ihrer Ausbildungszeit nicht viel Geld zur Verfügung haben.
Denn wie soll man eine attraktive Ausbildungsstelle annehmen, wenn der Weg zu weit ist und die Mieten zu hoch sind? Dabei können Unternehmen ihre Auszubildenden bei der Wohnungssuche vielfältig unterstützen. Durchaus zum eigenen Vorteil, weil sie so die Ausbildung vielfach erst ermöglichen.
Die Fakten
In Deutschland bieten Betriebe insgesamt etwa 675.000 Wohnungen und 46.000 Wohnheimplätze für ihre Mitarbeitenden an. 5,2 Prozent der Unternehmen unterstützen ihre Beschäftigten mit werkseigenem Wohnraum.
Weitere 11,6 Prozent der Arbeitgeber helfen bei der Wohnungssuche, etwa durch Kooperationen mit Immobilienunternehmen oder Genossenschaften. Diese Daten stammen aus einer Studie des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung und des Instituts der Deutschen Wirtschaft von 2024.
Unter den unterstützenden Unternehmen mieten 44 Prozent Wohnraum für Mitarbeitende an und weitere 44 Prozent kaufen Wohnraum, den sie an ihre Beschäftigten vermieten. 17 Prozent der Betriebe bauen Wohnungen, während 8 Prozent Belegungsrechte erwerben. Oft werden diese Methoden auch kombiniert.
Wo kann ich mir Arbeit leisten?
In der Altersgruppe der 18- bis 34-Jährigen haben bereits 17 Prozent schon einmal den Job aufgrund zu hoher Mieten gewechselt, hat eine Studie von PwC 2023 herausgefunden. Besonders wechselwillig sind die Menschen in Berlin, Frankfurt oder Stuttgart. Mehr als die Hälfte kann sich vorstellen, einen Job in einer anderen Stadt mit günstigeren Mieten anzunehmen. Dabei steigen die Neuvertragsmieten laut Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft im Schnitt um fünf Prozent, in Ballungsräumen noch mehr.
Um den Neubau und die Modernisierung von Azubi- und Studierendenwohnheimen auf den Weg zu bringen, stellt das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen jährlich einen Betrag von 500 Millionen Euro an Bundesmitteln zur Verfügung. Auch in der Hoffnung, dass die Tradition des Mitarbeiterwohnens wieder neu belebt wird, können Unternehmen dafür KfW-Förderprogramme in Anspruch nehmen.
Die Initiative für ganz Deutschland
Eine Roadshow der DIHK Service GmbH bringt das Thema "Zukunft Beschäftigtenwohnen" nun in viele Regionen Deutschlands. Die Veranstaltungsreihe diskutiert verschiedene Modelle, stellt Best Practices vor und regt zu Kooperationen an. Denn: Viele Unternehmen möchten von den erfolgreichen Beispielen lernen und profitieren.
Bei einer der ersten Veranstaltungen der Roadshow in der IHK Düsseldorf sprach die dortige Vizepräsidentin Kerstin Rapp-Schwan ein Problem von kleineren Unternehmen an: Von der Betriebsleitung über Marketing bis zum Personal müssten diese schon vieles allein bewältigen. Zusätzlich noch für Wohnraum zu sorgen, sei schwierig. Proaktive Unterstützung sei hier gefragt. Eine weitere häufige Sorge ist das Belegrecht: Was passiert nach dem Ende des Ausbildungsvertrags oder wenn eine Beschäftigung vorzeitig beendet wird?
All diese Fragen lassen sich lösen, wenn sich passende Kooperationen ergeben. Das Kennenlernen von potenziellen Partnern und Dienstleistern ist deshalb ebenso Teil der Veranstaltungen wie ein ausführlicher informativer Part.
Sofie Geisel, Geschäftsführerin der DIHK Service GmbH
Sofie Geisel
"Längst nicht nur in Großstädten erleben Unternehmen zunehmend, dass gute Bewerberinnen und Bewerber eine Stelle nicht antreten, weil sie keine Wohnung finden. Deswegen suchen viele nach Möglichkeiten, um Abhilfe zu schaffen. Genau hier setzen wir an und wollen deutlich machen, dass auch kleinere Unternehmen sehr wohl aktiv werden und Beschäftigtenwohnen fördern können", beschreibt Sofie Geisel, Mitglied der Hauptgeschäftsführung der Deutschen Industrie- und Handelskammer, den Hintergrund der Reihe. Fast 40 Regionen haben mittlerweile Interesse an dem Format bekundet.
Die Wohnraumfrage wird für Unternehmen zunehmend zum entscheidenden Faktor im Wettbewerb um Fachkräfte. Doch es gibt praktikable Lösungen, von denen sowohl Unternehmen als auch Azubis profitieren können.
Weiterführende Links
- Veranstaltungsreihe "Zukunft Beschäftigtenwohnen"
Alle geplanten Veranstaltungen, Links zu weiteren Infos bei IHKs, zum Beispiel konkrete Fördermöglichkeiten, Kooperationsmodelle und Best Practices, finden Sie auf der Website "Zukunft Beschäftigtenwohnen".
Jugendwohnheime und Beihilfen für Azubis
Azubis auf der Suche nach Wohnraum können über das Projekt "Auswärts zuhause" Jugendwohnheime suchen, Fördermöglichkeiten ausloten und viele weitere Infos erhalten, darunter zu Zuschüssen über die Agentur für Arbeit.Studien zum Mitarbeiterwohnen
Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PwC bietet auf ihrer Website eine Studie "Wohnungsnot und die Folgen für den Arbeitsmarkt" an, das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen unter dem Stichwort "Mitarbeiterwohnen" eine Fülle von Informationen und die Studie "Bestandsaufnahme zum Wohnen für Mitarbeitende" aus dem Jahr 2024 zum Download.
Best Practices aus den Regionen
- Schwerpunkte:
-
- Position - Magazin für Ausbilder
- Ausbildung
Veröffentlicht 08.04.2025
Aktualisiert 07.01.2026