Position Aretz

Gut zu wissen, was aufstiegsorientierte Menschen antreibt

Höhere Berufsbildung lohnt sich: POSITION sprach mit Praktikerinnen und Praktikern der Erwin Hymer Group und der Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg über den Nutzen von Weiterbildung für Unternehmen und Beschäftigte.

Dieser Artikel erschien erstmals im IHK-Berufsbildungsmagazin POSITION III/2023.
 

Achim Dercks

Achim Dercks

Mehr Souveränität, mehr Geld oder eine ­höhere Position: Wer sich beruflich weiterbildet, hat immer etwas davon – so das ­Ergebnis der bundesweiten IHK-­Befragung unter knapp 20.000 ­Beschäftigten, die in den vergangenen fünf Jahren erfolgreich an einer Weiterbildung teilgenommen haben. "93 Prozent der Absolventinnen und ­Absolventen sagen, dass sich die ­Weiterbildung positiv auf ihre persönliche Entwicklung ausgewirkt hat", betont der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäfts­führer Achim Dercks. "81 Prozent berichten von positiven Auswirkungen auf ihre berufliche Entwicklung." Bei ­einer Liste mit Mehrfachnennungen rangierten ­finanzielle Verbesserungen (58 Prozent) sowie der Aufstieg in eine ­höhere Position oder einen größeren Aufgaben- und Verantwortungs­bereich (57 Prozent) ganz oben.

Für Karrierewillige bietet die Höhere Berufsbildung, oder allgemeiner die berufliche Weiterbildung, also nachweislich handfeste Chancen. Deckt sich das auch mit den praktischen Erfahrungen der Weiterbildungsanbieter? Spiegeln sich hier die Ergebnisse der bundesweiten Umfrage? Kirstin Aretz, Teamleiterin Firmenschulung in der Weiterbildungsgesellschaft der IHK Bonn/Rhein-Sieg, und ihre Kolleginnen und Kollegen wissen, was aufstiegsorientierte Menschen antreibt, kennen aber auch die Anforderungen der Unternehmen an eine praxisorientierte Weiterbildung. Und auch hier vor Ort bestätigt sich die Erkenntnis aus der Studie: Den nächsten Karrieresprung berufsbegleitend anzugehen, ist für die meisten Absolventen der Höheren Berufsbildung gelebte Normalität.

Das Bildungszentrum in Bonn hat sich darauf eingestellt, dass sich die Prüfungsvorbereitung der meisten Teilnehmenden im Spagat zwischen Job und Bildung vollzieht. Daher bietet es die ­Vorbereitungslehrgänge ­ausschließlich in Teilzeit an, in der Regel an zwei Abenden in der Woche, manchmal auch samstags. Für Kirstin Arenz liegt die Vorliebe für solche Angebote auf der Hand: "Für ­unsere Kundinnen und Kunden ist es attraktiver, die ­Lehrgänge in Teilzeit zu besuchen.

So ­können sie sich neben ihrem Job ­optimal auf die Prüfung vorbereiten." Selbstverständlich lässt das Bildungszentrum aber auch diejenigen nicht im Stich, die sich mit vollem Zeiteinsatz qualifizieren wollen: Für sie bietet die Weiterbildungsgesellschaft gemeinsam mit einem Kooperationspartner eine Online-Variante in Vollzeit an, die Interessenten aus ganz Deutschland offensteht.

Fachkräftemangel "deutlich spürbar"

Allerdings hat sich in den letzten Jahren einiges geändert. Zwar geben drei Viertel der im Rahmen der Weiterbildungsstudie Befragten an, dass Corona keinen negativen Einfluss auf ihr berufliches Weiterbildungsverhalten gehabt habe. Aber ­natürlich – und dies zeigt sich auch in Bonn – hatte die Pandemie Effekte.

Dies betrifft zum einen die Veranstaltungsformate: Corona-bedingt haben Online- und Hybrid-Formate an Akzeptanz und damit Relevanz gewonnen. Im Bereich der Aufstiegsfortbildungen liegt der Online-Anteil je nach Lehrgang mittlerweile zwischen 5 und 20 Prozent. Für Kerstin Aretz ein willkommenes Add-On zum inhaltlichen Lehrgangsstoff, denn so werde gleichermaßen nebenbei die Medienkompetenz der Teilnehmenden gefördert. Voraussetzung: "Natürlich haben wir vorher unsere Dozentinnen und Dozenten geschult und somit fit gemacht für die Herausforderungen des Online-Unterrichts."

Auch in den anderen Weiterbildungsangeboten der Bonner habe sich ein Mix der Vermittlungsformen etabliert, wobei je nach Inhalten die geeignete Veranstaltungsform gewählt werde. "Während ein Teamleiterlehrgang am besten in Präsenz sehr viele Soft Skills vermittelt, sind Angebote in den Bereichen EDV und Digitalisierung für das Online-Format prädestiniert", so Aretz.

Die beliebten IHK-Zertifikatslehrgänge würden sehr gerne hybrid konzipiert: "Beispielsweise bieten wir das Auftaktmodul zum Kennenlernen und das Abschlussmodul mit dem IHK-Zertifikatstest in Präsenz an. Die anderen Module passen wir didaktisch so an, dass sie auch wunderbar als Live-Online-Trainings durchgeführt werden können. In unserer IHK-Online-Akademie haben die Teilnehmenden dann zusätzlich die Möglichkeit, sich auszutauschen und gemeinsam zu ­arbeiten."

Die Auswirkungen der Pandemie auf das Weiterbildungsverhalten beurteilt Aretz ambivalent: Die pandemiebedingten Einschränkungen hätten sich durchaus auf die Seminarfreudigkeit einzelner Teilnehmer ausgewirkt. Und nach wie vor sei – auch wegen finanzieller Unsicherheiten in Zeiten der Energiekrise – das Buchungsverhalten bei Privatpersonen eher zurückhaltend. Im Bereich der Firmenkunden sei das Buchungsniveau früherer Zeiten jedoch wieder erreicht. Für Aretz nicht nur ein Post-Corona-Effekt, sondern Folge der wachsenden Bedeutung interner Personalentwicklung: "Der immer deutlicher spürbare Fachkräftemangel ­bewegt die Unternehmen dazu, ihre Mitarbeitenden weiter zu qualifizieren."

Die Erfahrungen vor Ort bestätigen den persönlichen Qualifizierungsbedarf, den die Studie der DIHK für die Zukunft bundesweit vor allem in den Bereichen Kommunikation, Projektmanagement und Mitarbeiterführung verortet. Genau diese Themen beobachtet die Bonner Weiterbildungsexpertin auch bei den Inhouse-Seminaren, die Firmen bei der IHK-Weiterbildungsgesellschaft in Auftrag geben. Bei den Individualbuchungen boomen laut Aretz darüber hinaus die Themen Arbeitsrecht, Personalentwicklung, Immobilien sowie Finanzbuchhaltung/betriebliches Rechnungswesen.

Auch das DIHK-­Studienergebnis, wonach die Teilnahme an einem Lehrgang dazu motiviert, die Weiterbildungskarriere fortzusetzen, findet bei den ­Bonner Bildungsprofis Resonanz. So stellt Kirsten Aretz fest, "dass viele ihren Qualifizierungsweg gemeinsam mit uns gehen. Sie buchen vom IHK-Seminar über IHK-Zertifikatslehrgänge bis hin zum IHK-Praxisstudium auf ­Bachelor- und Masterniveau bei uns." Dies gelte gerade auch für den kaufmännischen Bereich: "In der Aufstiegsfortbildung sehen wir den Trend, dass vor allem viele Wirtschaftsfachwirte nach ihrem Abschluss noch 'den/die Betriebswirt*in (IHK)' anstreben." Mit diesem oder ähnlichen Werdegängen ist der Weg zur Führungsposition frei – nicht nur in Bonn.

Vier Tipps: So begeistern Sie Beschäftigte für eine Weiterbildung

  • Schaffen Sie ein positives Arbeitsklima, denn Menschen wollen sich bei der Arbeit gut aufgehoben und wohl­fühlen – und bilden sich dann auch gerne weiter.
  • Leben Sie Werte im Unternehmen vor, denn Aus- und Weiterbildung gelingt nur zusammen. Mit Offenheit, Ehrlichkeit, Integrität, Innovations- und Teamgeist.
  • Bieten Sie E-Learning an, und holen Sie die ­Generation Z in der virtuellen Welt ab, in der sie sich jeden Tag ­bewegt.
  • Bieten Sie Präsenzveranstaltungen an, denn auch das persönliche Kennenlernen und der intensive Austausch ist vielen Menschen wichtig und motiviert sie zu einer Weiterbildung.

 

Individuelle Potenziale gezielt fördern

Das zeigt auch das Beispiel von Pia Katz und Carina Münsterkötter. Innerhalb weniger Jahre haben sie sich zu Führungskräften bei der Erwin Hymer Group entwickelt. Das Unternehmen mit Sitz in Bad Waldsee vereint 21 unterschiedliche Caravan- und Reisemobilhersteller, Zubehörspezialisten sowie Miet- und Finanzierungsservices unter einem Dach. "Gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind das Fundament unseres Erfolgs", betont Karsten Weber, der als Head of Corporate ­Human Resources der Unternehmensgruppe für die Personal- und Organisationsentwicklung von fast 8.700 Beschäftigten zuständig ist.

"An allen Standorten weltweit fördern und entwickeln wir unsere Beschäftigten. Vom Auszubildenden bis zur Führungskraft, von der fachlichen Weiterbildung bis zum interkulturellen Training, von der Präsenzveranstaltung bis zur Online-Schulung, die jederzeit abrufbar ist und sich gut in den Arbeitsalltag integrieren lässt", erklärt er die ­Weiterbildungsstrategie der Erwin Hymer Group. "So fördern wir gezielt die Potenziale unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und bieten für jedes Talent den richtigen Karriere­pfad an."

Entsprechend groß und breit ­gefächert ist das Angebot der unternehmensweiten Erwin-Hymer-Group-Academy, die 2017 gegründet wurde. "Aktuell ­haben wir 102 Weiterbildungskurse im Programm und bekommen jeden Tag rund 300 Anmeldungen herein", berichtet Nadine Maurer, die als Specialist Learning & Development die Akademie leitet. "Am beliebtesten sind Projektmanagement, Rhetorik und Englisch – und ­natürlich unser Young Professional ­Programm."

Position Katz

Vom Trainee zur Teamleiterin: Pia Katz

An dem nahmen auch Pia Katz und Carina Münsterkötter teil und bereiteten sich 15 Monate lang intensiv auf mögliche Führungsaufgaben vor. Mit Erfolg: Die 29-jährige Katz ist inzwischen Team Lead International Sales & Marketing Processes and Digitalization bei der ­Erwin Hymer Group in Bad Waldsee, die 28-jährige Münsterkötter ist Personalreferentin und Ausbildungsleiterin bei der LMC ­Caravan in Sassenberg.

Was die beiden jungen Frauen geschafft haben, ist allerdings noch nicht für alle Geschlechtsgenossinnen selbstverständlich: Laut der DIHK-Erfolgsstudie Weiterbildung gaben 48 Prozent der Frauen an, dass sie nach ­einer beruflichen Weiterbildung eine höhere Position erreicht haben – im Gegensatz zu den Männern, hier waren es sogar 63 Prozent. Wie sich diese Unterschiede erklären lassen? Das wäre vielleicht auch mal eine Studie wert.

Schwerpunkte:
  • Weiterbildung
  • Position - Magazin für Ausbilder

Autorin

Elke Zapf