Der internationale Handel bleibt 2025 ein Kraftakt. Lieferketten wackeln, Sanktionen nehmen zu, neue EU-Regeln belasten den Alltag vieler Unternehmen. Gleichzeitig modernisieren die IHKs ihre Außenwirtschaftsservices mit großem Tempo – vom elektronischen Ursprungszeugnis bis zum digitalen Carnet. Der Außenwirtschaftsreport fasst zusammen, wo Unternehmen jetzt Unterstützung suchen und welche Trends das Auslandsgeschäft prägen.
Wesentliche Ergebnisse
Die deutschen Industrie- und Handelskammern (IHKs)
- gaben 2024 1,08 Mio. Ursprungszeugnisse (UZ) aus, von ihnen wurden 91 % elektronisch beantragt,
- stellten 21.634 Carnets ATA/CPD aus
- führten 417.000 Beratungen durch, viel Beratungsbedarf gab es unter anderem zu CBAM oder den US-Sanktionen gegen China.
Elektronische Ursprungszeugnisse
Die meisten eUZs gingen 2024 in die Türkei (180.000), gefolgt von China, den VAE und Indien. Besonders der hohe Bedarf in der Türkei zeigt die fortbestehende Bedeutung von Ursprungsnachweisen im Handel, etwa aufgrund vergangener Zusatzzölle. Auch über 46.000 innerdeutsche UZs wurden ausgestellt, um Lieferkettennachweise innerhalb Deutschlands sicherzustellen.
Carnets für temporäre Exporte
Die Anzahl ausgestellter Carnets ATA/CPD blieb 2024 mit 21.634 Dokumenten stabil. Damit können Unternehmen weiterhin unkompliziert Waren wie Messegut, Berufsausrüstung oder Prototypen vorübergehend in Drittländer verbringen. Die elektronische Beantragung findet großen Zuspruch, und das volldigitale Carnet befindet sich bereits im Pilotbetrieb – inklusive QR-Code-Lösung für den Zoll. Die wichtigsten Carnet-Zielländer sind die Schweiz, Großbritannien und die USA.
Nachfrage nach IHK-Veranstaltungen und Beratung
Mit über 90.500 Teilnehmenden verzeichnen außenwirtschaftsbezogene IHK-Veranstaltungen einen neuen Rekord. Unternehmen suchen verstärkt Informationen zu Zollverfahren, Exportkontrolle, Sanktionsrecht und internationalen Märkten. Die IHKs führten 417.000 Beratungen durch – ein klarer Hinweis auf die hohe Nachfrage nach praxisnaher Orientierung in einem anspruchsvollen Umfeld.
Resiliente Lieferketten und maritime Sicherheit
Globale Lieferketten bleiben fragil. Angriffe auf Schiffe im Roten Meer oder längere Transportwege über das Kap der Guten Hoffnung zeigen die Abhängigkeit des Welthandels von sicheren Seewegen (Seite 8). Die DIHK adressierte diese Themen u. a. auf der Münchner Sicherheitskonferenz 2025, um die Bedeutung der maritimen Sicherheit für deutsche Unternehmen hervorzuheben.
Sanktionen & Geopolitik
Die EU-Sanktionen gegen Russland bleiben ein zentraler Beratungsschwerpunkt. Zwar ist der Aufwand leicht gesunken, bleibt aber hoch. Gleichzeitig steigt die Relevanz von US-Sanktionen gegen China sowie chinesischen Gegensanktionen. Rund 29 % der IHKs beraten zu US-Maßnahmen gegen China, 21 % zu chinesischen Gegenmaßnahmen. Immer mehr Unternehmen planen einen „doppelten Warenkreislauf“ für getrennte EU–USA- und EU–China-Geschäfte.
CBAM, Lieferkettengesetze & EUDR
Neue regulatorische Vorgaben stellen Unternehmen vor große Hürden:
- CBAM: 45 % der IHKs melden hohen Beratungsaufwand. Schon kleine Liefermengen sind betroffen; viele Firmen kämpfen mit komplexen Datenerfordernissen.
- LkSG: Starker „Trickle-Down-Effekt“ führt zu hoher Bürokratie bei Zulieferern. Viele Unternehmen fordern eine Reform oder Aussetzung bis zur EU-Harmonisierung.
- EUDR (Entwaldungsverordnung): Über 30 % der IHKs melden hohen Beratungsaufwand. Unternehmen müssen georeferenzierte Daten liefern – in vielen Ländern schwer umsetzbar.
Mitarbeiterentsendung ins Ausland
Die Nachfrage nach Beratung zu Entsendungen steigt vor allem in Bezug auf Schweiz, Frankreich, Italien und Österreich. Unternehmen müssen zunehmend komplexe Meldepflichten und Vorgaben zu Mindestlöhnen beachten.
E-Commerce & Zollreform
Der boomende Onlinehandel stellt EU-Unternehmen vor enorme Wettbewerbsverzerrungen. Zahlreiche außereuropäische Anbieter umgehen bestehende Standards. Die DIHK fordert deshalb:
- konsequente Umsetzung des Digital Services Act,
- Reform der WTO-Regeln,
- bessere Kontrolle des IOSS-Systems,
- schnellere Umsetzung der EU-Zollreform.
Die geplante Abschaffung der 150-Euro-Zollfreigrenze ab 2028 wird internationale Handelsströme spürbar verändern.
Warenursprung, Präferenzen & Handelsabkommen
Die IHKs beraten intensiv zu Ursprungsregeln, Präferenzabkommen und Lieferantenerklärungen, die für Unternehmen entscheidend sind, um Zölle zu vermeiden und die Vorteile internationaler Handelsabkommen zu nutzen.
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Veröffentlicht 21.03.2025
Aktualisiert 09.01.2026
Ansprechpartner
Steffen Behm
Referatsleiter Zoll
Martin Schwindler
Referatsleiter Zoll