Mensch füllt Formulare aus, bedient dabei einen Taschenrechner, im Vordergrund Aktenordner

Moderner Staat und Bürokratieabbau

Die DIHK setzt sich für einen wirksamen und umfassenden Bürokratieabbau ein, damit die Unternehmen wieder spürbar mehr Zeit, Personal und Ressourcen für Wertschöpfung, Innovation und Wachstum haben.

Mehr Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftliche Dynamik

Bürokratieabbau gehört zu den zentralen Anliegen der Unternehmen in Deutschland. Viele Berichtspflichten, komplexe Genehmigungsverfahren und eine oft uneinheitliche Verwaltungspraxis bremsen Investitionen, binden Fachkräfte in unnötigen Prozessen und reduzieren die Innovationskraft. Für die Wirtschaft ist klar: Weniger Bürokratie bedeutet mehr Zeit für Wertschöpfung und ist damit ein entscheidender Baustein für einen wettbewerbsfähigen Standort Deutschland.

Die größten Belastungstreiber für Unternehmen

  1. Informations‑ und Meldepflichten
    Unternehmen müssen eine Vielzahl von Daten an unterschiedliche Stellen liefern – oft mehrfach und in verschiedenen Formaten.
  2. Komplexe Genehmigungsverfahren
    Besonders im Bau‑, Umwelt‑ und Anlagenbereich dauern Verfahren häufig Jahre. Unklare Zuständigkeiten und fehlende Digitalisierung verlängern die Prozesse zusätzlich.
  3. Aufwendige Verwaltungsprozesse
    Gesetze sind häufig sehr detailliert, was die Umsetzung erschwert und zu zeitintensiven Abstimmungen führt.
  4. Redundante Berichtspflichten
    Daten werden vielfach mehrfach abgefragt, obwohl sie bereits in anderen Behörden vorliegen könnten.
  5. Fehlende medienbruchfreie Digitalisierung
    Viele administrative Abläufe erfolgen noch papierbasiert, mit unterschiedlichen Portalen, Passwörtern und Formularen.

Wo Reformen ansetzen müssen

Um den Bürokratieaufwand spürbar zu reduzieren, braucht es eine langfristige, praxisnahe Strategie. Aus Sicht der Wirtschaft sind dabei vier Leitlinien entscheidend:

  • Einfachere, klarere und digital gedachte Gesetze
    Regelungen sollten von Anfang an so gestaltet werden, dass sie in der Praxis leicht umsetzbar sind – und digital verarbeitet werden können.
  • Schnelle und effiziente Genehmigungen
    Mehr Standardisierung, digitale Verfahren, klarere Fristen und verbindliche Entscheidungen tragen dazu bei, Verfahren berechenbarer zu machen.
  • Mehr Vertrauen zwischen Staat und Wirtschaft
    Viele Pflichten entstehen aus einer "Misstrauenskultur". Wo möglich, sollten Nachweispflichten durch stichprobenartige und risikoorientierte Kontrollen ersetzt werden.
  • Föderale Zusammenarbeit stärken
    Einheitliche digitale Portale, abgestimmte Verfahrensstandards und eine bessere Koordination zwischen Bund, Ländern und Kommunen können Abläufe erheblich vereinfachen.

Bürokratieabbau als gemeinsame Aufgabe

Bürokratie lässt sich nicht über Nacht abbauen. Sie entsteht über Jahrzehnte – und kann nur im Schulterschluss von Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Zivilgesellschaft reduziert werden. Entscheidend ist, dass Reformen nicht nur angekündigt, sondern konsequent umgesetzt werden. Dazu gehört auch, bestehende Regelungen regelmäßig zu hinterfragen und neue Vorgaben nur dann einzuführen, wenn ihr Nutzen klar belegt ist.

Für die Unternehmen ist klar: Ein moderner Staat braucht eine moderne Verwaltung – digital, effizient und dienstleistungsorientiert. 

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Porträtfoto Kevin Heidenreich, Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik

Kevin Heidenreich

Referatsleiter Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik