Wandergruppe in einer Stadt im Schwarzwald

Deutsche Tourismusbranche im Aufwind – aber wirtschaftlich weiterhin fragil

Die deutsche Tourismuswirtschaft kämpft sich nach den Krisenjahren zurück. Der Sektor stabilisiert sich sichtbar, steht jedoch weiterhin unter erheblichem Kosten- und Strukturdruck. Damit die Branche dauerhaft Tritt fasst, braucht es bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen und konkrete Entlastungen.

Eine aktuelle Analyse des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Econ) im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Tourismuswirtschaft (BTW), der DIHK und des Deutschen Tourismusverbands (DTV) zeigt: Die Tourismuswirtschaft gewinnt deutlich an Stärke zurück und nähert sich wieder ihrer Bedeutung von vor der Pandemie. Gleichzeitig stehen viele Betriebe weiterhin unter erheblichem Kosten- und Strukturdruck. Die Erholung ist sichtbar — aber noch nicht stabil genug, um ohne zusätzliche politische Unterstützung langfristig Bestand zu haben.

Tourismuswirtschaft in Zahlen (2024)

  • Anteil an der gesamtwirtschaftlichen Bruttowertschöpfung: 3,7 %
  • Beschäftigte in der Tourismuswirtschaft: 2,7 Mio. Personen
  • Anteil an allen Erwerbstätigen: rund 6 %
  • Ausgaben der Gäste (nominal): 392 Mrd. €
  • Ausgaben der Gäste (preisbereinigt): 319 Mrd. €
  • Arbeitsplatzverlust während der Pandemie (2019–2021): ca. 800.000 Stellen

Bedeutung und Dynamik

Die aktuelle Analyse bestätigt: Der Tourismus bleibt eine tragende Säule für Wachstum, regionale Entwicklung und Beschäftigung. Insbesondere in ländlichen Regionen wirkt er als wirtschaftliches Rückgrat — für Gastgewerbe ebenso wie für Handel, Mobilität und zahlreiche verbundene Branchen.

Mit dem Wiedererstarken des internationalen Reiseverkehrs und einer Normalisierung im Inland kehrt die Branche zunehmend zu ihrer strukturellen Rolle im deutschen Wirtschaftsgefüge zurück.

Unternehmen unter Druck

Trotz erkennbarer Erholungsimpulse stehen viele Unternehmen weiterhin unter enormem Druck. Hohe Energiepreise, steigende Lebensmittelkosten und Lohnerhöhungen belasten die Betriebe erheblich. Das trifft besonders kleinere Häuser in Hotellerie und Gastronomie sowie touristische Infrastrukturanbieter.

Hinzu kommt, dass kommunale Haushalte vielerorts schwach sind. Investitionen in Bäder, Wege, Kultur- und Freizeitinfrastruktur werden verschoben oder gestrichen — mit Rückwirkungen auf die Attraktivität ganzer Regionen. Die Erholung zeigt sich somit zwar in der Nachfrage, nicht aber zwingend in stabilen Betriebsergebnissen.

Die Tourismuswirtschaft ist eine Schlüsselbranche von Messe bis Bau und braucht endlich Entlastungen bei Kosten, Bürokratie und Arbeitszeit.

DIHK-Präsident Peter Adrian

Peter Adrian

-- DIHK-Präsident

Spillover-Effekte

Der Tourismus wirkt stark in andere Bereiche der Wirtschaft hinein. Er beeinflusst Handel, Baugewerbe, Verkehr, Kulturangebote sowie Messe- und Veranstaltungswesen. Diese sektorübergreifenden Wirkungen machen den Tourismus zu einem wichtigen wirtschaftlichen Faktor mit hoher regionaler Bedeutung.

Eine stabile Tourismuswirtschaft sichert Arbeitsplätze, stärkt Innenstädte, fördert Investitionen und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen.

Konkrete Handlungsempfehlungen

Um die Erholung nicht zu gefährden, braucht es klare politische Prioritäten:

1. Kostenentlastungen im Energie- und Lebensmittelbereich

Viele Betriebe arbeiten an der Gewinnschwelle. Eine zielgerichtete Entlastung kann kurzfristig helfen, wirtschaftliche Stabilität zu sichern.

2. Bürokratieabbau konsequent umsetzen

Die im Koalitionsvertrag angekündigten Maßnahmen — wie flexiblere Arbeitszeiten oder die Abschaffung der Bonpflicht — sollten schnell kommen, um Unternehmen sofort zu entlasten.

3. Kommunale Investitionsfähigkeit stärken

Weil viele touristische Einrichtungen in kommunaler Hand liegen, ist die Leistungsfähigkeit der Kommunen für die Branche zentral. Investitionen sichern regionale Attraktivität und Wettbewerbsfähigkeit.

4. Tourismus politisch strategischer verankern

Die Branche sollte in wirtschaftspolitischen Gesprächen und Strategien als Querschnitts- und Zukunftsbranche berücksichtigt werden — nicht nur als Freizeit- oder Konsumsektor.

Download

Wirtschaftsfaktor Tourismus 2024 (PDF, 1 MB)

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  • Tourismus

Ansprechpartnerinnen

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Julia Seibert

Referatsleiterin Tourismuswirtschaft und Tourismuspolitik

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Petra Blum

Pressesprecherin