Trotz anhaltender Krisen und hoher Belastungen digitalisieren Unternehmen in Deutschland weiter – von KI-Einsatz über Datenanalyse bis zu neuen Arbeitsmodellen. Doch die Digitalisierung wird zunehmend zum Kraftakt: fehlende Fachkräfte, komplizierte Regelungen, unzureichender Netzausbau und eine zu langsame öffentliche Verwaltung hemmen dringend benötigte Fortschritte. Die DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025 zeigt, wo Betriebe heute stehen, welche Technologien sie vorantreiben und welche politischen Hürden Innovationen erschweren.
Wesentliche Ergebnisse
- Digitalisierung bleibt stabil: Durchschnittliche Selbsteinschätzung liegt erneut bei 2,8 – trotz wirtschaftlicher Belastungen.
- KI ist in der Breite angekommen: 38 % nutzen KI bereits heute, weitere 32 % planen den Einsatz in den nächsten drei Jahren.
- Hauptmotive für Digitalisierung: Effizienzsteigerung (65 %), Kostenersparnis (65 %) und Qualitätsverbesserung (63 %).
- Haupthemmnisse: Zeit (60 %), Komplexität (54 %), Kosten (42 %), fehlende IT-Fachkräfte (32 %) sowie rechtliche Unsicherheiten (31 %).
- Verwaltung bleibt Digitalisierungsbremse: Bewertung nur 4,29 – deutlich schlechter als die Bewertung der eigenen Unternehmen (2,85).
- Cybersicherheitsrisiken steigen: 18 % der KMU und 50 % der Großunternehmen melden einen erheblichen Vorfall im letzten Jahr.
Digitalisierung bleibt trotz Krise auf Kurs
Unternehmen bewerten ihren eigenen Digitalisierungsstand weiterhin stabil mit der Durchschnittsnote 2,8 – und das über nahezu alle Branchen hinweg. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit, hoher Kosten und anhaltendem Fachkräftemangel investieren viele Betriebe weiter in digitale Prozesse, moderne Tools und effizientere Arbeitsabläufe. Während die Informations- und Kommunikationsbranche hier klar vorne liegt, kommen insbesondere das Baugewerbe und das Gastgewerbe deutlich langsamer voran.
Die Unternehmen sehen sich zwar in der Digitalisierung aktiv, aber noch nicht in der Lage, sich durch innovative digitale Strategien und Technologien einen Vorsprung vor der Konkurrenz zu verschaffen. Ihren eigenen Digitalisierungsgrad bewerten die Betriebe im Durchschnitt nur als befriedigend (2,8), gleichbleibend zum Vorjahr.
KI erreicht breite Anwendung in Unternehmen
Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz hat in den vergangenen Jahren rasant an Fahrt aufgenommen: 38 Prozent der Unternehmen nutzen KI bereits heute – häufig für Automatisierung, Prozessoptimierung oder zur Entscheidungsunterstützung. Weitere 32 Prozent planen den kurzfristigen Einsatz, sodass KI in immer mehr Branchen zum Standard wird, insbesondere in der Industrie, im Handel und in der Finanzwirtschaft. Gleichzeitig bleibt die Unsicherheit groß: Unklare Regeln zur Datenverwendung und mögliche KI-Auditpflichten bremsen viele Betriebe aus und verhindern, dass sie das volle Potenzial der Technologie ausschöpfen können.
Die Digitalisierung ist weniger ein Innovationsmotor, vielmehr hilft sie Unternehmen, aktuellen Herausforderungen zu begegnen: Fachkräftemangel, hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, steigende Kundenanforderungen. Betriebe digitalisieren, um (Arbeits-)Prozesse effizienter zu gestalten und um die Qualität ihrer Produkte zu verbessern. Die Potenziale der Digitalisierung bei der Entwicklung neuer Produkte geraten unter den aktuellen Krisenzwängen in den Hintergrund. Neue digitale Geschäftsmodelle und disruptive Innovationen haben eher Seltenheitswert. Besonders in der Industrie sind Kostensenkung und die Bewältigung des Fachkräftemangels vorrangig.
Die Unternehmen, die KI einsetzen, nutzen diese vorrangig, um effizienter zu werden und um ihren Kunden bessere Produkte und Dienstleistungen anzubieten. 80 Prozent dieser Unternehmen setzen generative KI zur Erzeugung von Inhalten wie Texte, Bilder et cetera ein. Das Gastgewerbe, der Handel und die Finanzbranche sind Spitzenreiter von KI-Unterstützung bei Kundenansprache und Support. Die Finanzbranche nutzt KI außerdem für die Analyse von Risiken und für Risikomanagement. Die Industrie setzt KI vor allem zur Prozessüberwachung ein. Die allgemeine Herausforderung besteht darin, aus Experimenten mit künstlicher Intelligenz echten Mehrwert für Unternehmen zu schaffen.
Zeit- und Komplexitätsdruck bremst Fortschritt
Vielen Unternehmen fehlt schlicht die Zeit für ihre Digitalisierungsprojekte: 60 Prozent geben an, dass ihnen dafür die Ressourcen fehlen. Gleichzeitig empfinden 54 Prozent die Digitalisierung als zu komplex, und 42 Prozent kämpfen mit den damit verbundenen Kosten. Hinzu kommt, dass viele Betriebe parallel ihre Prozesse stabil halten, Investitionen priorisieren und Mitarbeitende weiterqualifizieren müssen. Diese Kombination aus Zeitdruck, Komplexität und finanziellen Hürden führt dazu, dass die Digitalisierung in zahlreichen Unternehmen deutlich langsamer voranschreitet, als es für ihre Wettbewerbsfähigkeit notwendig wäre.
Digitale Transformationsprojekte sind aufwendig und erfordern viel Zeit und Geld. Häufig sind sie sehr komplex, da interne Prozesse reorganisiert und die Mitarbeitenden mitgenommen werden müssen. Fast jedes dritte Unternehmen sieht sich mit einem Mangel an IT-Fachkräften und Unsicherheiten in Bezug auf die Erfüllung rechtlicher Vorgaben konfrontiert. Bei kleineren Unternehmen sind vor allem rechtliche Unsicherheiten eine große Herausforderung. In größeren Unternehmen erhöhen sich die Anforderungen an Mitarbeiter und IT-Abteilungen durch komplexere Strukturen.
Rechtslage hemmt Datennutzung
Die Herausforderungen der Datennutzung zeigen ein klares Bild: 62 Prozent der Unternehmen betrachten rechtliche Unsicherheiten als größte Bremse, 56 Prozent haben mit technischen Hürden zu kämpfen und 42 Prozent fehlt das notwendige Know-how für datengetriebene Geschäftsmodelle. Damit wird deutlich, dass die Potenziale der Datenökonomie zwar enorm sind, jedoch zentrale Voraussetzungen wie Rechtsklarheit, Interoperabilität und verlässliche Datenzugänge im betrieblichen Alltag weiterhin fehlen.
Die Datennutzung ist für die Unternehmen mit einer Reihe von unterschiedlichen Herausforderungen verbunden. Neben technischen Hemmnissen wie fehlenden Standards werden Unsicherheiten bei der Umsetzung rechtlicher Vorgaben besonders oft genannt. Häufig steht nicht genügend Know-how für eine effektive Datennutzung in den Unternehmen zur Verfügung. Daten sind die Grundlage für neue Geschäftsmodelle und KI-Anwendungen. Daher benötigen Unternehmen Mechanismen zur gemeinsamen Datennutzung, klare Standards und Schnittstellen sowie eine vertrauenswürdige Dateninfrastruktur – einheitlich gestaltet in Deutschland und Europa.
Netzausbau hinkt hinterher
Besonders im ländlichen Raum bleibt der Netzausbau hinter den Bedürfnissen der Betriebe zurück. Für exportorientierte Unternehmen, die zunehmend auf Cloud-Dienste, digitale Plattformen und Echtzeitdaten angewiesen sind, entwickelt sich die unzuverlässige Anbindung damit zu einer echten Wachstumsbremse.
Die Digitalisierung der Unternehmen ist maßgeblich davon abhängig, wie schnell Glasfasernetze bis in die Gebäude ausgebaut werden und moderne Mobilfunknetze flächendeckend verfügbar sind. Besonders die zunehmende Nutzung von Cloud-Lösungen und KI führt zu einem immer größeren Bedarf an Bandbreite. Ein Drittel der Unternehmen, die dazu eine Aussage machen können (ein Viertel kann das gar nicht), verfügen bereits über einen Internetanschluss von mindestens 1 Gbit/s. Diese Unternehmen sind ganz überwiegend mit ihrer Breitbandverfügbarkeit zufrieden. In der Regel wird der Netzausbau von privaten Unternehmen im Wettbewerb vorangetrieben. Er wird erschwert durch hohe Baukosten, einen Mangel an Fachkräften und zähe Genehmigungsverfahren der öffentlichen Hand.
Öffentliche Verwaltung bleibt größtes Hemmnis
Die Bewertung der Verwaltung liegt nur bei 4,29 – ein deutliches Signal aus der Wirtschaft.
Unternehmen kritisieren, dass digitale Verfahren in der öffentlichen Verwaltung weiterhin uneinheitlich sind und viele zentrale Abläufe noch immer papiergebunden stattfinden. Zudem funktionieren Anbindungen an Behörden häufig nicht zuverlässig, und zahlreiche E-Government-Angebote gelten als lückenhaft oder zu komplex. Für IHKs und Ministerien ergibt sich daraus ein klarer Handlungsauftrag: Die Digitalisierung der Verwaltung muss höchste Priorität erhalten.
Deutschland ist bei der Verwaltungsdigitalisierung versetzungsgefährdet, Fortschritte sind kaum erkennbar. Wenn die Verwaltung in der Digitalisierung nicht mit den Unternehmen Schritt hält, wirkt sich das negativ auf die Standortqualität und letztlich auf die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen aus. Ein Beispiel dafür ist der Glasfaser- und Mobilfunknetzausbau, der aufgrund langwieriger Genehmigungsverfahren häufig ins Stocken gerät. Es ist dringend erforderlich, dass Bund, Länder und Kommunen sich zukunftsfähig aufstellen.
Cybersicherheit: Hohe Bedrohung – aber Umsetzungslücken bleiben
2024 waren 18 Prozent der kleinen und mittelständischen Unternehmen und sogar 50 Prozent der Großunternehmen von einem erheblichen Cybervorfall betroffen. Dennoch gehen die Präventionsmaßnahmen zurück: Nur 31 Prozent der Betriebe führen noch eine regelmäßige Risikoanalyse durch – ein Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Zwar setzen viele Unternehmen weiterhin auf Backups und IT-Sicherheitsupdates, doch Tests der Sicherungskopien und Notfallübungen werden deutlich zu selten durchgeführt. Mit der fortschreitenden Digitalisierung steigt damit die Verwundbarkeit spürbar – und somit auch der Bedarf an einer deutlich stärkeren Sicherheitskultur in den Unternehmen.
Die Bedrohungslage bleibt weiterhin hoch. Zwar sind derzeit noch vor allem große Unternehmen betroffen, doch die Industrialisierung der Cyberkriminalität und die steigende Angriffsfläche durch die zunehmende Digitalisierung werden dazu führen, dass immer mehr Unternehmen Ziel von Angriffen werden. Die am häufigsten genannten Angriffsarten in der Umfrage sind Betrug und Ransomware.
Die Unternehmen sind sich der Bedrohungslage bewusst und ergreifen entsprechende Maßnahmen. Angesichts der aktuellen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen müssen sie bei der Digitalisierung darauf achten, auch die IT-Sicherheit konsequent im Blick zu behalten. Besonders kleine und mittlere Unternehmen benötigen maßgeschneiderte Unterstützungsangebote, um ihre Sicherheit zu gewährleisten.
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DIHK-Digitalisierungsumfrage 2025 (PDF, 1 MB)
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Veröffentlicht 11.03.2025
Aktualisiert 07.01.2026
Ansprechpartner
Arian Siefert
Referatsleiter Wirtschaft digital
Dr. Katrin Sobania
Referatsleiterin Informations- und Kommunikationstechnologie | E-Government | Postdienste | IT-Sicherheit