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Deutschlands Mittelstand sucht dringend Nachfolger – doch die Lücke zwischen abgabebereiten Betrieben und geeigneten Übernehmern wird größer. Der DIHK-Report 2025 zeigt, warum das Schließungsrisiko steigt und wo jetzt gehandelt werden muss.
Die Unternehmensnachfolge entwickelt sich 2025 zu einer der größten Strukturfragen des deutschen Mittelstands. Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer wollen abgeben oder müssen aus Alters- und Belastungsgründen aussteigen – während geeignete Nachfolger oft fehlen. Fachkräftemangel, hohe Kosten, schwache Konjunktur und überbordende Regulierung verschärfen die Lage zusätzlich. Der DIHK-Report zeigt, wo die Engpässe liegen, was Übernahmen bremst und welche Maßnahmen notwendig sind, damit der Generationswechsel in deutschen Betrieben gelingt.
Wesentliche Ergebnisse
Historischer Höchststand: 2024 führten die IHKs fast 10.000 Beratungen mit abgabewilligen Unternehmen – ein Plus von 16 % und Rekordwert.
Große Lücke zwischen Angebot und Nachfrage: Rund 5.620 Betrieben steht kein Nachfolgeinteressent gegenüber.
Schließungsrisiko steigt: 27 % der beratenen Unternehmen erwägen eine Betriebsaufgabe, meist weil 92 % keinen Nachfolger finden.
Demografischer Druck: 72 % der Alt-Inhaber wollen aus Altersgründen aufhören.
Fachkräftemangel als Doppelproblem: Er erschwert die Übergabe – und senkt gleichzeitig die Zahl potenzieller Übernehmer.
Mehr Interessenten – aber nicht genug: 2024 meldeten sich 4.016 Personen, die übernehmen möchten – deutlich mehr als im Vorjahr, aber zu wenig für den Bedarf.
Finanzierungslage leicht besser: Bürgschaften werden häufiger als hilfreich bewertet; Bankkredite bleiben aber schwierig.
Frauenpotenzial bleibt ungenutzt: Nur ein Viertel der Übernahmeinteressierten sind Frauen.
Kaufpreis & Vorbereitung zentrale Hürden: 36 % der Alt-Inhaber erwarten überhöhte Preise, 38 % bereiten die Übergabe zu spät vor.
Nachfolgedruck im Mittelstand steigt
Die Zahl der Unternehmerinnen und Unternehmer, die ihren Betrieb abgeben oder ganz einstellen wollen, erreicht 2024 einen Rekordwert. Haupttreiber sind die langanhaltende Wirtschaftskrise, strukturelle Standortprobleme, hohe Kosten sowie eine wachsende Verunsicherung über politische Rahmenbedingungen. Besonders gravierend: Seit 2019 hat sich der Abstand zwischen verfügbaren Unternehmen und geeigneten Nachfolgeinteressierten nahezu verdoppelt.
Warum Betriebe vor der Schließung stehen
Für 92 Prozent der Unternehmen, die eine Schließung erwägen, liegt es daran, dass kein geeigneter Nachfolger gefunden wurde. Hinzu kommen der Fachkräftemangel (63 %), hohe Energie- und Materialkosten (49 %) und allgemeine Zukunftsunsicherheit (47 %). In 40 Prozent der Fälle spielen steigende Bürokratielasten eine entscheidende Rolle. Die Unternehmen fühlen sich zunehmend überfordert und sehen keine Perspektive im aktuellen Umfeld.
Fehlt ein geeigneter Nachfolger, verzögern sich Übertragungen oft erheblich – mit Folgen für die Investitionsbereitschaft. Viele Alt-Inhaber investieren kurz vor der Übergabe nicht mehr, während neue Eigentümer durch langwierige Genehmigungsprozesse ausgebremst werden. Das gefährdet Modernisierung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit und erhöht die Gefahr, dass Betriebe geschlossen oder von größeren Unternehmen übernommen werden.
Mehr Übernahmeinteressenten – Lücke bleibt
Die Zahl der Nachfolgeinteressierten steigt 2024 zwar deutlich, auf4.016 Personen, doch reicht das angesichts der hohen Zahl abgabebereiter Unternehmen nicht aus. IHK-Formate wie Nachfolgezentralen, Pools und Pitch-Events gewinnen an Bedeutung und sprechen zunehmend Menschen an, die eine Alternative zum unsicheren Angestelltenverhältnis suchen. Dennoch gelingt es bislang nicht, den Negativtrend zu stoppen.
Etwa die Hälfte der Senior-Unternehmer möchte den Betrieb verkaufen. Nur ein Drittel plant eine familieninterne Übergabe, ein Fünftel die Weitergabe an Mitarbeitende. Die IHKs empfehlen eine frühzeitige, transparente Kommunikation, damit die Übergabe nicht an ungeklärten Erwartungen oder fehlender Vorbereitung scheitert.
Finanzierung bleibt große Herausforderung
Vier von zehn Übernahmeinteressierten berichten von Finanzierungsproblemen. Positiv ist, dass Bürgschaften zunehmend Entlastung schaffen und von 31 Prozent der IHKs als verbessert bewertet werden. Bankkredite bleiben dagegen anspruchsvoll; Mezzanine-Kapital und Eigenmittel sind weiterhin schwer zu mobilisieren. Eine solide Finanzierung bleibt damit eine zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Übergaben.
Nur rund ein Viertel der Interessierten an der Übernahme eines Unternehmens sind Frauen – obwohl sie bei Gründungen bereits über 40 Prozent ausmachen. Häufig beginnen Frauen ihren unternehmerischen Weg später, verfügen über weniger Startkapital oder sind weniger in Netzwerke eingebunden. IHKs arbeiten deshalb gezielt daran, mit Programmen wie „Werde Unternehmerin“ oder Frauen-Netzwerken mehr weibliche Nachfolgerinnen zu gewinnen.
Zentrale Herausforderungen sind fehlende Kandidaten, überhöhte Kaufpreisvorstellungen und eine unzureichende Vorbereitung der Alt-Inhaber. 38 Prozent bereiten die Übergabe zu spät vor, oft nur ein bis zwei Jahre vorher – viel zu wenig für rechtlich und emotional komplexe Prozesse. Auf Nachfolgerseite mangelt es vielen an realistischen Erwartungen, ausreichender Qualifikation oder Verständnis für die Anforderungen einer Übernahme.
In der IHK-Beratung sind fast dreieinhalb Mal so viele Hotel- und Gastronomie-Unternehmen, wie sich Nachfragende dafür finden würden. In der personalintensiven Branche berichten viele Betriebe, dass sie kaum Personal rekrutieren können – während der Pandemie haben viele Fachkräfte der Branche den Rücken gekehrt. Oftmals fehlt zudem die Bereitschaft zum entsprechenden Arbeits- und Zeiteinsatz. Investitionsstaus und die Notwendigkeit, viele staatliche Auflagen wie etwa Hygiene- und Brandschutzbestimmungen zu erfüllen und auch oft bauliche Veränderungen vorzunehmen, erhöhen die bürokratischen und finanziellen Belastungen.
Zudem müssen oft hohe Mieten gezahlt oder die Übernahme von Immobilien finanziert werden, was in der Summe Nachfolgerinnen und Nachfolger finanziell oft überfordert. Zudem berichten die Betriebe von weniger Gästen und Kaufzurückhaltung. Die Gewinnmargen reichen häufig nicht aus, um Investitionsstaus aufzulösen. Gerade auch in ländlichen Regionen können Gastronomiebetriebe bisweilen kein auskömmliches Kundenaufkommen generieren.
Häufig fehlen darüber hinaus die Mittel, um Konzepte an (neue) Zielgruppen anzupassen (Nachhaltigkeit, Zero Waste, Mehrwegpflicht für die Gastronomie, Chatbots für die Online-Kundeninteraktion, Online-Lieferservice-Portale et cetera).
Fast 2.500 der von den IHKs beratenen Nachfolgeunternehmen entstammen dem Handel, der mit 25 Prozent den höchsten Anteil an abzugebenden Betrieben ausmacht. Der stationäre Handel ist stark von der Attraktivität der Innenstädte geprägt, hier berichten viele IHKs von Problemen. Viele haben überdies Schwierigkeiten, geeignetes Fachpersonal zu finden. Hinzu kommen Kaufzurückhaltung breiter Kundenschichten und wachsender Wettbewerbsdruck durch den Online-Handel.
All das dämpft die Attraktivität vieler Läden und Geschäfte für potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger. Auch der Online-Handel ist kein Selbstläufer – für Werbung und Marketing muss inzwischen häufig ein sehr hoher Aufwand betrieben werden, um genug potenzielle Kunden zu erreichen. Investitionsstaus auch mangels ausreichender Digitalisierung und Renovierungsbedarfe erschweren die Finanzierung und erhöhen das Risiko für Nachfolger. Die Problemlagen werden erschwert, wenn das Unternehmen es vernachlässigt hat, auf geänderte Kundenbedürfnisse einzugehen oder zeitgemäße Prozesse einzuführen (beispielsweise moderne Bezahlsysteme oder Warenwirtschaftssysteme).
Weitere Hürden stellen Bürokratie und regulatorische Anforderungen dar. Die wirtschaftliche Unsicherheit führt dazu, dass potenzielle Nachfolger zögern, ein Unternehmen zu übernehmen. Etliche IHKs sehen mithin die Gefahr, dass immer mehr Läden und Geschäfte nicht übernommen werden, mit der Folge, dass Leerstände und verwaiste Lagen in Innenstädten zunehmen.
Unter den Nachfolgeinteressenten ist das Verarbeitende Gewerbe am beliebtesten – 32 Prozent suchen einen Industriebetrieb. Auf einen potenziellen Nachfolgenden kommen im Mittel 1,3 zu übergebende Betriebe – im Branchenvergleich ist das nur ein moderater Überhang. Das darf jedoch nicht über Matching-Probleme auch hier hinwegtäuschen.
Gerade in der Industrie, die entweder direkt auf ausländischen Märkten oder indirekt als Zulieferer in internationale Wertschöpfungsketten eingebunden ist, schlagen neben der Unsicherheit in der Binnenwirtschaft auch die Unwägbarkeiten der globalen Märkte (etwa Zollkosten, Lieferengpässe) auf die Unternehmen durch. Das lässt viele Interessierte zögern.
Zudem: Die Führung eines Industrieunternehmens erfordert häufig hohes technisches Know-how – etwa beim Maschinenpark, beim Labor wie auch bei behördlichen Auflagen (beispielsweise Normen, Produktkennzeichnungen, Emissionen, Qualitätssicherung, Beschaffung). Das engt den Kreis geeigneter Kandidatinnen und Kandidaten ein. Und: Teure Maschinen oder Labore und auch notwendige Immobilien etwa für Produktionsstätten machen oft erhebliche Kaufpreise erforderlich. Die Anforderungen an die Finanzierung sind daher hoch, ebenso wie die finanziellen Risiken, die die Nachfolgenden damit eingehen.
In energieintensiven Branchen sind die zu stemmemden hohen Energiekosten eine weitere Herausforderung. Zudem machen oftmals große Investitions- und Modernisierungserfordernisse wie etwa bei der Digitalisierung und der damit einhergehende Kapitalbedarf so manche Nachfolgeverhandlung nicht einfach. Bei manchen Industriebetrieben sind die Strukturen häufig stark auf den alten Inhaber oder die alte Inhaberin ausgerichtet. Von Problemen berichten IHKs auch, wenn bei Unternehmen eine hohe Abhängigkeit von wenigen Kunden vorliegt.
Können Industriebetriebe aufgrund gescheiterter Nachfolge nicht weitergeführt werden, so kann dies Auswirkungen auf die vor- und nachgelagerte Wertschöpfungskette haben, wenn etwa eine Zwischenproduktionsstufe wegfällt. Auch wertvolles technisches Know-how droht dann verlorenzugehen.
In der Logistikbranche suchen vier Mal mehr Unternehmen als potenzielle Nachfolger die IHKs auf. Ein wichtiger Grund für die schwierige Suche nach Nachfolgen ist der hohe Fachkräftemangel in dieser Branche. Viele Kraftfahrerinnen und Kraftfahrer stehen vor ihrem Ruhestand, neue qualifizierte Fachkräfte sind in dieser wettbewerbsintensiven Branche mit häufig unattraktiven Arbeitsbedingungen schwer zu finden. Die Margen sind oftmals gering, der Wettbewerbsdruck hoch.
Steigende Personal-, Maut-, Fahrzeug-, Energie- und Treibstoffkosten, Engpässe und marode Verkehrswege, hoher Termindruck, Digitalisierung, GreenLogistics-Anforderungen sowie Unsicherheiten bei der Umsetzung der Antriebswende erschweren die Suche nach interessierten Nachfolgerinnen und Nachfolgern.
Bei den Dienstleistungen stehen gut doppelt so viele Unternehmen im Angebot, wie sich Interessenten in der IHK-Beratung melden (personenbezogene Dienstleistungen: Faktor 2,3, unternehmensbezogene Dienstleistungen: Faktor 2,0).
Bei den personenbezogenen Dienstleistern berichten die IHKs häufig von einer starken Inhaberbezogenheit des Unternehmens. Persönliche Netzwerke und langjährige Kundenbeziehungen sind oftmals nur schwer übertragbar, was den Übergang und die Bindung der Kunden durch neue Inhaberinnen und Inhaber erschwert. Hinzu kommen der Mangel an Fachkräften und oftmals ein hoher Wettbewerbsdruck.
Viele unternehmensbezogene Dienstleistungen sind maßgeschneidert auf die Bedürfnisse der Kunden zugeschnitten, was die Übertragung des erforderlichen Wissens und der spezifischen Fähigkeiten an die Nachfolge oftmals komplex macht. Auch hier besteht die Herausforderung, dass der enge Kundenkontakt und die persönliche Vertrauensbasis, die häufig über Jahre aufgebaut wurde, bei einem Nachfolgewechsel schwer zu übertragen sind.
Darüber hinaus erfordern diese Tätigkeiten, ähnlich wie in der Industrie, ein hohes fachliches Know-how sowie ein ausgeprägtes Verständnis für branchenspezifische Prozesse und Kundenanforderungen. Nicht zuletzt sind viele unternehmensbezogene Dienstleistungen stark von der Entwicklung und der konjunkturellen Lage anderer Branchen, etwa der Industrie, abhängig. Diese Abhängigkeiten sowie wirtschaftliche Unsicherheiten und ein teils hoher Wettbewerbsdruck können die Attraktivität und Planungssicherheit einer Unternehmensübernahme in diesem Segment zusätzlich mindern.
Der Innovationsdruck in der Finanzbranche und die Anforderungen an das jeweils aktuelle Know-how sind hoch. Entsprechend anspruchsvoll sind auch die Anforderungen an die Nachfolgerinnen und Nachfolger. Überdies ist das Geschäft von engmaschiger Regulierung geprägt.
Die Branche wandelt sich rasch etwa mit neuen Finanztechnologien via KI, Bots, Robo-Advisors und Blockchain. Unterbleiben entsprechende und rechtzeitige Modernisierungen, fällt die Suche nach Nachfolgen umso schwerer. Zudem wächst die Konkurrenz etwa durch Fin-Techs. Die Relation von Unternehmen zu Interessierten beträgt in der Finanzbranche 3,1.
In der IT-Branche gestaltet sich die Unternehmensnachfolge ebenfalls schwierig. Die IHKs melden fast doppelt so viele zur Übernahme anstehende IT-Betriebe wie Nachfolgeinteressenten (Relation: 1,9).
Dies ist unter anderem auf den hohen Fachkräftebedarf in der IT-Branche zurückzuführen, der durch den internationalen Wettbewerb weiter verschärft wird. Qualifizierte IT-Fachkräfte sind stark nachgefragt. Das begrenzt einerseits die Auswahl an geeigneten Nachfolgern und macht es andererseits Firmenübernehmenden schwer, geeignete Fachkräfte zu gewinnen.
Zudem verkompliziert der rasante technologische Wandel in der IT-Branche eine langfristige Nachfolgeplanung und stellt hohe Anforderungen an das fachliche und unternehmerische Know-how der potenziellen Inhaberinnen und Inhaber.
Nicht zuletzt tendieren einige IT-Talente aufgrund der vielfältigen Karrierechancen und der hohen Nachfrage eher zu technischen Spezialistenrollen, etwa in der Entwicklung, statt eine Führungsposition mit oftmals als belastend wahrgenommenen Aufgaben zu übernehmen.