Bürokratieabbau EU

Betriebe von EU-Bürokratie entlasten, Wettbewerbsfähigkeit stärken

Der stetige Strom an neuen Gesetzen, Berichtspflichten, Auflagen, Formularen und Anträgen hält die Betriebe in der EU von ihren eigentlichen Geschäften ab. Die DIHK nennt ganz konkrete Ansatzpunkte, wie sie entlastet werden könnten.

Die IHK-Organisation legt über 50 Vorschläge vor, um EU-bedingte Bürokratielasten messbar zu reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit zu stärken. Im Fokus stehen vereinfachte Berichtspflichten, praxistaugliche Folgenabschätzungen und schlankere Verfahren – insbesondere bei den EU-Verordnungen CSRD, CSDDD, EUDR, CBAM und DSGVO.

Bürokratie bremst die deutsche Wirtschaft aus. Das bestätigten Mitte 2024 im DIHK-Unternehmensbarometer zur EU-Wahl (PDF, 739 KB) 95 Prozent der befragten Unternehmen. Bürokratieabbau ist für sie die Top-Priorität, um die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Europa zu steigern.

Mein Arbeitsalltag ist mittlerweile geprägt von Prüfen, Ausfüllen, Abheften und Berichten

Kirsten Schoder-Steinmueller

Kirsten Schoder-Steinmüller

-- DIHK-Vizepräsidentin

Komplexe Berichtspflichten, langwierige Genehmigungen und heterogene Vollzugspraxis behindern die Betriebe im den Alltag. Die Europäische Kommission hat eine Reduktion von 25 Prozent bei bestehenden Berichtspflichten angestoßen. Aus Sicht der Unternehmen ist das ein Anfang – aber nicht ausreichend. Die DIHK schlägt konkrete Wege vor, wie Bürokratie spürbar sinken kann, ohne Ziele von Nachhaltigkeit, Verbraucherschutz und Sicherheit zu gefährden

Beispiele für Lösungsansätze

"Once-Only"-Prinzip, konsequente Folgenabschätzungen, klare Definitionen und Abgrenzungen.  

Nachfolgend finden Sie einige Ansatzpunkte für eine einfachere Zielerreichung: 

Auswahl konkreter Bürokratieabbau-Vorschläge auf EU-Ebene

Bereich / Rechtsakt (inkl. Abkürzungen)Problem / Bürokratische BelastungDIHK-Lösung / Bürokratieabbau
Datenschutz (DSGVO – Datenschutz-Grundverordnung)Unklare Auskunftspflichten; hohe Dokumentationslast; komplexe Meldepflichten (72-h-Frist); Unsicherheit bei Drittland-Transfers und Schadenersatz.Klarere Vorgaben (Art. 15), real nutzbare KMU-Ausnahmen, vereinfachte AV-Verträge, praxisnahe Meldefristen, stabile Angemessenheitsbeschlüsse.
A1-Bescheinigung (Sozialversicherung bei Dienstreisen)Hoher manueller Aufwand je Dienstreise; unterschiedliche Behördenanforderungen; Papierpflicht in vielen Ländern.Ausnehmen kurzer Dienstreisen; EU-weit einheitliche digitale Lösung; „Once-Only“-Prinzip für bekannte Daten.
Mitarbeitendenentsendung (EU-Entsenderichtlinie)Unterschiedliche Meldeportale und sprachliche Anforderungen; stark variierende Datenpunkte.EU-weit harmonisiertes, englischsprachiges Meldeportal; einheitliche Mindestdaten; klare Vorgaben für Kontrollen.
Verpackungsrichtlinie & Verpackungsverordnung (PPWR)Unterschiedliche nationale Kennzeichnungspflichten; teure Bevollmächtigte; hoher Registrierungsaufwand auch für Kleinmengen.Einheitliche EU-Kennzeichnung (inkl. QR-Code-Option); Bevollmächtigung optional & digital; zentrale Registrierung.
REACH-Verordnung (Chemikalienrecht)Sehr komplexe Zulassungsverfahren; hoher Daten- und Berichtsumfang; lange Bearbeitungszeiten.Vereinfachung & Beschleunigung; Bagatellgrenzen; Vermeidung zusätzlicher Belastungen bei Überarbeitung.
CLP-Verordnung (Einstufung, Kennzeichnung, Verpackung)Regelmäßig neue Einstufungen führen zu laufenden Anpassungslasten.Einführung von Bagatellgrenzen für Meldungen.
Einwegkunststoffrichtlinie (SUP – Single Use Plastics)Unterschiedliche nationale Parallelregelungen (VerpackG, EFHG etc.); hohe Komplexität.Abstimmung mit anderen EU-Rechtsakten; Harmonisierung zur Steigerung der Rechtssicherheit.
SCIP-Datenbank (Abfallrahmenrichtlinie, SVHC-Meldungen)Aufwendige Stoffregistrierungen je Produkt; Wiederholmeldungen entlang der Lieferkette; geringer Mehrwert für Entsorger.Erleichterungen für kundenspezifische Produkte; Nutzung des „Once-Only“-Prinzips; Reduktion doppelter Meldungen.
WEEE-Richtlinie (Elektro- und Elektronikaltgeräte)Unterschiedliche nationale Systeme; hohe Kennzeichnungslast bei kleinen Stückzahlen; Registrierung in jedem EU-Land.EU-weite Anerkennung von Entsorgungshinweisen; einmalige Registrierung für die gesamte EU.
EPREL-Datenbank (Energiekennzeichnung)Komplexe Registrierung aller energieverbrauchsrelevanten Produkte; hoher Aufwand v. a. für KMU.Ausnahme für Kleinserien; vereinfachte Bearbeitung ohne externe Dienstleister.
EU-Medizinprodukteverordnung (MDR)Extreme Dokumentationsanforderungen; lange Zertifizierungsprozesse; Belastung v. a. für KMU & Nischenprodukte.Beschleunigte & weniger kostenintensive Verfahren; praxistaugliche Äquivalenznachweise; klare, verständliche Anforderungen.
EU-Taxonomie (Sustainable Finance) & ESRS (CSRD – Nachhaltigkeitsberichterstattung)Sehr hoher Berichtsaufwand; komplexe Kriterien (DNSH); fehlende Proportionalität; starke Trickle-Down-Effekte.Praxisnahe, verhältnismäßige Standards; bessere Abstimmung zwischen CSRD, ESRS und Taxonomie; Entlastung für KMU und indirekt Betroffene.
CSDDD (EU-Lieferkettengesetz)Komplexe Sorgfaltspflichten über gesamte Wertschöpfungskette; hohe Rechtsunsicherheit; Doppelregulierung mit LkSG.1:1-Umsetzung; Fokus auf risikobasierte Pflichten; klare Positivlisten; keine zusätzlichen nationalen Anforderungen.
Offenlegung Ertragsteuerinformationen (Public CbCR)Doppelte Berichtspflichten; Detailabweichungen vom steuerlichen CbCR; Risiko von Fehleinschätzungen.Abbau doppelter Berichte (25 %-Ziel); Angleichung steuerlichem und öffentlichem CbCR.
DAC6 (grenzüberschreitende Steuermeldungen)Unklare Definitionen; Meldepflichten auch bei normalen Geschäftsvorgängen; unverhältnismäßiger Aufwand.Klarere Begriffe; Begrenzung unnötiger Meldefälle; keine Ausweitung weiterer steuerlicher Berichtspflichten.
Entgelttransparenz (Pay Transparency Directive)Berichtspflichten ab 100 Beschäftigten – auch bei Tarifbindung; hoher Datenaufwand.Anhebung Schwelle auf 500 Beschäftigte für KMU-Entlastung.
EU-UnternehmensstatistikHohe Datenanforderungen v. a. für kleine Unternehmen.Entlastung & Vereinfachung der statistischen Meldepflichten.

Weitere Punkte entnehmen Sie bitte dem Impulspapier.

ALTERNATIV

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Das komplette Papier mit sämtlichen DIHK-Vorschläge ist hier abrufbar:
"Unternehmen von EU-Bürokratie entlasten und europäische Wettbewerbsfähigkeit stärken" (PDF, 1 MB)

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Schwerpunkte:
  • Bürokratie

Ansprechpartner

Porträtfoto Kevin Heidenreich, Referatsleiter Grundsatzfragen der Außenwirtschaft und Entwicklungspolitik

Kevin Heidenreich

Referatsleiter Grundsatzfragen der Wirtschaftspolitik

Zwick, Sandra_quad

Sandra Zwick

Referatsleiterin Europapolitik, EU-Finanzierungsinstrumente, EU-Außenwirtschaftsförderung

Für die Presse

Porträtfoto Susanne Schraff

Susanne Schraff

Pressesprecherin