Der aktuelle Konflikt um den Iran verschärft die Unsicherheit für die deutsche Wirtschaft – weit über die Region hinaus. Besonders spürbar sind die indirekten Effekte über Energiepreise, Lieferketten und politische Risiken, die Investitionsentscheidungen bremsen
"Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts sind für die deutschen Unternehmen nicht abschließend absehbar – aber die Risiken steigen spürbar“, sagt DIHK-Präsident Peter Adrian. Negative Auswirkungen zeichneten sich insbesondere durch steigende Öl- und Gaspreise sowie zu befürchtende neue Lieferkettenprobleme ab.
"Die wirtschaftlichen Folgen des Iran-Konflikts sind für die deutschen Unternehmen noch nicht abschließend absehbar – aber die Risiken steigen spürbar"
Peter Adrian
-- DIHK-Präsident
Rund 1.800 deutsche Unternehmen sind in den Staaten des Golfkooperationsrates (GCC) aktiv – in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Saudi-Arabien, Oman, Kuwait, Bahrain und Katar. Für viele Unternehmen, gerade kleinere und mittlere Betriebe, ist die Region ein wichtiger Markt und Investitionsstandort. Entsprechend eng sind die wirtschaftlichen Verflechtungen.
Energiesicherheit und -preise
Vor allem die energiepolitische Dimension ist relevant: Etwa ein Fünftel der weltweiten Energieimporte passiert täglich die Straße von Hormus. Deutschland ist auf Öl- und Flüssiggas-Lieferungen angewiesen. Schon die Aussicht auf Einschränkungen treibt die Weltmarktpreise spürbar. Die Energiemärkte reagieren bereits jetzt empfindlich.
Für deutsche Unternehmen bedeutet das steigende Energie- und Transportkosten, die Margen drücken und Preise entlang der Wertschöpfungskette erhöhen. Energieintensive Branchen wie Chemie, Metall, Glas und Papier reagieren besonders sensibel: Sie verschieben Investitionen, rechnen Projekte neu und sichern sich stärker über langfristige Lieferverträge oder Hedging ab.
"Die Auswirkungen auf die Unternehmen mit Blick auf die Gas- und in der Folge die Strompreise sind aktuell kaum vorhersehbar"
Dr. Sebastian Bolay
-- Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie
"Unternehmen decken sich in aller Regel langfristig am Terminmarkt ein, sodass kurzfristige Preissteigerungen begrenzte Auswirkungen haben", erklärt Sebastian Bolay, DIHK-Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie. "Sollte sich der Konflikt allerdings lange hinziehen, sind Produktionseinschränkungen aufgrund zu hoher Energiekosten nicht auszuschließen."
Logistik und internationale Lieferketten
"Zugleich ist die Golfregion ein neuralgischer Knoten im globalen Containerverkehr und in der Luftfahrt. Weitere Störungen – etwa im Roten Meer – würden internationale Logistikketten empfindlich treffen, und damit auch die deutsche Wirtschaft", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
"Negative Auswirkungen zeichnen sich jedoch insbesondere durch steigende Ölpreise sowie zu befürchtende neue Lieferkettenprobleme ab."
Dr. Volker Treier
-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung
Logistiker sind doppelt betroffen: durch höhere Treibstoffkosten und durch Störungen zentraler Routen. Sanktionen, Embargo-Regeln oder Versicherungsauflagen können Transporte über den Iran oder durch kritische Seegebiete verteuern oder gar unmöglich machen. Reedereien und Speditionen planen Umwege, nutzen alternative Korridore (beispielsweise über die Türkei oder den Kaukasus) und müssen ihre Kunden zu längeren Laufzeiten und höheren Frachtraten beraten.
Geschäftsbeziehungen in die Region
Deutsche Unternehmen mit Geschäftsbeziehungen in die Region, etwa zu Saudi-Arabien oder in die Vereinigten Arabischen Emirate, stehen vor der Frage, inwieweit Verträge noch erfüllt werden können. Entscheidend sind:
- Sanktionen und Exportkontrollen: Ziviltechnologie kann plötzlich als Dual-Use-Gut gelten und genehmigungspflichtig werden.
- Force-Majeure- und Sanktionsklauseln: Viele Verträge enthalten inzwischen Klauseln, die bei Kriegsereignissen, staatlichen Verboten oder Sanktionen eine Aussetzung oder Anpassung der Pflichten ermöglichen. Unternehmen prüfen gemeinsam mit Rechtsberatern, ob sie sich darauf berufen können.
- Zahlungsabwicklung: Banken ziehen sich häufig früh zurück. Selbst rechtlich zulässige Geschäfte scheitern dann an der praktischen Zahlungs- und Absicherungsmöglichkeit (Akkreditive, Hermesdeckungen).
Die DIHK steht in ständigem Austausch mit den Auslandshandelskammern (AHKs) vor Ort und beobachtet weiterhin die Entwicklungen.
- Relevant im Themenfeld:
- Internationaler Handel
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- Außenwirtschaft
Ansprechpartnerinnen
Elisabeth Strahl
Referatsleiterin Nah- und Mittelost, Nordafrika
Rima Trach
Referatsleiterin AHK-Ehrenamt und Kulturentwicklung
Julia Fellinger
Pressesprecherin