Während der Luftverkehr EU-weit nach der Corona-Pandemie wieder aufgeholt hat, bleibt das Wachstum der Branche in Deutschland zurück. Die DIHK führt dies in weiten Teilen auf die in den vergangenen Jahren deutlich verschlechterten Rahmenbedingungen zurück – so haben sich etwa die staatlichen Standortkosten zwischen 2019 und 2025 an vielen bedeutenden Standorten verdoppelt.
Mit ernsthaften Folgen nicht nur für die Wertschöpfung in der Luftfahrtbranche und den damit verbundenen Steuerausfällen. Auch Wirtschaftszweige, die auf gute Anbindungen im Luftverkehr angewiesen sind – vor allem import- und exportorientierten Unternehmen, aber auch Tourismus- und Kulturbetriebe oder Messestandorte –, leiden unter einer verschlechterten Erreichbarkeit. Zudem bewirkt eine Verlagerung von Passagieren und Fracht auf Flughäfen in Nachbarländer zusätzlichen Verkehr auf den ohnehin überlasteten Straßen, Schienen und Wasserwegen hierzulande.
Faktor Steuern
Luftverkehrssteuern
Aktuell betragen die Steuersätze pro Fluggast
• 15,53 Euro für Kurzstreckenflüge (etwa innerhalb der EU),
• 39,34 Euro für Mittelstreckenflüge (bis zu 6.000 km),
• 70,83 Euro für Langstreckenflüge (über 6.000 km).
Besteuert wird der Abflug von einem inländischen Startort. Ankünfte aus dem Ausland sind nicht steuerpflichtig. Verbindungen mit innerdeutschem Hin- und Rückflug werden dadurch zweimal besteuert.
Zum Vergleich: In den Niederlanden beträgt die Luftverkehrsteuer pauschal 29,05 Euro und in Frankreich, Belgien und Österreich mit Ausnahme der höher besteuerten Flüge unter 350 km sogar nur 12 Euro. In Portugal wird eine Ticketsteuer von 2 Euro erhoben, und in Spanien, Griechenland, Polen, Ungarn, Tschechien und seit Mitte 2025 Schweden gibt es gar keine vergleichbare Abgabe.
In ihrem von den DIHK-Gremien verabschiedeten Positionspapier "Stärkung des Luftfahrtstandorts Deutschland – Wo liegen die Probleme und was sollte getan werden?" identifiziert die DIHK neun Ansatzpunkte. Die Palette reicht von der Abschaffung der deutschen Luftverkehrssteuer für alle gewerblichen Flüge über Vorschläge für die Ausgestaltung von Luftverkehrsabkommen bis hin zu pragmatischen Lösungen bei der grenzpolizeilichen Abfertigung von Nicht-Schengen-Passagieren an kleinen Flugplätzen bis hin zu einer effizienten und wettbewerbsneutralen Flugsicherung.
Deutschland braucht wieder Anschluss an den internationalen Luftverkehr.
Dr. Helena Melnikov
-- Hauptgeschäftsführerin
Mittlerweile hat die Koalition erste Schritte zur Stärkung des Luftverkehrsstandortes vereinbart. Es wird darauf ankommen, diese im neuen Jahr zügig und sachgerecht umzusetzen.
Neun Maßnahmen
Die DIHK-Vorschläge in Kürze
1. Abschaffung der Luftverkehrsteuer
2. Effizienzsteigerung im Bereich der Luftsicherheit und Übernahme von Kosten durch den Staat
3. Überlegungen zur Einführung einer Kerosinsteuer für den gewerblichen Luftverkehr zu den Akten legen
4. Sicherstellung von Konnektivität für alle Marktteilnehmer durch faire Wettbewerbsbedingungen in Luftverkehrsabkommen
5. Mit pragmatischen Lösungen die grenzpolizeiliche Abfertigung von Nicht-Schengen-Flügen auf kleinen Flugplätzen weiter gewährleisten
6. Schaffung geeigneter Rahmenbedingungen für die Umstellung auf Kerosin ohne CO2-Emissionen fossilen Ursprungs (Sustainable Aviation Fuels, SAF) und Nutzung von Kompensationsmaßnahmen in der Übergangsphase
7. Prüfung der Anpassung von Nachtflugbeschränkungen, die durch die Maßnahmen der Flughäfen zur Verbesserung des Lärmschutzes und den Einsatz lärmärmerer Flugzeuge möglich wären, sowie Schaffung von Kulanzregelungen bei geringfügigen Verspätungen
8. Erhalt der dezentralen Luftverkehrsinfrastruktur durch Erschließung von Effizienzpotenzialen und gemeinsame Erarbeitung von Perspektiven bei wirtschaftlichen Problemen sowie Erhalt der Anlagen für die Individualluftfahrt auch bei Einstellung des Linienflugverkehrs
9. Die Kosten- und Gebührenordnungen der Flugsicherungsdienste sollten Effizienzanreize enthalten und wettbewerbsneutral gestaltet werden
(Hiweis: Die genannten Ansatzpunkte werden nicht von allen Unternehmen geteilt.)
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Das komplette DIHK-Papier mit Details ist hier abrufbar:
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Veröffentlicht 08.01.2026
Aktualisiert 23.01.2026
Ansprechpartner
Dr. Patrick Thiele
Referatsleiter Nationale Verkehrspolitik, Verkehrswirtschaft
Petra Blum
Pressesprecherin