6.11.2025 - Wenn das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) bei der morgigen Wirtschaftskonferenz (7. Oktober) die Schwerpunkte der deutschen Entwicklungspolitik diskutiert, darf es nach Ansicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) nicht bei wohlklingenden Absichtserklärungen bleiben. Im Zentrum müsse ein echter Paradigmenwechsel stehen – weg von einer reinen Projektlogik, hin zu einer konsequenten Verknüpfung von Entwicklungszusammenarbeit mit Handel, Investitionen und Rohstoffsicherheit.
Von Afrika bis Asien spitzt sich der Wettlauf um Märkte, Rohstoffe und Investitionen zu – und Deutschland droht zurückzufallen. Während andere Staaten ihre Entwicklungszusammenarbeit gezielt mit wirtschaftlichen Interessen verknüpfen, fehlt es Berlin bislang an strategischer Konsequenz. „Handel und Investitionen sind keine Nebenschauplätze der Entwicklungszusammenarbeit, sondern die Schlüssel für gemeinsame Zukunftschancen“, betont DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.
Entscheidend sei, die deutsche Wirtschaft von Beginn an in bilaterale Regierungsverhandlungen einzubeziehen. „Nur wenn Entwicklungsprojekte und wirtschaftliche Chancen zusammengedacht werden, entstehen Partnerschaften, die dauerhaft tragen – etwa in Energie, Infrastruktur oder Landwirtschaft“, so Treier. Solche Kooperationen könnten zugleich Wohlstand in den Partnerländern schaffen und zugleich auch die Wettbewerbsfähigkeit Deutschlands stärken.
Ein weiterer Schwerpunkt betrifft die Rohstoffsicherheit. „Strategische Partnerschaften bei Kobalt, Lithium oder Seltenen Erden sichern nicht nur die industrielle Transformation in Deutschland, sondern stärken auch die Produktionsbasis und die wirtschaftliche Entwicklung vor Ort. Wer lediglich auf Importe setzt, verspielt sogar langfristig den Zugang zu diesen Märkten“, warnt Treier.
Damit deutsche Unternehmen stärker zum Zuge kommen, müsse die Förderlandschaft reformiert werden. Bisher seien die Verfahren nach Einschätzung der DIHK zu komplex, unübersichtlich und zu wenig mittelstandsfreundlich. „Vor allem kleinere Firmen brauchen einfachen Zugang zu Finanzierung, Risikoabsicherung und Ausschreibungen. Hier muss die Entwicklungszusammenarbeit praxisnäher werden“, fordert Treier. Auch die Auslandshandelskammern (AHKs) sollten mit ihrem Netzwerk eine größere Rolle spielen und systematisch in Programme eingebunden werden.
Besonders deutlich zeigt sich der Rückstand bei der Auftragsvergabe: Nur rund elf Prozent der Mittel für die öffentliche Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance, ODA) gehen bislang an deutsche Unternehmen – im EU-Durchschnitt liegt die Quote bei 34 Prozent, in den USA sogar bei über 80 Prozent. „Das ist ein gravierender Wettbewerbsnachteil. Wir brauchen eine Vergabepraxis, die deutsche Unternehmen stärker berücksichtigt und die Zielmarken aus dem Koalitionsvertrag endlich Realität werden lässt“, so Treier.
„Eine moderne Entwicklungszusammenarbeit muss konsequent auf wirtschaftliche Kooperation setzen”, resümiert Treier. „Nur so verbinden wir die Interessen unserer Partner mit Zukunftschancen für deutsche Unternehmen – und verschaffen Deutschland den Handlungsspielraum, den andere längst nutzen.”
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Veröffentlicht 06.11.2025
Aktualisiert 18.12.2025
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Julia Fellinger
Pressesprecherin