15.04.2026 - Angesichts geopolitischer Unsicherheiten, hoher Transformationskosten und eines zunehmenden internationalen Wettbewerbsdrucks braucht es nach Einschätzung der DIHK endlich tiefere, integrierte Kapitalmärkte, die Unternehmen in allen Wachstumsphasen zuverlässig mit Kapital versorgen.
„Ziel ist ein integrierter europäischer Kapitalmarkt, der Unternehmen in allen Phasen Zugang zu ausreichendem und günstigem Kapital bietet. Etablierte Unternehmen können davon genauso profitieren wie Start-ups und Scale-ups, die bereits in einer starken Wachstumsphase sind. Es gilt, private Ersparnisse produktiver zu nutzen, Risiken effizienter zu teilen und unnötige Bürokratie schneller abzubauen. So kann die internationale Wettbewerbsfähigkeit Europas nachhaltig gestärkt werden“, erklärt Rainer Kambeck, Bereichsleiter Wirtschafts- und Finanzpolitik, Mittelstand der DIHK bei der heutigen Vorstellung des DIHK-Positionspapiers in Brüssel.
Kapitalmarktfinanzierung stärken
Die Kapitalmärkte in der EU sind noch immer stark fragmentiert und im internationalen Vergleich deutlich unterentwickelt. Während in den USA die Kapitalmarktfinanzierung dominiert, stützen sich europäische Unternehmen noch überwiegend auf Bankkredite. Dies ist historisch gewachsen und die Geschäftsbeziehung der Unternehmen mit ihren Hausbanken seien ein gut funktionierendes, etabliertes System. Angesichts der vielen Transformationsprojekte wachsen jedoch die Investitionsbedarfe in der gesamten Wirtschaft, insbesondere bei Start‑ups und den schnell wachsenden Unternehmen. Es braucht deshalb zusätzlich die Möglichkeit, Finanzierungsalternativen des Kapitalmarktes zu nutzen, mit denen innovative Geschäftsmodelle hohe Kapitalvolumina aufnehmen können. So werden schnelle Skalierungen solcher Geschäftsmodelle ermöglicht.
„Ziel eines einheitlichen und deutlich größeren Kapitalmarktes in Europa muss es sein, dass deutsche und europäische Unternehmen mit dem besseren Zugang zu Finanzierungsmöglichkeiten wettbewerbsfähig bleiben und hier in Europa mit innovativen Ideen wachsen können. Der Zugang zu Kapital muss schneller, digital, kostengünstig und grenzüberschreitend möglich sein. Die SIU ist dafür ein zentraler Hebel“, so Kambeck.
Die DIHK warnt, dass Europa bei Wagniskapital und großvolumigen Finanzierungsrunden vor allem im Vergleich zum US-Kapitalmarkt weiterhin zurückfällt. „Wir brauchen endlich einen europäischen Markt, der es jungen, innovativen Unternehmen ermöglicht, schnell zu skalieren – und so weitere Abwanderungen von innovativen Unternehmen in die USA zu verhindern. Dazu gehören bessere Exit-Märkte, attraktivere Bedingungen für Börsengänge und ein regulatorisches Umfeld, das Investitionen erleichtert statt hemmt“, betont Rainer Kambeck.
Auch Verbriefungen könnten ein wichtiges Bindeglied zwischen Bank und Kapitalmarktfinanzierung sein. Die aktuelle EU-Verbriefungsverordnung sei allerdings zu komplex und verhindere Wachstum. Wichtig wäre eine risikoadäquate, praxisnahe Regulierung, die den Verbriefungsmarkt wiederbelebt und damit zusätzliche Finanzierungsspielräume schafft.
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Das komplette DIHK-Papier mit Details gibt es hier zum Download:
DIHK-Position 2026 "Auf dem Weg zur Savings and Investment Union" (PDF, 457 KB)
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- Wirtschafts- und Finanzpolitik
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- Wachstum
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Veröffentlicht 15.04.2026
Pressekontakt
Sven Ehling
Pressesprecher | Visuelle Kommunikation