Was bedeutet die Anhebung des gesetzlichen Mindestlohnes für die Betriebe? Im Rahmen ihrer Konjunkturumfrage Herbst 2025 hat die DIHK für ein "Konjunktur Insight" die Auswirkungen auf die Unternehmen abgefragt.
Die Sonderauswertung der DIHK basiert auf fast 15.000 Unternehmensantworten. Sie zeigt: Der Beschluss der Bundesregierung, den gesetzlichen Mindestlohn Anfang 2026 von 12,82 Euro auf 13,90 Euro pro Stunde und 2027 nochmals auf 14,60 Euro pro Stunde anzuheben, verändert die gesamte Lohnstruktur hierzulande und stellt gerade in der aktuellen wirtschaftlichen Schwächephase für viele Betriebe eine nicht zu unterschätzende zusätzliche Herausforderung dar.
Eine Mindestlohnerhöhung verändert die gesamte Lohnstruktur, und zwar nicht nur in den unteren Lohngruppen.
Peter Adrian
-- DIHK-Präsident
Jeder zweite Betrieb betroffen
Aufgrund der Mindestlohnerhöhung muss der Umfrage zufolge jedes zweite Unternehmen die Entlohnung seiner Belegschaft anpassen. Das gilt zum einen direkt, weil Mitarbeitende zum Mindestlohn beschäftigt werden – das trifft auf 25 Prozent der Befragten zu –, aber auch indirekt, weil der Abstand zu höheren Lohngruppen und Gehältern gewahrt bleiben muss. So geben ebenfalls 25 Prozent der Unternehmen an, dass sie zwar keine Mindestlohnbeschäftigten haben, aber dennoch für die höheren Lohngruppen die Gehälter anpassen müssen.
Lohnabstand
Zum Mindestlohn Beschäftigte verfügen oftmals nicht über eine qualifizierte Ausbildung, Berufserfahrungen oder gute Sprachkenntnisse. Damit es sich für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer lohnt, entsprechende Qualifikationen mitzubringen, müssen auch ihre Löhne oder Gehälter steigen, wenn der Mindestlohn angehoben wird. Gerade mit Blick auf die Fachkräftesicherung ist es für die Unternehmen wichtig, sich hier als Arbeitgeber attraktiv aufzustellen.
Unterschiedliche Folgen in den Branchen
Direkt betroffen sind vor allem Handelsunternehmen (31 Prozent, Einzelhandel sogar 38 Prozent), in der Industrie (23 Prozent, hier vor allem Druckgewerbe und Medizintechnik mit je 41 Prozent und Ernährungsgewerbe, 39 Prozent) und bei den Dienstleistern die Gastronomie (50 Prozent) sowie der Straßen- und Schienennahverkehr (37 Prozent). Die Bauwirtschaft sieht mit 17 Prozent die geringsten Konsequenzen.
* Anteil der Unternehmen ohne Beschäftigte zum Mindestlohn, die aber angegeben haben, dass sie Lohnanpassungen für Entgelte oberhalb des Mindestlohns durchführen werden
In Ostdeutschland müssen 29 Prozent der Befragten ihre (Mindest-) Löhne anheben, diese Quote liegt deutlich über dem Durchschnitt von 25 Prozent.
Konsequenzen
Lediglich 36 Prozent der Unternehmen sehen für ihr Geschäft keinerlei Folgen aus der Mindestlohnanhebung – weder über die eigene Lohnstruktur noch über Effekte wie etwa die Verteuerung zugekaufter Produkte oder Dienstleistungen.
Denn die betroffenen Unternehmen reagieren natürlich auf die steigenden Arbeitskosten und kompensieren diese in erster Linie über Preissteigerungen, Personalpassungen oder Angebotseinschränkungen. 40 Prozent der Befragten wollen zumindest einen Teil der höheren Personalkosten auf ihre Kunden abwälzen, in Ostdeutschland sind es 52 Prozent. Eine Einschränkung von Produktion und Dienstleistungsangeboten erwarten über alle Wirtschaftszweige hinweg zwar nur 7 Prozent der Betriebe, in manchen Branchen (Gastronomie: 22 Prozent, Sicherheitswirtschaft: 21 Prozent, Personennahverkehr: 13 Prozent) sind es jedoch deutlich mehr. Auch Personalanpassungen sind in etlichen Unternehmen eine Option: 13 Prozent der Befragen beabsichtigen, ihre Belegschaften zu verringern; besonders gilt das für die Gastronomie (25 Prozent) und den Einzelhandel (22 Prozent).
Unter dem Strich müssen die Verbraucher also infolge der Mindestlohnanhebung mit teils spürbaren Verteuerungen und/oder Angebotseinschränkungen rechnen; und auch auf dem Arbeitsmarkt werden sich die Folgen bemerkbar machen.
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Mindestlohnerhöhung dämpft Wachstumsaussichten (PDF, 360 KB)
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Veröffentlicht 19.01.2026
Ansprechpartner
Dr. Stefan Hardege
Referatsleiter Fachkräftesicherung, Arbeitsmarkt, Zuwanderung
Dr. Jupp Zenzen
Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen
Julia Löffelholz
Pressesprecherin