Überwachungskamera Einzelhandel

Studie: Mit Kameras und KI gegen Ladendiebstahl

Ladendiebstahl wird für den deutschen Einzelhandel zum immer größeren Problem. Können Kameras und von künstlicher Intelligenz (KI) gestützte Systeme helfen? Eine aktuelle Untersuchung zeigt Chancen und Grenzen der Prävention auf und bündelt die Erwartungen an Gesetzgeber und Aufsichtsbehörden.

Mit Unterstützung der DIHK hat das Forschungsinstitut ibi research an der Universität Regensburg zwischen September 2025 und Januar 2026 das Phänomen Ladendiebstahl und die Rahmenbedingungen für wirkungsvolle Gegenmaßnahmen untersucht. Ziel der Studie ist es, für das Thema zu sensibilisieren, praxisnahe Handlungsoptionen zu entwickeln und politische Empfehlungen abzuleiten.

Das handfeste und wachsende Geschäftsrisiko betrifft Betriebe aller Größenklasse und Bereiche – vom Innenstadt-Einzelhandel bis zum großflächigen Anbieter: Laut ibi research waren 2024 mehr als 50 Prozent der Handelsunternehmen innerhalb der vergangenen zwölf Monate von Diebstählen betroffen; rund 60 Prozent der Inventurverluste entstehen demnach durch Kundendiebstahl – der in der Regel unaufgeklärt bleibt. Schäden verursacht nicht nur der Verlust der Ware, darüber hinaus entstehen zusätzliche Sicherheitskosten und Belastungen für die Mitarbeitenden, die zunehmend von aggressivem Verhalten, Bedrohungen und körperlichen Übergriffen berichten.

"Unsere Unternehmen sagen es seit Jahren klar: Ladendiebstahl ist – unabhängig von Größe oder Standort – eine massive Belastung für den Einzelhandel."

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Dirk Binding

-- Bereichsleiter Digitale Wirtschaft, Infrastruktur, Regionalpolitik

Potenziale und Grenzen der Überwachung

Ein Kameraeinsatz kann in dieser Situation Täter abschrecken, Beweismittel für Polizei und Justiz liefern sowie ein Gefühl subjektiver Sicherheit für das Personal schaffen. Gleichzeitig ist Videotechnik datenschutzrechtlich sensibel. Die DIHK begreift das Thema deshalb als wirtschaftspolitische Aufgabe: Der Rechtsrahmen soll Sicherheit im Handel ermöglichen, ohne die Grundrechte zu unterlaufen, und zugleich Innovationen nicht verhindern, sondern rechtssicher gestalten.

Die Studie "Kameraeinsatz im Einzelhandel – Chancen und Grenzen der Ladendiebstahlprävention" analysiert unter anderem Formen des Ladendiebstahls sowie Täterstruktur und bietet einen Überblick über die rechtlichen Grundlagen eines Kameraeinsatzes im Handel. Was ist in puncto Datenminimierung, Zweckbindung oder Transparenz zu beachten? Welche Rechte haben die Betroffene, deren personenbezogene Daten erfasst werden, welche Dokumentationspflichten bestehen für die Betriebe?

Der rechtliche Rahmen

Außerdem skizzieren die Autoren die technische Gestaltung. Sie formulieren Anforderungen an moderne Lösungen, stellen Kameramodelle und Kosten dar und geben Tipps zur Planung und Organisation, inklusive einer Checkliste. Auch die strategischen Potenziale, die ein KI-gestützter Kameraeinsatz im Handel etwa für Ladenlayout, Warenverfügbarkeit, Flächenplanung oder Energieeffizienz birgt, werden beleuchtet – und ganz klar die rechtlichen und praktischen Grenzen für einzelne Funktionen von künstlicher Intelligenz aufgezeigt. Nicht erlaubt sind hier etwa die personalisierte Identifikation von Kunden und Kundinnen oder ein Tracking einzelner Personen über einen längeren Zeitraum hinweg.

Forderungen an die Politik

Insbesondere die im Rahmen der Studie geführten Interviews zeigen, dass sich Händlerinnen und Händler beim Problem Ladendiebstahl von Politik und Strafverfolgungsbehörden im Stich gelassen fühlen. Gleichzeitig werden Maßnahmen zum Selbstschutz durch bürokratische Hürden gebremst. 

Zentrale Erwartungen des Handels an Gesetzgeber und Behörden lassen sich auf Grundlage der Untersuchung so bündeln:

  1. Praxistaugliche und einheitliche Datenschutzvorgaben
    Unternehmen wünschen sich klare, bundesweit und europäisch konsistente Regeln für Speicherdauern, Außenüberwachung, den Umgang mit Risikobereichen und für KI-gestützte Videoanalyse. Ziel ist kein "Weniger" an Datenschutz, sondern mehr Anwendungssicherheit.
     
  2. Rechtssicherheit für typische Risikozonen
    Kassenbereiche, Eingänge, Wareneingang oder Parkplätze sind in der Praxis zentrale Schauplätze von Diebstählen und Übergriffen. Die heutige Rechtslage ermöglicht dort nicht immer den Kameraeinsatz, den Unternehmen für notwendig halten. Die DIHK adressiert diese Diskrepanz im Dialog mit Politik und Aufsicht.
     
  3. Klare Perspektiven für KI-Systeme
    Handelsunternehmen sehen Potenzial, verdächtige Muster früher zu erkennen und Wiederholungstäterinnen und -täter besser zu identifizieren, ohne flächendeckende Überwachung zu etablieren. Sie fordern testbare Rechtsmodelle, definierte Pilotprojekte und klare Grenzen statt einer faktischen Blockade.
     
  4. Unterstützung für kleine und mittlere Unternehmen
    Besonders kleinere Betriebe haben Schwierigkeiten, technische Angebote zu bewerten und datenschutzkonforme Systeme zu implementieren. Gefordert werden neutrale Beratungsangebote, verständliche Leitfäden, geprüfte Standards und Zugang zu vertrauenswürdigen Lösungen.
     
  5. Sachliche öffentliche Kommunikation
    Viele Unternehmen erleben, dass die öffentliche Debatte den Fokus stark auf Risiken legt. Sie wünschen sich eine faktenbasierte Kommunikation, die sowohl die Schutzfunktion von Kameras als auch die Bedeutung von Grundrechten abbildet – anstatt den Eindruck zu vermitteln, Datenschutz und Sicherheit stünden grundsätzlich gegeneinander.

Die gesamten Ergebnisse der Studie sind abrufbar auf der Website von ibi reasearch.

Schwerpunkte:
  • Handel

Ansprechpartnerinnen

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Dr. Ulrike Regele

Referatsleiterin Handel

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Petra Blum

Pressesprecherin