Unternehmensgründungen (1)

Unternehmensgründungen: Reformen dringend nötig

Die Gründungsdynamik in Deutschland bleibt schwach. Der neue DIHK-Report „Unternehmensgründung“ macht deutlich: Bürokratie, komplexe Steuerregeln und fehlende digitale Infrastruktur bremsen den Gründergeist.

Der DIHK-Report „Unternehmensgründung 2025“ zieht eine kritische Bilanz: Das Interesse an Unternehmensgründungen verharrt auf einem historisch niedrigen Niveau. Die Anzahl der Gespräche im IHK-Gründungsservice liegt nur knapp über dem Vorjahresniveau, dem langjährigen Tiefpunkt. Eine klare Mehrheit der Gründerinnen und Gründer ist unzufrieden mit den Startbedingungen hierzulande.

Unzufriedenheit mit Standort Deutschland

57 Prozent der Gründerinnen und Gründer sind laut Report unzufrieden mit den Rahmenbedingungen. Besonders belastend: überbordende Bürokratie, hohe Kosten und oftmals wenig Verständnis für Unternehmertum in der Gesellschaft. Auch komplexe Förderregularien und eine schwache digitale Infrastruktur erschweren häufig den Start.

Forderungen der Gründer – schneller und einfacher!

Die Erwartungen an die Politik sind klar: schnellere und einfachere Verfahren, weniger Komplexität im Steuerrecht und ein leichterer Zugang zu Fördermitteln. Darüber hinaus mahnen Gründer mehr Wertschätzung für Unternehmertum, den Ausbau der digitalen Infrastruktur und bessere Finanzierungsmöglichkeiten an.

Politische Ansätze und Chancen

Die Modernisierungsagenda der Bundesregierung greift zentrale DIHK-Vorschläge auf. Mit dem Projekt „24-Stunden-Gründung“ und dem Ziel, Bürokratiekosten um 25 Prozent zu senken, bestehen Chancen für spürbare Entlastungen. Entscheidend wird sein, die Maßnahmen schnell und praxisnah umzusetzen und dabei auf die Betroffenen, auf die Gründerinnen und Gründer, zu hören.

Positive Trends

Erfreulich ist der wachsende Anteil von Gründerinnen: Mit 47 Prozent erreicht er einen neuen Höchstwert. Auch Gründungen von Migrantinnen und Migranten sowie digitaler Plattformen gewinnen an Bedeutung. Dennoch gilt: Ohne strukturelle Reformen bleibt die Gründungsdynamik in Deutschland schwach.

Handlungsempfehlungen an die Politik - Hürden beseitigen

Die DIHK empfiehlt, den Bürokratieabbau konsequent voranzutreiben. Ein digitaler „One-Stop-Shop“ sollte alle Gründungsformalitäten bündeln – von der Gewerbeanmeldung bis zur steuerlichen Erfassung – und nutzerfreundlich gestaltet sein. Das Projekt „24-Stunden-Gründung“ sollte nutzerfreundlich umgesetzt werden, sodass auch die Erteilung der Steuernummer und branchenspezifische Genehmigungen schnell und digital erfolgen.

Das Steuerrecht sollte deutlich vereinfacht werden. Die Einnahmen-Überschuss-Rechnung sollte entschlackt werden, und die Schwellenwerte für die Kleinunternehmerregelung sollten weiter angehoben werden – auf mindestens 35.000 Euro. Auch eine bessere steuerliche Verlustverrechnung sollte Start-ups mit hohen Anlaufkosten entlasten.

Die Förderlandschaft sollte digitalisiert und entbürokratisiert werden. Antragsverfahren sollten über digitale Plattformen laufen, mit klaren Vorgaben und weniger Nachweispflichten. So könnten Gründerinnen und Gründer sich stärker auf ihr Geschäft konzentrieren, statt Zeit in komplexe Formulare zu investieren.

Im sogenannten Statusfeststellungsverfahren (zur Überprüfung, ob Scheinselbstständigkeit vorliegt) sollte mehr Rechtssicherheit geschaffen werden. Eine klare gesetzliche Definition von Selbstständigkeit anhand von Positivkriterien und ein vereinfachtes Statusfeststellungsverfahren würden Unsicherheiten beseitigen und flexible Erwerbsmodelle ermöglichen.

Darüber hinaus sollte die digitale Infrastruktur ausgebaut und die Finanzierungsmöglichkeiten verbessert werden. Schnelles Internet ist gerade für digitale Geschäftsmodelle unverzichtbar. Gleichzeitig sollte der Zugang zu Wagniskapital erleichtert werden, damit innovative Start-ups in Deutschland wachsen können.

Schwerpunkte:
  • Mittelstand

Ansprechpartner

Evers, Marc_quad

Dr. Marc Evers

Referatsleiter Mittelstand, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge