Mann mit Zapfhahn steht am Einfüllstutzen seines LKW an der Tankstelle

Wie setzt sich in Deutschland der Preis von Kraftstoffen wie Benzin oder Diesel zusammen?

Kurz gesagt, machten im vergangenen Jahr Steuern und Abgaben mehr als die Hälfte des Preises an der Tankstelle aus. Bei Benzin betrug der Anteil nahezu zwei Drittel. Der Rest entfällt auf den Rohölpreis sowie auf die Kosten für Raffinerie, Logistik und die Gewinnmarge.

Als staatliche beziehungsweise staatlich induzierte Preisbestandteile wären, neben der Energiesteuer (früher Mineralölsteuer), noch die Mehrwertsteuer in Höhe von 19 Prozent zu nennen sowie die CO₂‑Abgabe und die Abgabe an den Erdölbevorratungsverband (EBV). Die CO₂‑Abgabe – eine Verpflichtung aus dem Brennstoff-Emissionshandelsgesetz (BEHG) lag 2025 bei 55 Euro/Tonne CO₂, woraus sich circa 16 bis 17 Cent pro Liter Kraftstoff errechneten. Bei der EBV handelt es sich um einen deutlich kleineren Preisbestandteil.

Alle staatlichen und privaten Preisbestandteile ins Verhältnis gesetzt, führte im Jahr 2025 bei Benzin zu einer ungefähren Quote von 64 zu 36 Prozent. Bei Diesel kommen wir im gleichen Zeitraum auf folgende Werte: 56 zu 44 Prozent. Bei uns schwankt der Steueranteil am Kraftstoff – trotz langjährig stabiler Steuersätze – weil die Energiesteuer ein fixer Betrag pro Liter ist, und damit unabhängig vom Rohölpreis. Bei einem Preis für Superkraftstoff in der zweiten Monatshälfte März von 2,20 Euro/l beträgt der Energiesteueranteil nur noch weniger als 30 Prozent.

Bei, wie momentan, stark gestiegenen Rohöl- und Produktpreisen ist die Energiesteuer eine wirkmächtige Schraube, an der der Gesetzgeber zur Entlastung der Verbraucher drehen kann. Er hat auch grundsätzlich die Möglichkeit dazu, da die deutschen Steuersätze deutlich über den Mindeststeuersätzen der EU liegen: Bei Benzin sind es 65,4 Cent/L gegenüber 35 Cent/L und bei Diesel 47 Cent/L gegenüber 33 Cent/L. Wenn man die Mehrwertsteuer in Erwägungen zur Absenkung miteinbezieht, ist die Möglichkeit zur Reduktion noch einmal größer (-35,16 Cent/l bei Benzin beziehungsweise -16,71 Cent/l beim Diesel).

Der Blick über die Grenze: Wie sieht es bei unseren Nachbarn aus?

Trotz mehr oder weniger vergleichbar hoher Raffinerie‑, Logistik- und Handelskosten haben wir bei Eurosuper 95 am 9. März dieses Jahres eine Preisspanne, die von 1,27 (in Bulgarien) bis zu 2,17 Euro/l in den Niederlanden reicht. In Deutschland liegt der Literpreis für diese Kraftstoff-Art fast 50 Cent über dem in Spanien und nahezu 80 Cent über dem von Bulgarien. Die große Preisspreizung zwischen EU-Staaten lässt sich im Wesentlichen auf die unterschiedliche Besteuerungspraxis der Staaten zurückführen.

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Porträtfoto Malte Weisshaar

Malte Weisshaar

Referatsleiter Steuern in der EU | EU-Haushalt | Energiesteuern