Zollkurs aus Washington trifft deutschen Außenhandel hart: Unsicherheit bremst Investitionen 

DIHK-Sonderauswertung „Going International“

10.03.2026 - Der wichtigste Exportmarkt deutscher Unternehmen entwickelt sich vom Stabilitätsanker zum Risikofaktor für die deutsche Konjunktur. Knapp ein Jahr nach dem sogenannten Liberation Day und der jüngsten Ankündigung pauschaler US-Zölle auf Importe aus nahezu allen Ländern verschärfen sich die handelspolitischen Spannungen weiter – mit spürbaren Folgen für die deutsche Wirtschaft. Das zeigt eine Sonderauswertung der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) auf Basis der bundesweiten Umfrage deutscher Unternehmen mit Auslandsgeschäften.  

Die Belastungen gehen dabei weit über reine Zollkosten hinaus: Mehr als zwei Drittel der Unternehmen mit US-Geschäft nennen die handelspolitische Unsicherheit als besonderes Hindernis ihrer Aktivitäten. 54 Prozent berichten von steigenden Kosten in den Zollverfahren und wachsender Bürokratie. „Ausgerechnet die USA, die der EU regelmäßig übermäßige Bürokratie vorhalten, treiben mit ihrer Zollpolitik selbst den administrativen Aufwand massiv in die Höhe“, so Volker Treier, DIHK-Außenwirtschaftschef. „Gerade die komplexen Vorgaben bei Stahl- und Aluminiumzöllen bringen viele Unternehmen an ihre Belastungsgrenze.“  37 Prozent aller befragten Unternehmen sind von sektoralen Zöllen auf Stahl und Aluminium betroffen – im Maschinenbau sogar 62 Prozent – mit branchenübergreifenden Effekten entlang der Wertschöpfungsketten. 

Die zusätzlichen Zollkosten bleiben nicht folgenlos: Knapp drei Viertel der Unternehmen geben sie ganz oder teilweise an ihre US-Kunden weiter. Damit tragen zwar in erster Linie amerikanische Importeure und letztlich Verbraucherinnen und Verbraucher in den USA die Kosten der Zollpolitik. Gleichzeitig schwächen die höheren Preise aber die Wettbewerbsposition deutscher Exportunternehmen im US-Markt. Für 13 Prozent der Betriebe sind die Konsequenzen bereits gravierend: Ihre Exporte in die USA gehen spürbar zurück oder brechen ganz weg.  

Auch das erklärte Ziel Washingtons, Investitionen in den Standort USA zu lenken, zeigt bislang kaum Wirkung. Im Gegenteil: Die Kombination aus Zollpolitik und anhaltender Unsicherheit führt zu Zurückhaltung. Die Hälfte der Unternehmen plant, Investitionen in den USA zu reduzieren oder bereits angekündigte Projekte zu verschieben.  

„Die USA bleiben ein Schlüsselmarkt – aber sie entwickeln sich für viele Unternehmen vom Wachstumstreiber zum Risiko“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Immer neue Zollankündigungen, wechselnde Rechtsgrundlagen und ungeklärte Rückerstattungsfragen schaffen keine Stabilität, sondern sorgen für Verunsicherung. Für exportorientierte Betriebe ist das Gift für Investitionen und Handel.“ 

Die Sonderauswertung finden Sie hier: 
Going International 2026, Sonderauswertung zu den Belastungen der Unternehmen in Folge der handelspolitischen Spannungen mit den USA (PDF, 1 MB)

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Julia Fellinger

Pressesprecherin