Podiumsdiskussion

Panel 3: Internationale Wirtschaftspolitik in einer veränderten Welt

Trump-Zölle, Iran-Krieg, strukturelle Lieferkettenrisiken: Deutsche Unternehmen wirtschaften unter Dauerstress. Drei Experten zeigen, wo echte Risiken lauern – und warum eine EU-Handelsoffensive mehr leisten kann, als viele erwarten.

Auf dem Podium:

  • Volker Treier, DIHK
  • Lisandra Flach, ifo München u. LMU München
  • Michael Burda, HU Berlin

Moderation: Inga Michler

Schlechter als erhofft, besser als befürchtet

Volker Treier, Außenwirtschaftschef der DIHK, zog eine differenzierte Bilanz: Trotz erheblicher Belastungen durch Zölle und Verunsicherung halte sich die deutsche Exportwirtschaft besser als befürchtet. Polen habe China bereits als wichtigsten Exportmarkt für deutsche Unternehmen überholt. "Nicht gut, aber doch nicht so schlecht, wie wir auch hätten befürchten können." Der tabuisierte Risikofaktor sei die Energieabhängigkeit: 75 Prozent des deutschen Energieverbrauchs stammten noch aus fossilen Quellen. Seine Aufforderung an Europa: "Wenn wir im Verbund arbeiten, werden aus den Zwergen Europas ein starker Riese – aber wir müssen uns unterhaken." Den aktuellen Zoll-Deal mit den USA bis 2029 beurteilte er pragmatisch: notwendig, aber "ein Deal, aber auch nicht mehr."

Handelsabkommen können Trump-Zölle übertreffen

Lisandra Flach (ifo Institut München) präsentierte belastbare Forschungsergebnisse: Eine konsequente EU-Handelsoffensive – Ratifizierung abgeschlossener Abkommen mit sieben Partnern – hätte erhebliches Potenzial. "Neue Handelsabkommen können die negativen Auswirkungen der Trump-Zölle nicht nur kompensieren, sondern sogar übertreffen" – das deutsche BIP könnte dauerhaft um 0,2 bis 0,5 Prozent steigen. Allerdings warnte sie: Mercosur-Staaten hätten China inzwischen als wichtigsten Handelspartner – Europa müsse pragmatischer werden. Für den Mittelstand seien Ursprungsregeln eine hohe Hürde. Eine wichtige, oft unterschätzte Abhängigkeit seien Meerengen: 10 Prozent des deutschen Handels laufe über die Meerenge Bab el-Mandeb beziehungsweise den Suezkanal, nur 0,2 Prozent durch die Straße von Hormus – Letztere aber ohne Ausweichroute für Energiegüter.

WTO ohne Zukunft – Regionalisierung vorprogrammiert

Michael Burda (HU Berlin) gab sich offen skeptisch zur Zukunft der WTO: Eine Regionalisierung in drei Blöcke – Amerika, China, Europa – sei vorprogrammiert. "Es gibt Loser bei jedem Freihandelsabkommen – und die machen sich bemerkbar." Er wies darauf hin, dass die USA niemals bereit seien, etwas gegen die eigenen Interessen zu tun. "Die WTO ist nicht reformfähig, solange die USA das Sagen hat." Beim Taiwan-Risiko warnte er vor systemischem Moral Hazard: Unternehmen vertrauten darauf, dass irgendjemand sie herausboxe, wenn es ernst werde. China selbst sei äußerst kalkuliert: "China ist äußerst vorsichtig und sie haben sehr viele Interessen zu verteidigen." Zur deutschen Energiefrage mahnte Burda: Die Gaspreise lägen noch immer doppelt so hoch wie im Vorjahrzehnt – Handelsabkommen lösten dieses Kernproblem nicht.

Video

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