Zu der Veranstaltung kamen mehr als 800 Unternehmerinnen und Unternehmer, Spitzen der IHKs sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft im Haus der Deutschen Wirtschaft zusammen, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz. In seiner Eröffnungsrede betonte Adrian: "Wenn Wirtschaften nicht einfacher wird, wie wollen wir dann noch junge Menschen davon überzeugen, ein Unternehmen zu gründen oder ein bestehendes Unternehmen zu übernehmen?"
Die Weltwirtschaft sei seit 2019 trotz aller Schwierigkeiten insgesamt rund 19 Prozent gewachsen, erinnerte er. Im einst wirtschaftlich, technologisch und auch gesellschaftlich starken Deutschland habe es im gleichen Zeitraum regelrecht ein Nullwachstum gegeben, so Adrian. "Und wir kommen auch weiterhin nicht vom Fleck."
Der Iran-Krieg sei nicht allein die Ursache für die Lage: "Deutschland ist in vielen Bereichen zu träge, zu langsam und auch zu kompliziert geworden. Investitionen wandern ab, Unternehmen entscheiden sich zunehmend für andere Standorte, weil dort schneller entschieden und pragmatischer gehandelt wird." Gerade in der Krise zeigten sich die Schwächen und Fehlentwicklungen besonders deutlich – "das gilt für ausufernde Bürokratie, eine fehlgeleitete Klima- und Energiepolitik, zu hohe Arbeits- und Sozialversicherungskosten und – last but not least – überzogene Unternehmenssteuern."
Bürokratie kostet rund drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts
Unternehmerinnen und Unternehmer verbrächten in Deutschland inzwischen mehr Zeit mit Formularen als mit ihrem eigentlichen Geschäft, kritisierte der DIHK-Präsident. "Die Bürokratiekosten liegen laut Normenkontrollrat bereits bei 64 Milliarden Euro jährlich. Und der Schaden, der durch die entgangene Wertschöpfung entstanden ist, wird mit 146 Milliarden Euro noch einmal deutlich größer. Das wären rund drei Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts. Mit anderen Worten: Unsere Bürokratie kostet mehr, als in einem – wohlgemerkt in einem – Jahr an Wachstum erwirtschaftet werden kann."
Die Bundesregierung verspreche – wie bereits Vorgängerregierungen – Besserung. "Passiert ist bis heute nichts wirklich Wirksames", sagte Adrian. "Stattdessen werden wir erneut konfrontiert mit neuer Bürokratie. Denken Sie an das Tariftreuegesetz, an das Energieeffizienzgesetz, an das jetzt gerade in der Diskussion befindliche Gebäudemodernisierungsgesetz." Zwar gebe es "ein klein wenig Grund zur Zuversicht" sagte er unter Bezugnahme auf den jüngsten Zuwachs bei den Unternehmensgründungen, die viele mittelständischen Weltmarktführer und die 29 "Einhörner" hierzulande, also Start-ups mit einer Bewertung über einer Milliarde Dollar. Dennoch sei die Entwicklung besorgniserregend.
Grundlegender Kurswechsel nötig
Das Wirtschaften in Deutschland müsse wieder einfacher werden, so Adrian: durch einen radikalen Bürokratieabbau, eine konsequente Digitalisierung, ein neues Leistungsdenken, eine Stärkung des Unternehmertums und ein Vorantreiben von Innovationen. Vorschläge dazu hat die DIHK in ihrer DIHK-Vereinfachungsagenda zusammengefasst.
Dabei geht es laut Adrian längst nicht mehr um kleine Korrekturen. "Es geht um einen wirklich grundlegenden Kurswechsel. Wir brauchen eine Politik, die Mut macht, eine Politik, die auf Vertrauen setzt statt auf Kontrolle, und eine Politik, die Unternehmerinnen und Unternehmer als Partner begreift und nicht als Problem."
Deutschland wieder nach vorne bringen
Der Appell des DIHK-Präsidenten: "Wir haben die Chance, Deutschland wieder nach vorne zu bringen: mit mehr Geschwindigkeit, mit weniger Bürokratie, mit mehr Vertrauen in die Kraft unserer Unternehmen. Lassen Sie uns diese Chance nutzen – für Wachstum, für Innovation und für eine starke wirtschaftliche Zukunft unseres Landes, damit die konkurrenzlos guten Ideen der sozialen Marktwirtschaft, die Teil unseres Gesellschaftsvertrages sind, endlich wieder mit Leben erfüllt werden."
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Veröffentlicht 07.05.2026
Pressekontakt
Julia Löffelholz
Pressesprecherin