"Zu viel Bürokratie, lange Planungs- und Genehmigungsverfahren und immer neue Auflagen: Der Wirtschaftsstandort Deutschland hat in den vergangenen Jahren deutlich an Attraktivität verloren", erklärt DIHK-Präsident Peter Adrian anlässlich des IHK-Tages 2026 und des ersten Jahrestages der Bundesregierung. "Deutschland gilt inzwischen als kompliziertes und teures Bürokratenland. In vielen anderen Ländern sind die Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen deutlich besser."
Wie Wirtschaften in Deutschland wieder einfacher werden kann, diskutieren beim IHK-Tag in Berlin mehr als 800 Unternehmerinnen und Unternehmer, Spitzen der IHKs sowie Vertreterinnen und Vertreter aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Prominenter Gastredner ist unter anderem Bundeskanzler Friedrich Merz, der sich im Anschluss beim "Markt der Möglichkeiten" erfolgreiche Projekte der Industrie- und Handelskammern (IHKs) anschaut.
Formulare kosten immer mehr Unternehmer-Zeit
"Wir verfolgen entschlossen das Ziel, den Wirtschaftsstandort Deutschland in allen Bereichen jeden Tag wieder besser zu machen. Dafür suchen wir den Schulterschluss mit der Politik", so Adrian. "Unternehmerinnen und Unternehmer verbringen immer mehr Zeit mit Formularen, statt ihrem eigentlichen Geschäft nachzugehen. Das muss sich schnellstens wieder ändern. Damit die deutsche Wirtschaft ihre enorme Stärke und ihre Innovationskraft entfalten kann, brauchen Unternehmen wieder Freiraum für das, was sie am besten können: Innovation, Investition, Wertschöpfung."
Mit einer "Vereinfachungsagenda für Deutschland" legt die DIHK zum IHK-Tag 2026 konkrete Vorschläge vor, wie dies gelingen kann. Das Papier fordert unter anderem einen radikalen Bürokratieabbau: Viele belastende Regelungen lassen sich ersatzlos abschaffen. Zum Beispiel die Kassenbon-Pflicht, nationale Sonderlasten bei der Lieferkettensorgfalt sowie überbordende Berichts‑ und Dokumentationspflichten. "Die deutsche Bürokratie muss dringend entrümpelt werden", sagt der DIHK-Präsident. Die Bürokratiekosten liegen laut Normenkontrollrat bereits bei 64 Milliarden Euro jährlich, der wertschöpfungsbezogene Schaden ist mit 146 Milliarden Euro noch größer. "Das hemmt Wachstum und bremst Innovation", so Adrian.
Hürden abbauen, Potenziale nutzen
Insbesondere, wer ein Unternehmen in Deutschland gründen oder übernehmen möchte, stößt auf zahlreiche Hürden – von langsamen Verwaltungen bis hin zu komplexen Antragsverfahren. "Deutschland steckt voller Ideen, Talente und Tatkraft. Diese Potenziale müssen wir nutzen", erklärt der DIHK-Präsident. Unternehmensgründungen und -übernahmen sollten schneller, einfacher und attraktiver werden, etwa durch vollautomatisierte Verfahren, die Gründungen in 24 Stunden ermöglichen.
Um Innovationen gezielt zu fördern, brauche es zudem verlässliche Strukturen und starke regionale Netzwerke. Die DIHK schlägt mehr Mut bei Finanzierungsprogrammen, einen vereinfachten Zugang zu Fördermitteln sowie verlässliche und mehrjährige Finanzierungszusagen für Vorhaben der Hightech Agenda Deutschland vor, um Planungssicherheit für Unternehmen zu schaffen.
Auch bei der Beschleunigung und Digitalisierung von Verfahren sieht die DIHK dringenden Handlungsbedarf. Dazu zählen verbindliche Zeitpläne und flächendeckende Vereinfachungen für alle Genehmigungsverfahren sowie gemeinsame digitale Standards für Bund, Länder und Kommunen. Ziel sollte eine Verwaltung sein, in der Unternehmen alles online erledigen können – von der Gründung bis zur Genehmigung.
Fünf Handlungsfelder
"Jetzt ist der richtige Zeitpunkt für einen mutigen, pragmatischen Reformkurs", erklärt Adrian. "Einen Kurs, der Unternehmen stärkt, Beschäftigung sichert, Investitionen anstößt und den Standort Deutschland wieder nach vorne bringt. Wirtschaften in Deutschland muss endlich wieder einfacher werden."
Hier geht es zur vollständigen DIHK-Vereinfachungsagenda.
Beispiele aus der Praxis
Diese Projekte besucht Bundeskanzler Friedrich Merz unter anderem beim IHK-Tag:
Energie-Scouts (IHK Ostwestfalen und IHK Lippe)
Als Energie-Scouts engagieren sich Auszubildende, die in ihren Betrieben praktische Effizienzmaßnahmen entwickeln und so zugleich Kosten senken und den ökologischen Fußabdruck reduzieren. Jedes Jahr qualifizieren bundesweit 65 IHKs mehr als 1.000 Auszubildende zu Energie‑Scouts. Dazu absolvieren die Azubis ein mehrtägiges Energieeffizienz‑Training und setzen anschließend ein konkretes Energie- oder Ressourcensparprojekt um. Damit trägt das Programm nicht nur zur Sensibilisierung für Klimaschutz und Nachhaltigkeit der Auszubildenden bei, sondern auch zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Am Stand beim IHK-Tag wird das Projekt durch ein Rennrad, mit dessen Dynamo man fahrend das Handy laden kann, präsentiert.
Volldigitales Ursprungszeugnis (IHK München und Oberbayern)
Ursprungszeugnisse sind zentrale Dokumente im internationalen Warenverkehr. Sie bestätigen offiziell das handelspolitische Herkunftsland einer Ware und sind für viele Zollbehörden weltweit erforderlich, etwa um Einfuhrbestimmungen oder Zollsätze korrekt anzuwenden. Jährlich stellen die 79 Industrie- und Handelskammern in Deutschland rund eine Million dieser Nachweise aus. Seit September 2025 erhalten Deutschlands Exporteure Ursprungszeugnisse und Bescheinigungen als fälschungssicheres, digital unterschriebenes PDF. Die IHK-Organisation gehört damit zu den noch wenigen Institutionen in Deutschland, die in dieser Größenordnung vollständig digitale Nachweise ausstellt. Dies macht Exportgeschäfte schneller, sicherer und einfacher.
Hier gibt es weitere Projekte aus dem "Markt der Möglichkeiten".
Livestream
Der IHK-Tag wird am Donnerstag, 7. Mai, auch online auf der DIHK-Website übertragen. Hier gelangen Sie zum Livestream.
- Relevant im Themenfeld:
- Wirtschafts- und Finanzpolitik
- Schwerpunkte:
-
- Bürokratie
- Wachstum
- Konjunktur
Veröffentlicht 06.05.2026
Pressekontakt
Julia Löffelholz
Pressesprecherin