In seiner Einladung zu dem Meinungsaustausch am Mittwochabend habe der Kanzler klargestellt, dass es darum gehe, die Wirtschaft wieder auf einen wettbewerbsfähigen Wachstumskurs zu bringen, sagte der DIHK-Präsident in dem Radiointerview. Das sei sicher "das Anliegen aller, die heute an dem Gespräch teilnehmen".
Hauptlasten Energie- und Arbeitskosten, Bürokratie
Seine Botschaft sei klar, so Adrian: DIHK-Umfragen hätten gezeigt, dass für die Unternehmen in Deutschland die nicht mehr tragbaren Energiekosten die größte Belastung darstellten, gefolgt von Arbeitskosten und Bürokratie. Hier gebe es zwar viele Ansätze, aber: "Fakt ist, wir haben in Deutschland 1.800 Gesetze, wir haben fast 3.000 Rechtsverordnungen, und jedes Jahr kommen noch einmal 100 dazu." Die Situation sei für die Unternehmen "regelrecht unerträglich".
Das Treffen im Kanzleramt sei sinnvoll, betonte der DIHK-Präsident. Zwar gingen die Partner mit sehr unterschiedlichen Erwartungen, Vorstellungen und Forderungen in das Gespräch. Doch: "Uns eint die Erkenntnis, dass die Situation wirklich schwierig ist, und die klare Bereitschaft, unseren Beitrag zu leisten, um die Situation zu verbessern."
Perspektiven und Vertrauen schaffen
Die Unternehmen in Deutschland seien bereit, ihren Gürtel enger zu schnallen, wenn es denn eine Perspektive gebe. "Und das ist unser Hauptproblem." Die Wirtschaft brauche Zukunftsoptimismus und verlässliche Rahmenbedingungen. Dass Vertrauen fehle, zeige sich klar im Investitionsverhalten: Die Ausrüstungsinvestitionen der Industrie lägen weit unter dem Niveau von 2019 und sogar unter dem von 2015. Das bewertete Adrian als klares Indiz dafür, dass die mittelständisch geprägte Wirtschaft derzeit keine guten wirtschaftlichen Perspektiven für Investitionen sehe. "Das müssen wir aufbrechen."
Nicht das letzte Treffen
Der DIHK-Präsident zeigte sich überzeugt, dass das Gespräch am 10. Juni nicht das letzte sein werde. Ein intensiver Austausch in den kommenden Wochen und Monaten sei notwendig. "Wir hatten im letzten Jahr die Erwartung gehabt, wir bekommen einen 'Herbst der Reformen'. Wir haben jetzt bald Herbst 2026 – hier ist Handlungsbedarf."
Zum SPD-Vorschlag zu einer verpflichtenden Betriebsrente merkte Adrian an, dass Deutschland mit der gesetzlichen Rentenversicherung bereits ein verpflichtendes System habe. Diese sei nach Einschätzung des Sachverständigenrats dringend reformbedürftig, so Adrian. Dieser Reformbedarf lasse sich nicht dadurch lösen, dass man ein zusätzliches verpflichtendes System einführe und das alte, marode einfach weiterlaufen lasse.
Die Frage, wie sie die Altersversorgung ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zusätzlich verbessern könnten, sei in den Unternehmen durchaus Thema, stellte er klar. Da gebe es, entsprechend der großen Bandbreite an Branchen, vielfältigste Lösungen.
Sie finden das komplette Interview zum Nachhören auf der Website des Deutschlandfunk.
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- Wirtschafts- und Finanzpolitik
Veröffentlicht 10.06.2026
Pressekontakt
Dominik Ohlig
Pressesprecher – Chef vom Dienst