Sinkende Wettbewerbsfähigkeit, hohe Energiekosten und globale Risiken prägen die Investitionsentscheidungen der Industrie zu Jahresbeginn 2025. Immer mehr Unternehmen investieren bevorzugt im Ausland – nicht aus Expansionslust, sondern aus Kostendruck und Standortproblemen. Die DIHK-Sonderauswertung zeigt, welche Branchen und Regionen besonders betroffen sind, welche Motive dominieren und warum sich die Lücke zwischen Auslands- und Inlandsinvestitionen dramatisch ausweitet.
Wesentliche Ergebnisse
- 40 % der Industrieunternehmen planen Auslandsinvestitionen – leicht weniger als 2024.
- Kostenersparnis ist erneut das wichtigste Motiv (35 %) – so hoch wie zuletzt während der Finanzkrise.
- Der Saldo der Auslandsinvestitionen steigt leicht auf +9 Punkte, bleibt aber klar unter dem langjährigen Schnitt (17).
- Der Abstand zwischen Auslands- und Inlandsinvestitionen erreicht 26 Punkte – ein Warnsignal für den Industriestandort Deutschland.
- Besonders kleine Unternehmen investieren deutlich seltener im Ausland (30 %).
- Nordamerika gewinnt an Bedeutung, während Asien/Pazifik (ohne China) stark an Attraktivität verliert.
- Bei Firmen, die aus Kostengründen im Ausland investieren, brechen die Inlandsinvestitionen (–30) und die Beschäftigungspläne (–39) massiv ein.
Auslandsinvestitionen bleiben hinter früheren Niveaus zurück
2025 planen 40 % der Industrieunternehmen Auslandsinvestitionen – etwas weniger als im Vorjahr (42 %). Besonders kleine Betriebe bis 200 Beschäftigte tun sich schwer: Nur 30 % wollen im Ausland investieren, deutlich weniger als vor der Pandemie. Große Unternehmen bleiben dagegen mit 80 % Investitionsbereitschaft international stark engagiert.
Der Rückgang zeigt: Die Investitionsfähigkeit der Industrie bleibt aufgrund hoher Kosten, schwacher Konjunktur und globaler Unsicherheiten eingeschränkt.
Kostendruck dominiert die Investitionsentscheidungen
Seite 5 macht deutlich: Die Kostenersparnis ist das häufigste Motiv für Investitionen im Ausland (35 %). Dieses Niveau wurde seit 2008 kaum erreicht. Energieintensive Branchen geben sogar zu 47 % an, aus Kostengründen zu investieren.
Vertrieb & Kundendienst verlieren hingegen an Bedeutung (nur noch 35 %, früher 48 %). Das zeigt: Der internationale Auftritt dient immer weniger der Markterschließung – und immer häufiger dem Ausweichen vor hohen Standortkosten in Deutschland.
Inlandsinvestitionen brechen ein – Standort Deutschland verliert
Laut Grafik auf Seite 3 sinkt der Saldo der Inlandsinvestitionen auf –17 Punkte, während Auslandsinvestitionen bei +9 Punkten liegen. Die Lücke von 26 Punkten ist außergewöhnlich groß – ein Warnsignal für die Attraktivität des Standorts Deutschland.
Hohe Energiepreise, Bürokratie, Steuern, Genehmigungsverfahren und Fachkräftemangel führen dazu, dass Unternehmen die Produktionskapazitäten eher im Ausland als im Inland ausbauen.
Investitionsmotive nach Unternehmensgröße und Branche
- Kleine Unternehmen (<200 MA): fokussieren stark auf Vertrieb & Kundendienst im Ausland (43 %).
- Große Unternehmen (>1000 MA): investieren primär zur Markterschließung (47 %).
- Energieintensive Industrie: besonders stark von hohen Kosten belastet – die Branche verschiebt verstärkt Aktivitäten ins Ausland (kostengetrieben).
In vielen Branchen wird das Prinzip „local for local“ wichtiger: Produktion wird zunehmend direkt im Zielmarkt aufgebaut – mit geringeren Rückkopplungseffekten für den Standort Deutschland.
Nordamerika gewinnt – Asien verliert an Bedeutung
Nordamerika (USA/Kanada/Mexiko)
Anteil der investierenden Firmen steigt von 45 % auf 48 %.
- Bei Maschinenbau & Automobilindustrie sogar über 60 %.
- Gründe: geringe Energiekosten, attraktive Steuern, Local-Content-Regeln, Absicherung gegen Handelskonflikte.
Eurozone bleibt stärkste Region
- 64 % investieren in der Eurozone – stabile Entwicklung.
- Währungsraum und Binnenmarkt bieten weiterhin hohe Planungssicherheit.
Asien/Pazifik (ohne China)
- Starker Rückgang: von 33 % auf 21 %.
- Besonders Investitionsgüterproduzenten ziehen sich zurück.
China
- Rückgang auf 31 % (Vorjahr: 33 %).
- Saldo der Investitionspläne bricht von 25 auf 14 Punkte ein.
- Gründe: geopolitische Risiken, lokale Vorgaben, Unsicherheit über Lieferketten.
Süd- & Mittelamerika
- Moderate Zunahme (19 % → 21 %).
- Markterschließung bleibt zentrales Motiv (41 %).
Afrika, Nah- und Mittelost
- Leicht steigender Anteil (13 % → 14 %).
- Besonders Elektrotechnik zeigt zunehmendes Interesse.
Risiko: Wertschöpfungsverlust im Inland
Unternehmen, die aus Kostengründen ins Ausland gehen, zeigen alarmierende Werte:
- –30 Punkte bei den Inlandsinvestitionen
- –39 Punkte bei Beschäftigungsplänen
Damit droht eine Erosion industrieller Wertschöpfung in Deutschland.
Der Bericht zeigt: Standortfaktoren wie Energiepreise, Arbeitskosten, Steuern und Genehmigungsdauern wirken zunehmend wie ein „Wegdrückfaktor“.
Download
International_Auslandsinvestitionen in der Industrie 2025 (PDF, 712 KB)
- Relevant im Themenfeld:
- Internationaler Handel
Veröffentlicht 17.03.2025
Aktualisiert 17.12.2025
Ansprechpartner
Dr. Jupp Zenzen
Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen