Brücke von Mostar 494091083

Berliner Prozess: Der westliche Balkan auf dem Weg in die EU

Anlässlich des Westbalkanforums am 24. September 2024 im Bundeswirtschaftsministerium ziehen die DIHK und die deutschen Auslandshandelskammern (AHKs) der Region eine erste Zwischenbilanz zum 10. Jahrestag des Berliner Prozesses.

Nach Einschätzung der DIHK hat der Berliner Prozess, der die Zusammenarbeit in der Region untereinander und mit der EU fördern soll, in den vergangenen zehn Jahren die regionale Integration der sechs Partner (WB6) – Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien und Serbien – in vielen Punkten vorangebracht.

Die Wachstumsdynamik des Wirtschaftsraums unterstreicht diese Entwicklung. Im Jahr 2023 wuchs der bilaterale Handel Deutschlands mit den WB6 im Vergleich zum Vorjahr um knapp sechs Prozent. 

Wir haben in den vergangenen Jahren viele Fortschritte erreicht. Die dynamisch wachsenden Handelszahlen sind ein guter Beleg dafür

Volker Treier am Geländer 2022

Dr. Volker Treier

-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung

Der Berliner Prozess

  • Der Berliner Prozess ist eine diplomatische Initiative, die 2014 als Brücke zwischen Westbalkanstaaten und der EU initiiert wurde.
  • Beteiligt sind der Westbalkan-6 (Albanien, Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien), Gastgeberländer des Prozesses, EU-Institutionen, internationale Finanzinstitutionen, Zivilgesellschaft und regionale Unternehmen.
  • Ziele sind, die Zusammenarbeit zu stärken, bilaterale und interne Konflikte zu adressieren und die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern.
  • Instrumente sind konkrete Projekte in Infrastruktur, Wirtschaft und zu sozialer Entwicklung.
  • Der Prozess dient als Plattform für politischen Dialog, wirtschaftliche Kooperation und sozialen Austausch und soll gemeinsame Strategien zur Lösung regionaler Herausforderungen voranbringen.

Erfolge des Berliner Prozesses

So wurde unter anderem damit begonnen, Grundlagen für einen Regionalen Wirtschaftsraum (Regional Economic Area) zu schaffen, in der sich Waren, Dienstleistungen, Investitionen und Arbeitskräfte frei bewegen können. Die Transportgemeinschaft (Transport Community) wurde als Institution etabliert, und mit dem Chamber Investment Forum als regionalem Zusammenschluss der nationalen Wirtschaftskammern entstand eine Plattform, auf der sich die Akteure der verfassten sowie der privaten Wirtschaft besser vernetzen können.

Gleichzeitig haben die AHKs in den WB6 die Zusammenarbeit untereinander sowie mit den bilateralen Wirtschaftsvereinigungen mit Deutschlandbezug vor Ort intensiviert. Nahezu jedes größere AHK-Projekt in der Region wird mittlerweile mit Bezug zum Westbalkan oder in Kooperation mit anderen AHK-Standorten in den WB6 durchgeführt.

IHKs und Germany Trade and Invest unterstützen regelmäßig Initiativen aus den WB6 führen Veranstaltungen durch, um die deutsche Wirtschaft über die Region zu informieren und ihre Potenziale aufzuzeigen. Finanzielle Unterstützung kommt vom Western Balkan Investment Framework der EU, den EU-Vorbeitrittshilfen und den New Growth Plan.

Aktuelle Herausforderungen für Betriebe

Trotz dieser Fortschritte stehen nationale und internationale Unternehmen in der Region vor Herausforderungen, die zentral für die Aktivitäten des Wirtschaftsstandorts sind. Dazu zählen geopolitische Spannungen, die Frage der Umsetzung des Acquis Communautaire in den WB6, der Fortschritt beim EU-Beitritt, der Wettbewerbsfähigkeit der lokalen Wirtschaft im Vergleich zu europäischen und internationalen Märkten sowie die Migration über die Balkanroute sowie die Arbeitskräfteabwanderung. 

Nach Auffassung der DIHK ist es von entscheidender Bedeutung, dass die Regierungen vor Ort Perspektiven für die junge Generation schaffen, um die Abwanderung qualifizierter Fachkräfte ("Brain Drain") zu begrenzen. Einen Knackpunkt ist laut DIHK zudem der Carbon Border Adjustment Mechanism (CBAM) – hier sei dringend Aufklärung nötig. 

Für die kommenden Jahre sehen DIHK und AHKs folgende Schwerpunkte:

Nächste Schritte: Was für die EU-Annäherung jetzt passieren muss

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Schwerpunkte:
  • Außenwirtschaft

Kontakt

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Stefan Kägebein

Referatsleiter Ost- und Südosteuropa

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Julia Fellinger

Pressesprecherin