Mechaniker mit Schutzhelmen, eine Frau, ein Mann, arbeiten an einem Panzer

Betriebe sehen Chancen in der Verteidigungsindustrie

Sonderauswertung "Konjunktur Insight" zur Umfrage Jahresbeginn 2026

Welche Rolle spielen die Themen Sicherheit und Verteidigung in der deutschen Wirtschaft, und welche Perspektiven eröffnen sich den hier aktiven Betrieben? In ihrer Konjunkturumfrage Jahresbeginn 2026 hat die DIHK die entsprechenden Wertschöpfungsketten gesondert betrachtet.

Die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie steht im Kontext einer sicherheitspolitischen Zeitenwende. Deutschland und seine Partner erhöhen ihre Verteidigungsausgaben, modernisieren ihre Streitkräfte und investieren in neue Technologien. Das führt zu zusätzlicher Nachfrage – sowohl für klassische Rüstungsunternehmen als auch für Zulieferer und Dual-Use-Produzenten aus verschiedenen Branchen.

Beachtlicher Teil der Industrie engagiert

Bei ihrer jüngsten Konjunkturumfrage hat die DIHK knapp 5.000 Unternehmen speziell nach ihrer Einbindung in die Wertschöpfungskette der Verteidigungsindustrie gefragt. Das Ergebnis: 17 Prozent der Betriebe sind als Hersteller von militärischen beziehungsweise Dual-Use-Gütern oder als Zulieferer aktiv. Damit wirtschaftet bereits ein beachtlicher Teil der deutschen Industrie in verteidigungsnahen Bereichen. Weitere 12,3 Prozent der Unternehmen sehen den Verteidigungsmarkt als potenziell attraktives Geschäftsfeld. Besonders stark vertreten sind dabei Investitionsgüterhersteller, aber auch Metallerzeuger und Textilbetriebe.

Die wichtigsten Ergebnisse in Kürze

  • 17 Prozent der Industrieunternehmen sind in der Wertschöpfungskette der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie aktiv
  • 2,5 Prozent stellen eindeutig militärische Güter her
  • 6,9 Prozent produzieren Dual-Use-Güter
  • 7,6 Prozent sind Zulieferer für militärische oder Dual-Use-Produkte
  • 12,3 Prozent der Industriebetriebe sind zwar noch nicht aktiv, sehen die Verteidigungsindustrie aber als interessanten Markt
     
  • Geschäftserwartungen: Saldo plus 11 Punkte bei militärischen und Dual-Use-Herstellern sowie Zulieferern, minus 9 Punkte in der übrigen Industrie.
  • Exporterwartungen: Saldo plus 12 Punkte im Verteidigungsbereich, minus 6 Punkte bei den übrigen Industriebetrieben.

Von Fahrzeugbau bis Textil

Besonders stark ist die Einbindung bei Herstellern von Investitionsgütern: In dieser Gruppe geben 24 Prozent der Unternehmen an, Teil der Wertschöpfungskette der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie zu sein, im Fahrzeugbau sind es sogar 36 Prozent. Aber auch in der Metallerzeugung und -bearbeitung (30 Prozent) oder im Textilgewerbe (27 Prozent) ist der Bezug zur Verteidigungsindustrie hoch. 

Grafik Konjunktur Insight Verteidigung JB 2026

Aufgrund der sehr unterschiedlichen Branchenstrukturen und Cluster in den einzelnen Bundesländern ist das regionale Bild uneinheitlich: Während in Süddeutschland 21 Prozent der Industriebetriebe in die Wertschöpfungskette der Verteidigungsindustrie eingebunden sind, beträgt der Anteil in Ostdeutschland lediglich 9 Prozent. 

Und auch die die Unternehmensgröße spielt eine Rolle: Große Industriebetriebe sind mit 31 Prozent überdurchschnittlich oft Hersteller militärischer oder Dual-Use-Güter beziehungsweise Zulieferer. Gleichzeitig eröffnen sich aber auch für kleinere und mittlere Unternehmen Chancen als spezialisierte Zulieferer.

Was sind Dual-Use-Güter?

Dual-Use-Güter sind Produkte, Technologien oder Software, die sowohl für zivile als auch für militärische Zwecke nutzbar sind. Dazu zählen beispielsweise:

  • Werkzeugmaschinen,  
  • Prüf- und Messvorrichtungen,
  • Spezialventile,  
  • bestimmte Elektronikkomponenten.

Hersteller solcher Güter unterliegen häufig besonderen Exportkontrollvorschriften, da ihre Produkte in sensiblen Zusammenhängen zum Einsatz kommen können.

Überdurchschnittlicher Optimismus

Wie die Sonderauswertung zeigt, macht es für die Geschäftsperspektiven einen klaren Unterschied, ob Unternehmen in verteidigungsnahen Geschäftsfeldern aktiv sind: Der Saldo von positiven und negativen Geschäftserwartungen liegt bei den Herstellern von militärischen und Dual-Use-Gütern sowie deren Zulieferern für die kommenden zwölf Monate bei plus 11 Punkten, während die übrige Industrie mit einem Saldo von minus 9 Punkte nach wie vor pessimistisch gestimmt ist.

Grafik Konjunktur Insight Verteidigung JB 2026 Erwartungen

Ähnlich das Bild bei den Exporten: In der Verteidigungsindustrie aktive Unternehmen erwarten mit einem Exportsaldo von plus 12 Punkten überwiegend steigende Ausfuhren, die restlichen Industriebetriebe rechnen dagegen mit rückläufigen Exporten (minus 6 Punkte).

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Jedes dritte Industrieunternehmen sieht Chancen in der Verteidigungsindustrie (PDF, 138 KB)

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Ansprechpartner

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Benjamin Baykal

Referatsleiter Verteidigungspolitik, Kooperation mit der Bundeswehr

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Dr. Jupp Zenzen

Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen

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Petra Blum

Pressesprecherin