DIHK-Auswertung: Krise erreicht auch Dienstleistungsunternehmen

Branchenbezogene Zahlen aus der jüngsten Konjunkturumfrage verdeutlichen: Starre Arbeitszeiten, Dokumentationspflichten und hohe Arbeitskosten gefährden vor allem kleine Betriebe

Lange konnten die Dienstleistungsunternehmen der schwachen Konjunktur trotzen. Doch nun schlägt die Krise auch hier voll durch. Das zeigt eine Sonderauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026, in der mehr als 11.000 Dienstleistungsunternehmen zur ihrer wirtschaftlichen Lage befragt wurden. 

"Branchenübergreifend sind viele Dienstleister aktuell in ihrer Existenz gefährdet. Immense Dokumentationspflichten, hohe bürokratische Auflagen und steigende Arbeitskosten setzen die Unternehmen unter Druck. Hier braucht es dringend Entlastung."

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Dirk Binding

-- Bereichsleiter Digitale Wirtschaft, Infrastruktur, Regionalpolitik

„Strukturelle Probleme, hohe Energiepreise und geopolitische Unsicherheiten erreichen nun auch die Dienstleister mit voller Wucht“, sagt Dirk Binding, DIHK-Bereichsleiter Digitale Wirtschaft, Infrastruktur, Regionalpolitik. „Viele Dienstleistungsunternehmen von der Logistik über die Werbebranche bis hin zu IT arbeiten für große Industrie- und Gewerbekunden. Geht es diesen schlecht, kommt das zeitverzögert auch bei den Dienstleistern an.“ Doch auch die personenbezogenen Dienstleistungen rund um Gesundheit, Tourismus, Kultur und Verkehr geraten immer stärker unter Druck. „Die geschwächte Kaufkraft und Unsicherheit der Verbraucher drücken die Nachfrage“, erklärt Binding. „Hinzu kommen steigende Energie- und Rohstoffpreise infolge des Nahostkonflikts, die auch die Dienstleister hart treffen.“

Viele kleine Unternehmen stecken in finanziellen Schwierigkeiten

Die wirtschaftliche Stimmung trübt sich gegenüber dem Jahresbeginn entsprechend ein: Nur noch 27 Prozent der Unternehmen bewerten ihre aktuelle Lage als gut, 23 Prozent als schlecht. Auch die Geschäftserwartungen verdüstern sich deutlich. Rund 31 Prozent der Betriebe rechnen mit einer weiteren Eintrübung, lediglich 13 Prozent erwarten eine Verbesserung. Entsprechend zurückhaltend sind die Unternehmen auch bei Beschäftigungs- und Investitionsplänen: Mehr als jedes fünfte Unternehmen plant Personalabbau, fast jedes dritte will Investitionen kürzen. 

Besonders kleine Betriebe geraten zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten. Fast jedes zweite Dienstleistungsunternehmen mit bis zu zehn Mitarbeitenden befindet sich laut Umfrage in einer problematischen Finanzlage. Etwa 22 Prozent berichten von Liquiditätsengpässen. „Viele kleine Betriebe haben ihre finanziellen Reserven in den vergangenen Krisenjahren weitgehend aufgebraucht und verfügen kaum über Puffer, um die stark gestiegenen Kosten abzufedern“, sagt Binding.

Negative Geschäftsaussichten quer durch alle Dienstleistungsbranchen

Ein Blick auf die verschiedenen Dienstleistungsbranchen zeigt: Der stärkste Einbruch zeigt sich in der Reisevermittlung – maßgeblich bedingt durch den Krieg im Nahen Osten und seine Folgen. Auch der bislang stabile Sektor Gesundheit und Soziale Dienste bewertet seine Lage trotz hoher Nachfrage schlechter als noch zu Jahresbeginn. Die Betriebe stehen hier unter erheblichem Kosten- und Strukturdruck: 61 Prozent der Unternehmen sehen die hohen Arbeitskosten als ihr größtes Geschäftsrisiko. Gleichzeitig bleibt der Fachkräftemangel für 62 Prozent der Betriebe eine große Herausforderung. 

Im Verkehrsgewerbe kommen zu den seit Jahren bestehenden Problemen durch Engpässe, marode Verkehrsinfrastruktur und Fachkräftemangel aktuell noch die stark gestiegenen Energiekosten hinzu. Entsprechend sind auch hier die Aussichten pessimistisch. Besonders negativ auf ihre wirtschaftliche Lage schauen Taxi- und Omnibusunternehmen, die stark abhängig von Benzin- und Dieselpreisen sind. Bei Luftverkehrsunternehmen dämpfen steigende Kerosinpreise und die Sorge vor andauernden Luftraumsperrungen in der Golfregion die Erwartungen der Unternehmen.

Im Gastgewerbe setzen vor allem hohe Energie- und Personalkosten die Betriebe unter Druck. In der Folge bewerten auch in dieser Branche ihre aktuelle Geschäftslage und ihre Geschäftserwartungen deutlich negativ. Das stellt die Unternehmen auch zunehmend vor finanzielle Herausforderungen. Knapp zwei Drittel der gastgewerblichen Betriebe bezeichnen ihre Finanzlage als problematisch. Jedes zehnte Unternehmen berichtet von einer drohenden Insolvenz. Trotz bevorstehender Sommersaison liegen die Beschäftigungsabsichten der Unternehmen auf einem niedrigeren Niveau als noch zu Jahresanfang. 

„Branchenübergreifend sind viele Dienstleister aktuell in ihrer Existenz gefährdet. Immense Dokumentationspflichten, hohe bürokratische Auflagen und steigende Arbeitskosten setzen die Unternehmen unter Druck. Hier braucht es dringend Entlastung“, fordert Binding. Auch die im Koalitionsvertrag vorgesehene wöchentliche statt tägliche Höchstarbeitszeit müsse jetzt zügig umgesetzt werden. „Starre Arbeitszeiten werden der Realität vieler Betriebe, gerade im Gastgewerbe, nicht mehr gerecht. Betriebe brauchen mehr Flexibilität, um auf Nachfrageschwankungen reagieren und Personal bedarfsgerecht einsetzen zu können.“

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Die Sonderauswertung Dienstleistungswirtschaft der Konjunkturumfrage Frühsommer 2026 ist hier abrufbar:
 
Publikation
DIHK Konjunktur Insight Diensleistungswirtschaft Frühsommer 2026
Zusammenfassung
Die Dienstleistungswirtschaft macht sichtbar, wie tief die Krise wirklich sitzt: Sonderauswertung der DIHK-Konjunkturumfrage Frühsommer 2026
Informationen
Dateiformat: PDF (barrierefrei)
Dateigröße: 193 KB
Stand: Juni 2026
Seitenumfang: 7 Seiten

Relevant im Themenfeld:
Schwerpunkte:
  • Konjunktur

Pressekontakt

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Julia Löffelholz

Pressesprecherin