Im Zentrum stehen stark steigende Kostenbelastungen entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Am häufigsten nennen die Betriebe gestiegene Fracht- und Transportkosten (73 Prozent), gefolgt von höheren Energiezahlungen (71 Prozent) sowie steigenden Rohstoff- und Materialpreisen (58 Prozent). "Die Kostenwelle rollt durch die Unternehmen", sagt DIHK-Chefanalyst Volker Treier. "Der Konflikt schlägt über Energiepreise und Transportkosten direkt auf Produktion und Beschaffung durch."
"Unsere Wirtschaft befindet sich seit sechs Jahren im Krisenmodus und wir müssen alles dafür tun, um in dieser geopolitischen Gemengelage bestehen zu können. Kosten senken, Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen – es gibt viele hausgemachte Probleme, die wir angehen müssen."
Dr. Volker Treier
-- DIHK-Chefanalyst | Mitglied der Hauptgeschäftsführung
Das alles verschärft die Situation am Standort Deutschland. Die Lage war bereits vor dem Nahost-Konflikt schwierig für deutsche Unternehmen. "Die Bundesregierung muss jetzt mit tiefgreifenden Reformen gegensteuern, um die Betriebe zu unterstützen. Unsere Wirtschaft befindet sich seit sechs Jahren im Krisenmodus und wir müssen alles dafür tun, um in dieser geopolitischen Gemengelage bestehen zu können. Kosten senken, Bürokratie abbauen, Verfahren beschleunigen – es gibt viele hausgemachte Probleme, die wir angehen müssen."
Kosten treiben sich gegenseitig nach oben
Vor allem durch das Zusammenspiel aus teurer Energie und steigenden Transportkosten spitzt sich die Lage zu. Höhere Treibstoffpreise verteuern Logistik und Fracht, gleichzeitig erhöhen die Energiepreise direkt die Kosten für Produktion und Vorleistungen. In den Rückmeldungen berichten Unternehmen von sprunghaften Preissteigerungen, täglich wechselnden Einkaufspreisen und der Unmöglichkeit, verlässlich zu kalkulieren. Teilweise werden bestehende Preiszusagen aufgekündigt oder Lieferungen nur noch zu neuen schlechteren Konditionen angeboten. "Wir erleben eine Kettenreaktion entlang der Wertschöpfung", so Treier. "Energie und Logistik sind die zentralen Hebel, sie treiben die Preise in fast allen Bereichen nach oben und machen Planung nahezu unmöglich."
Die Betriebe reagieren bereits auf den Kostendruck: 50 Prozent versuchen die gestiegenen Kosten über höhere Preise weiterzureichen. Mehr als jedes dritte Unternehmen verschiebt Investitionen oder Projekte (37 Prozent). Gleichzeitig bauen 43 Prozent ihr Risikomanagement aus. "Wenn Kosten steigen und Unsicherheit zunimmt, müssen viele Unternehmen eine Art Reißleine ziehen“, betont Treier. "Sie passen Preise an, stellen Investitionen zurück und steuern Risiken enger."
Lieferketten geraten ins Rutschen
Parallel nehmen die Störungen in den Lieferketten spürbar zu. Freitextantworten zeigen die Dimension: verschobene oder gestoppte Verschiffungen, umgeleitete Container, wochenlange Verzögerungen sowie fehlende Transportkapazitäten. Teilweise werden Waren nicht mehr abgenommen oder können gar nicht mehr ausgeliefert werden. Auch Transportversicherungen ziehen sich zurück, Kreditlimits werden angepasst, Geschäftsverhandlungen ausgesetzt. "Was auf den Transportwegen passiert, schlägt direkt in den Betrieben auf", betont Treier. "Lieferausfälle, Verzögerungen und steigende Risiken drohen ganze Abläufe ins Wanken zu bringen."
Industrie besonders unter Druck – rohölbasierte Produkte knapp
Vor allem rohölbasierte Vorprodukte geraten unter Druck: von Kunststoffen, Folien und Dämmstoffen über Chemikalien bis hin zu Kraftstoffen und Spezialmaterialien. Unternehmen berichten von Materialknappheit, Kontingentierungen und teils drastischen Preisaufschlägen – teilweise bei gleichzeitig verlängerten Lieferzeiten. 16 Prozent der Industrieunternehmen beklagen bereits konkrete Engpässe bei Rohstoffen und Vorprodukten. "Viele Schlüsselprodukte hängen direkt oder indirekt am Ölpreis", erklärt Treier. "Wenn dort die Preise steigen oder Lieferketten reißen, trifft das ganze Industriezweige."
Neben den operativen Problemen macht sich derzeit eine große grundsätzliche Unsicherheit breit. Unternehmen berichten von fehlender Planbarkeit, steigenden Finanzierungskosten und wachsender Investitionszurückhaltung. "Wir sehen einen doppelten Schock aus steigenden Kosten und wachsender Unsicherheit. Das bremst Investitionen und belastet die wirtschaftliche Entwicklung spürbar. Solange Energie- und Transportkosten hoch bleiben und Lieferketten instabil sind, wird der Druck auf die Unternehmen anhalten", schlussfolgert Treier.
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DIHK-Blitzumfrage Nahostkonflikt April 2026 (PDF, 497 KB)
- Relevant im Themenfeld:
- Wirtschafts- und Finanzpolitik
- Schwerpunkte:
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- Lieferketten
- Konjunktur
Veröffentlicht 21.04.2026
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Referatsleiter Konjunktur, Wachstum, Unternehmensbefragungen
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