85 Prozent der deutschen Betriebe im Ausland berichten von spürbaren Auswirkungen oder rechnen damit. Das zeigt eine Sonderauswertung des "AHK World Business Outlook" der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) aus dem Frühjahr 2026 auf Basis von rund 4.500 Unternehmen.
Die Rückmeldungen der Betriebe zeichnen ein klares Bild: Steigende Energiepreise und Störungen der Lieferketten prägen die aktuelle Lage vieler Unternehmen. "Die wirtschaftlichen Folgen treffen die Unternehmen bereits mit voller Wucht", sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. "Der Konflikt wirkt global. Er erhöht den Kostendruck, verschärft die Risiken und bremst Investitionen spürbar."
"Die wirtschaftlichen Folgen treffen die Unternehmen bereits mit voller Wucht."
Dr. Volker Treier
-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung
Besonders zugespitzt ist die Lage in der Golfregion: Dort berichten 94 Prozent von Beeinträchtigungen. Für viele deutsche Unternehmen ist der Golf ein zentraler Absatz- und Investitionsmarkt, entsprechend hart schlagen Störungen dort durch. "Das ist kein regionales Problem, sondern ein globaler Belastungstest für die deutschen Unternehmen weltweit", so Treier. "Die Risiken ziehen sich durch alle Märkte und Branchen."
Kostenexplosion und fragile Lieferketten
Knapp zwei Drittel der Unternehmen weltweit melden steigende Inputkosten für Rohstoffe und Vorprodukte. Besonders stark betroffen sind energieabhängige Standorte in Asien wie die Philippinen, Vietnam und Südkorea. Doch auch in Lateinamerika – etwa in Chile und Paraguay – berichten über 80 Prozent der Unternehmen von steigenden Kosten. Hintergrund ist vor allem der Energiepreisschock infolge des Konflikts. Dieser trifft Unternehmen weltweit, unabhängig davon, wie eng ihre wirtschaftlichen Beziehungen zur Golfregion sind. Treier macht deutlich: "Der Energiepreisschock frisst sich durch die Wertschöpfungsketten – vom Rohstoff über den Transport bis zum Endprodukt."
Mehr als die Hälfte der Unternehmen weltweit berichtet von Störungen in den Lieferketten. In der Golfregion sind es sogar rund drei Viertel. Besonders deutlich zeigen sich die Auswirkungen in Kuwait und Saudi-Arabien. Doch auch in geografisch weiter vom Konfliktherd entfernten Regionen sind die Auswirkungen deutlich spürbar: In der EU meldet etwa jedes zweite Unternehmen Probleme, in Nordamerika sind es immerhin 42 Prozent. Die Ursachen sind vielfältig: unterbrochene Transportwege, eingeschränkte Luftfracht, gestörte Logistik. Treier warnt: "Schäden an der Infrastruktur und Störungen von Transportwegen verschwinden nicht über Nacht. Diese Beeinträchtigungen ziehen sich und sie destabilisieren die globalen Lieferketten nachhaltig."
Auch das internationale Dienstleistungsgeschäft bekommt die Auswirkungen zunehmend zu spüren. Weltweit berichten 14 Prozent der Unternehmen von Problemen bei der Entsendung von Mitarbeitenden. In der Golfregion liegt der Anteil bei 39 Prozent. Sicherheitsfragen, eingeschränkte Reisemöglichkeiten und operative Risiken erschweren internationale Einsätze deutlich, mit direkten Folgen für Projekte und Geschäftsabschlüsse.
Investitionen auf Eis, Nachfrage schwächelt
Neben Kostensteigerungen und Lieferproblemen berichten viele Unternehmen von sinkender Nachfrage, wachsender Investitionszurückhaltung und zunehmender Planungsunsicherheit.
Die zentrale Botschaft aus den Unternehmen ist klar: Der Konflikt wirkt längst strukturell auf die Weltwirtschaft. Dementsprechend zieht Treier ein ernüchterndes Fazit: "Der Nahost-Konflikt ist ein massiver Stresstest für die globale Wirtschaft. Steigende Preise, fragile Lieferketten und politische Risiken belasten die internationalen Handelsbeziehungen und stellen damit auch für die deutsche Wirtschaft ein großes Problem dar. Unternehmen müssen sich längerfristig auf ein höheres Kostenniveau einstellen. Diese Belastungen werden nicht kurzfristig verschwinden."
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Veröffentlicht 15.04.2026
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Referatsleiterin Internationale Konjunktur
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Pressesprecherin