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DIHK-Position: Wirtschaft und Verteidigung

Die Wirtschaft spielt eine zentrale Rolle für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands. In einer Position von Mitte 2025 erläutert die DIHK welche Aufgaben Unternehmen übernehmen und wie die IHK-Organisation die Zusammenarbeit mit Sicherheitsbehörden in unterschiedlichen Sicherheitslagen unterstützt.

Die veränderte geopolitische Sicherheitslage stellt neue Anforderungen an Unternehmen und Institutionen. Eine enge Zusammenarbeit von Wirtschaft und Sicherheitsbehörden gewinnt dabei zunehmend an Bedeutung. Das Präsidium der DIHK hat hierzu am 25. Juni 2025 die folgende Position beschlossen.

Das Papier im Wortlaut

Spätestens seit der Ausweitung des Angriffskriegs Russlands auf die Ukraine im Februar 2022 hat sich die geopolitische Sicherheitslage stark verändert. Auf die Wirtschaft wirkt sich das nicht zuletzt über gestörte Lieferketten, hohe Energiepreise und hybride Bedrohungen aus. Die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu gewährleisten und insgesamt die Anpassung an eine sich verändernde politische Weltlage, ist eine immense Herausforderung für alle politisch Verantwortlichen – und für die Wirtschaft. Dabei sind die aktuellen Herausforderungen auch deshalb so groß, weil aus heutiger Sicht seit Ende des Kalten Krieges zu wenig in zivile und militärische Infrastruktur, Verteidigung und Sicherheit investiert wurde.

Die Politik hat Kurskorrekturen bei Verteidigung und Krisenprävention vorgenommen – mit unmittelbaren Auswirkungen auch auf Unternehmen und Wirtschaft insgesamt. Unternehmen sind etwa eine wichtige Stütze im Bereich der Logistik und der Versorgung von Bevölkerung sowie Streitkräften. Auf nationaler Ebene wurde die Zeitenwende mit der "Nationalen Sicherheitsstrategie" und der "Nationalen Sicherheits- und Verteidigungsindustriestrategie" eingeleitet. Zudem wurde die Finanzierung von Verteidigungsausgaben durch eine Grundgesetzänderung langfristig gesichert. Die Bundesregierung hat weitere konkrete Maßnahmen angekündigt, zum Beispiel die Einführung eines Nationalen Sicherheitsrats, die Beschleunigung bei Beschaffungsverfahren und beim Ausbau der sicherheitsrelevanten Infrastruktur sowie den Abbau von Exporthürden für "Dual-Use"-Güter. Eingeführt werden soll ein Wehrdienst (zunächst) auf freiwilliger Basis. Diese Maßnahmen sind von hoher Relevanz für die Wirtschaft.

Unter der Federführung des Bundesministeriums des Inneren und in Zusammenarbeit mit dem Bundesministerium für Verteidigung (BMVg) wurde im Jahr 2024 die "Rahmenrichtlinie Gesamtverteidigung" überarbeitet. Sie beschreibt das Zusammenspiel der militärischen und zivilen Akteure und betrifft damit Maßnahmen der Bundeswehr und Aspekte des Zivilschutzes wie Telekommunikation, Cybersicherheit, Verkehr, Energie-, Rohstoff-, Gesundheits- oder Lebensmittelversorgung bis hin zur Sicherstellung und Einbindung der Wirtschaft. Gesamtverteidigung wird als gesamtwirtschaftliche und gesamtgesellschaftliche Aufgabe verstanden. Die aktuellen Herausforderungen bei der äußeren Sicherheit und beim Wirtschaftsschutz verschärfen die Dringlichkeit vieler von der Wirtschaft ohnehin geforderten Maßnahmen: Bürokratieabbau, Infrastrukturmodernisierung, Beschleunigung der Planungs- und Genehmigungsverfahren, klare Zuständigkeiten in Verwaltung und Sicherheitsbehörden, Steigerung der Produktivität, Gewinnung von Arbeits- und Fachkräften. 

Die Wirtschaft ist sich ihrer Bedeutung und Verantwortung für die Verteidigungsfähigkeit Deutschlands bewusst

DIHK-Präsident Peter Adrian

Peter Adrian

-- DIHK-Präsident

Gesamtverteidigung betrifft somit viele Wirtschaftsbereiche, den mittelständischen Zulieferbetrieb, der kritische Rohstoffe und Vorprodukte benötigt, ebenso wie die Logistiker, die den Einzel- und Großhandel mit Produkten des täglichen Lebens beliefern, Banken, die Finanzierungen und die Bargeldversorgung absichern, die Gesundheitswirtschaft, die zusätzlich zur Versorgung der Zivilbevölkerung im Ernstfall auch Verletzte und Verwundete behandeln müsste, Programmierende, die Cybersicherheits-Software entwickeln, Energieversorger, die die Wasser-, Strom- und Kraftstoffversorgung sicherstellen, und nicht zuletzt unmittelbar die Sicherheits- und Verteidigungsindustrie mit ihren tausenden Zulieferbetrieben. 

Mit der Umsetzung des "Operationsplan Deutschland" der Bundeswehr rückt neben der Wirtschaftspolitik auch die operative Ebene in den Fokus, die zivilmilitärische Zusammenarbeit vor Ort in den Regionen. Neben den Unternehmen erfüllen dabei die IHKs eine Schlüsselfunktion. Sie bilden die Schnittstelle zwischen Wirtschaft und Bundeswehr, indem sie beispielsweise Betriebe informieren und beraten, Netzwerkformate anbieten und den lokalen Kontakt zur Bundeswehr und zu Zivilschutzorganisationen organisieren. In unterschiedlichen verfassungsrechtlichen Lagen Deutschlands übernehmen sie als Körperschaften des öffentlichen Rechts auch hoheitliche Aufgaben, wie Stellungnahmen zur Unabkömmlichkeit von Mitarbeitenden der Unternehmen. Nach dem Wirtschaftssicherstellungsgesetz könnten die IHKs zur direkten Mitwirkung verpflichtet werden. 

Die wichtige Rolle der IHK-Organisation und ihrer Mitgliedsunternehmen im Kontext der internationalen und nationalen Sicherheitspolitik besteht auch darin, sich auf ernste Sicherheitslagen und eine Reihe von Aufgaben vorzubereiten, die Unternehmen im Ernstfall erfüllen müssen. Zwar sind diese Aktivitäten darauf ausgerichtet, den Ernstfall zu verhindern – das schließt aber auch ein, materiell und organisatorisch auf eine solche Situation vorbereitet zu sein.

Die zentralen Punkte

Download

Die DIHK-Position gibt es hier auch zum Download:

Wirtschaft und Verteidigung – Herausforderungen in neuer sicherheitspolitischer Lage (PDF, 826 KB)

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  • Verteidigung

Kontakt

Mann im Haus der deutschen Wirtschaft

Dr. Rainer Kambeck

Bereichsleiter Wirtschafts- und Finanzpolitik, Mittelstand

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Benjamin Baykal

Referatsleiter Verteidigungspolitik, Kooperation mit der Bundeswehr