DIHK-Sonderauswertung EU-US-Handelspolitik

EU-US-Handelspolitik: Unternehmen fordern für weitere Verhandlungen klaren, pro-europäischen Kurs

27.08.2025 - Auch einen Monat nach der EU-US-Handelseinigung und der gemeinsamen Erklärung stochern die Unternehmen noch im Nebel, wie es mit dem US-Geschäft weitergeht. Zwar gibt es nun einen groben Fahrplan – die volatile Handelspolitik der USA setzt sich jedoch fort. Die Erfahrungen der letzten Monate lehren, dass gerade die Unwägbarkeiten und Unsicherheiten für die deutsche Wirtschaft Gift im US-Geschäft sind. 

Unternehmen empfinden die bisher erzielten Einigungen überwiegend als Belastung. Sie wünschen sich eine klarere Haltung der EU für die weiteren Verhandlungen, auch wenn dies ihre eigenen Geschäfte treffen könnte, zeigt eine Sonderauswertung der jüngsten DIHK-Blitzbefragung von August. „Gerade bei der Umsetzung der vereinbarten Punkte muss die EU klar ihre regulatorische Autonomie und wirtschaftliche Souveränität bewahren und darf sie nicht für kurzfristige Handelsdeals aufs Spiel setzen“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.  

Die avisierten US-Zollsenkungen im Automobil- und Metallbereich müssen nun auch rasch erfolgen. Außerdem braucht es unbürokratisch nachweisbare Ursprungsregeln, um alsbald Rechtssicherheit im Außenwirtschaftsgeschäft zu gewährleisten. Schon jetzt erschwert der US-Zoll den Exporteuren durch neue bürokratische Anforderungen das Geschäft. Ferner ist ein Mechanismus nötig, um zukünftige US-Zollerhöhungen auszuschließen. „Im Notfall sollte die EU auch vor Gegenmaßnahmen nicht zurückschrecken und hier robust verhandeln. Langfristig bleibt die Abschaffung der WTO-widrigen US-Zölle das Ziel”, sagt Treier. 

„Die neue, auf Abschottung zielende Handelspolitik der USA dürfte gehörig nach hinten losgehen. Anstelle von stabilen Wirtschaftsbeziehungen und einem attraktiven Investitionsumfeld stehen die USA bedauerlicherweise zunehmend für Zollchaos und ein unsicheres Geschäftsumfeld. Die Strategie der US-Regierung, durch protektionistische Maßnahmen wie Zölle eine Reindustrialisierung zu erzwingen, geht aus Sicht der deutschen Wirtschaft nicht auf.“ Statt neue Investitionen anzuziehen, schreckt sie vielmehr ab: Mehr als ein Viertel der Unternehmen mit US-Geschäft haben ihre Investitionspläne in den USA entweder auf Eis gelegt oder sogar ganz gestrichen. Die Zollpolitik von Donald Trump führt zu wachsender Verunsicherung bei deutschen Unternehmen – gleich mit oder ohne US-Geschäft. “Die Zölle schaden der US-Wirtschaft mehr, als dass sie ihr nutzen. Die erhobenen Einfuhrzölle werden die US-Kunden vornehmlich selbst bezahlen. Die Mehrheit der Unternehmen mit US-Geschäft gibt die zusätzlichen Zollkosten komplett oder zumindest teilweise an ihre Kunden weiter.” 

Die deutsche Wirtschaft zieht aus der Entwicklung auch strukturell Konsequenzen: Unternehmen orientieren sich strategisch um – und setzen verstärkt auf andere Märkte, vor allem den europäischen Binnenmarkt. Dieser gewinnt nicht nur als Absatzmarkt an Bedeutung, sondern auch als stabiler Wirtschaftsraum mit verlässlichen Regeln. „Für die weiteren Verhandlungen mit den USA fordern deutsche Unternehmen einen klaren, pro-europäischen Kurs“, so Treier. Sie brauchen dringend gute Standort- sowie verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit, um Investitionen und internationale Geschäftsstrategien sinnvoll steuern zu können. 

Europa ist umso mehr jetzt gut beraten, daheim seine Hausaufgaben zu machen und überbordende Bürokratie etwa in Form von Berichtspflichten abzubauen, um die Wettbewerbsfähigkeit des europäischen Binnenmarkts zu stärken. Unternehmen brauchen dringend bürokratische Erleichterungen, aber auch und gerade jetzt Handelsabkommen mit wichtigen Wirtschaftspartnern wie dem MERCOSUR, Indien oder Indonesien. Eine umfassende und belastbare Einigung auf Augenhöhe mit den USA ist gleichwohl ebenso unabdingbar.   

Mehr dazu finden Sie hier: Betriebe fordern klaren, pro-europäischen Kurs bei EU-US-Verhandlungen 


 

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Dominik Ohlig

Pressesprecher – Chef vom Dienst