Die Umfrage unter fast 1.700 Unternehmen über Branchen und Regionen hinweg spiegelt das aktuelle Stimmungsbild der Wirtschaft zur Umweltschutzpolitik. Die Ergebnisse machen klar: Viele Betriebe sehen zwar den Beitrag von Regulierungen zum Umweltschutz und zur gesellschaftlichen Verantwortung – die Umsetzung in der betrieblichen Praxis ist jedoch oft herausfordernd.
Das DIHK-Umweltbarometer spiegelt wider, wie die Unternehmen die Auswirkungen umweltpolitischer Maßnahmen auf ihre Wettbewerbsfähigkeit einschätzen. Aktuell berichten rund 30 Prozent der Betriebe von negativen, 31 Prozent von positiven Folgen, sodass der Barometer-Wert Ende 2025 relativ neutral bei minus 1 liegt.
Große Unterschiede zwischen Branchen
Die Betroffenheit unterscheidet sich stark je nach Branche – entsprechend unterschiedlich bewerten die Unternehmen die Auswirkungen der Umweltschutzpolitik auf ihre Wettbewerbsfähigkeit: Branchenübergreifend sind insbesondere die Regularien für die Kreislaufwirtschaft von hoher Relevanz (45 Prozent). Für die Industrie kommen noch die Anforderungen an den Umgang mit Chemikalien und Gefahrstoffen (28 Prozent) hinzu, für das Baugewerbe die Regulatorik zu Bodenschutz und Altlasten (27 Prozent) sowie für den Handel produktspezifische Regulierungen (51 Prozent), wie beispielsweise zu Verpackungen und Elektrogeräten. Kleine und mittlere Unternehmen sind besonders durch fehlende Fachkräfte (20 Prozent) und komplexe Kommunikation mit Behörden (31 Prozent) belastet.
Das Wichtigste in Kürze
- Bürokratieabbau und Planungssicherheit auf der Wunschliste:
Viele Betriebe sehen in Umweltregulierungen zwar einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz, zur Imagepflege und zur Erfüllung von Kundenanforderungen – die praktische Umsetzung ist jedoch oft herausfordernd und vor allem mit hohem laufendem Aufwand an Sach- und Personalkosten verknüpft. Fast neun von zehn Betrieben wünschen sich weniger Bürokratie, verlässliche Rahmenbedingungen und einheitliche Regelungen auf nationaler und europäischer Ebene.
- Digitaler Produktpass noch wenig bekannt:
Obwohl der digitale Produktpass schon bald ein zentrales Instrument der Kreislaufwirtschaft werden soll, ist er in der Unternehmenspraxis bisher kaum angekommen – fast zwei von drei Betriebe kennen ihn nicht. Die anderen betrachten ihn aber überwiegend als Chance.
- Noch viele Wissenslücken zur EU-Verpackungsverordnung:
Nur etwa ein Viertel der Unternehmen ist Ende 2025 mit den Anforderungen der neuen EU-Verpackungsverordnung (PPWR) vertraut. Die Betriebe, die die Verordnung kennen, erwarten von ihr weiterhin einen erheblichen administrativen Aufwand – aber auch Erleichterungen durch den Wegfall nationaler Regelungen und die Einführung von harmonisierten europäischen Regeln.
- Chemikalienregulierungen belastet und bringt Unsicherheit:
Jedes zweite Unternehmen empfindet die wachsenden Anforderungen durch Chemikalienregulierungen als komplex und zeitaufwendig – insbesondere bei Informationspflichten, Sicherheitsdatenblättern und Arbeitsschutz. Gleichzeitig verunsichern mögliche Stoffverbote, etwa bei Per- und polyfluorierte Alkylsubstanzen (PFAS), die Betriebe, da passende Ersatzstoffe nicht immer verfügbar sind.
- Biodiversität gewinnt an Relevanz:
Das Thema Biodiversität wird in der Wirtschaft zunehmend wahrgenommen. Allerdings betrachtet rund die Hälfte der Befragten Biodiversität weiterhin als nicht relevant für ihr Geschäft.
- Viele betriebliche Umweltinitiativen, ausbaufähige Vernetzung:
Zahlreiche Unternehmen setzen bereits auf etablierte Umweltmanagementsysteme wie ISO 14001 oder EMAS. Bei der Beteiligung an Umwelt-, Klima- oder Nachhaltigkeitspakten auf Landesebene bleibt das Engagement hingegen verhalten.
Neue EU-Vorgaben im Unternehmensalltag
Wie bekannt sind zentrale Instrumente der europäischen Umweltpolitik?
| Regelung | Bekannt | Nicht bekannt |
|---|---|---|
| Digitaler Produktpass | ca. 35 % | ca. 65 % |
| EU-Verpackungsverordnung | ca. 25 % | ca. 75 % |
| Recht auf Reparatur | ca. 66 % | ca. 20 % |
Einordnung:
Viele neue EU-Instrumente sind in der Breite der Wirtschaft noch nicht angekommen. Für eine erfolgreiche Umsetzung sind frühzeitige Information, praxisnahe Ausgestaltung und ausreichende Vorlaufzeiten entscheidend.
Umweltschutz als Verantwortung und Standortfrage
Trotz der Herausforderungen insbesondere beim administrativen Aufwand treiben viele Unternehmen Umweltschutz aus Überzeugung voran. Gesellschaftliche Verantwortung, Kundenanforderungen und rechtliche Sicherheit sind zentrale Motive.
Damit ökologische Transformation und Wettbewerbsfähigkeit zusammengehen, sollte die Politik nach Auffassung der DIHK Berichtspflichten abbauen und die Umweltregulierungen auf EU- und Bundesebene harmonisieren, unter frühzeitiger Einbindung der Wirtschaft klare Regeln schaffen und die Digitalisierung beschleunigen. Den Betrieben rät die DIHK, Umweltaspekte in die Unternehmensstrategie zu integrieren, proaktiv Informationen über künftige Regulierungen zu beschaffen, und in Digitalisierung und Fachkräfte zu investieren.
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Veröffentlicht 09.12.2025
Aktualisiert 29.01.2026
Ansprechpartner
Fachreferent
Christoph Petri
Referatsleiter Umwelt- und Rohstoffpolitik
Für die Presse
Julia Löffelholz
Pressesprecherin