Porträtfoto Melanie Vogelbach

Ein Jahr „Liberation Day“-Zölle: Tiefe Spuren in den transatlantischen Beziehungen

Dazu sagt Melanie Vogelbach, DIHK-Bereichsleiterin für Internationale Wirtschaftspolitik

02.04.2026 - “Ein Jahr US-Hochzollpolitik hat tiefe Spuren in den transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen hinterlassen. Massive Zollerhöhungen, sprunghafte Änderungen und anhaltende Rechtsunsicherheit bremsen den Handel mit unserem wichtigsten Absatzmarkt spürbar aus. Deutsche Exporte in die USA sind binnen Jahresfrist um fast zehn Prozent zurückgegangen – und der Ausblick bleibt negativ. Die monatlichen Direktinvestitionsflüsse deutscher Unternehmen in den USA haben sich im vergangenen Jahr fast halbiert. Die seitens der US-Regierung angestrebte Verlagerung von Produktion in die USA zulasten Europas bleibt somit aus. Eine aktuelle DIHK-Umfrage zeigt, dass weiterhin die Hälfte der deutschen Unternehmen ihre US-Investitionen verschieben oder reduzieren wollen.  

Auch ein weiteres US-Ziel geht nicht auf: Fast drei Viertel der deutschen Unternehmen geben an, dass sie die zusätzlichen Zollkosten nicht selbst tragen, sondern sie ganz oder zumindest teilweise an ihre Kunden in den USA weitergeben. Bundesregierung und EU sind gefordert, geschlossen auf den Abbau der unberechtigten US-Zölle zu drängen – vor allem im Bereich Stahl und Aluminium. Genauso müssen neue Drohkulissen frühzeitig abgewehrt werden – etwa sogenannte 301-Verfahren, mit denen Washington einseitig neue Zölle begründen könnte. Klar ist: Diese Vorwürfe sind haltlos. Europäische Unternehmen bauen weder Überkapazitäten zulasten der USA auf, noch verschaffen sie sich Wettbewerbsvorteile durch Zwangsarbeit. Im Gegenteil: Beim Thema globales Level Playing Field haben die EU und USA gemeinsame Interessen – etwa im Umgang mit Wettbewerbsverzerrungen aus China. 

Die Umsetzung des EU-US-Abkommens kann weitere Eskalationen begrenzen – klare Erwartung auch in der Wirtschaft ist, dass die USA sich an die Absprachen halten. Parallel dazu müssen EU und Bundesregierung die Zeit nutzen und strategische Abhängigkeiten – auch gegenüber den USA – konsequent abbauen. Europa braucht jetzt entschlossene Antworten: bei der Diversifizierung von Lieferketten, dem Ausbau der Sicherheitsarchitektur, der digitalen Souveränität und bei besseren Wettbewerbsbedingungen.” 

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Julia Fellinger

Pressesprecherin