Nach Einschätzung der DIHK würde eine deutliche Senkung der Benzin- und Dieselpreise dem Staat mittelfristig erhebliche Einnahmenverluste ersparen. Und auch darüber hinaus sieht sie viele, meist sogar kostenneutrale, Ansatzpunkte für die Sicherung des Standortes und damit von Steuereinnahmen.
Helena Melnikov
"Der Krieg im Nahen Osten hat gravierende Folgen für die Weltwirtschaft", sagte Melnikov der "Bild"-Zeitung (hier der Artikel im Angebot von "Bild+"). Das treffe Deutschland wegen seiner starken internationalen Verflechtung besonders hart.
"Vieles spricht dafür, dass Energie dauerhaft teurer bleibt, weil bereits wichtige Infrastruktur zerstört ist", warnte sie. "Das stellt die deutsche Wirtschaft vor besonders große Herausforderungen. Denn schon ohne akute Krise haben wir mit die höchsten Energie-Standortkosten weltweit."
Benzin noch vor Ostern um 35 Cent entlasten
Deshalb müsse die Politik schnell handeln: "Die Bundesregierung sollte die Energiesteuern für Diesel, Benzin, Gas und Heizöl noch vor Ostern vorübergehend auf das EU-Mindestniveau senken", so Melnikov. "Das würde Benzin unterm Strich um rund 35 Cent und Diesel um knapp 17 Cent pro Liter entlasten. Zugleich muss die Stromsteuer jetzt für alle dauerhaft auf das EU-Mindestniveau gesenkt werden. Da es sich um eine reine Bundessteuer handelt, wäre das rasch umsetzbar."
Ohne diese Entlastung werde es am Ende auch für den Staat teuer, warnte die DIHK-Hauptgeschäftsführerin. "Denn mit einer erneut einbrechenden Konjunktur bleiben auch Ertragssteuern aus."
Hausgemachte Probleme anpacken
Gleichzeitig dürften die aktuellen Krisen nicht darüber hinwegtäuschen: Deutschlands Probleme seien zu großen Teilen hausgemacht. "Die Stimmung und die Lage in vielen deutschen Unternehmen sind derzeit so schlecht, wie ich es noch nie erlebt habe", sagte Melnikov. "Der Standort ist zu teuer, zu langsam und zu kompliziert." Unternehmen investierten zunehmend im Ausland, weil andere Länder günstiger, schneller und pragmatischer seien.
Befreiungsschlag in allen Bereichen bis Sommer
"Die Bundesregierung muss deshalb das Zeitfenster bis zum Sommer für spürbare Reformen in allen Bereichen nutzen", forderte sie. "Die Energie- und Arbeitskosten müssen runter, und alle Blockaden durch Bürokratie müssen konsequent beseitigt werden. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen in unserem Land wieder unternehmen dürfen, ohne durch Vorschriften ausgebremst zu werden. Beschäftigte brauchen wieder mehr Netto vom Brutto, das geht nur über Reformen auch beim Sozialstaat. Und neue Ideen müssen endlich Vorrang vor alten Bedenken bekommen."
Melnikovs Vorschlag: "Wenn Berlin und Brüssel jetzt alles aussetzen und streichen, was unsere wirtschaftliche Entwicklung behindert, kostet das nichts – im Gegenteil: Es spart Unternehmen und Staat erhebliche Summen. Gelingt dieser Befreiungsschlag, kann Deutschland wirtschaftlich wieder erfolgreich sein. Bleibt die Politik aber weiter im Leerlauf, wird die Zukunft unseres Standorts sehr, sehr schwierig."
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Veröffentlicht 24.03.2026
Aktualisiert 25.03.2026
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