Anlässlich der bevorstehenden Reise von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nach Indonesien und auf die Philippinen vom 8. bis 13. März 2026 legt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) ein Positionspapier zu EU-Handelsabkommen mit Thailand, Malaysia und den Philippinen vor. Die Botschaft ist klar: Europa darf in der Boomregion Südostasien nicht länger auf Zeit spielen. „Südostasien ist eine der dynamischsten Wirtschaftsregionen der Welt. Wer dort nicht präsent ist, verliert Marktanteile – und Einfluss“, betont DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Die USA, China, Japan oder Südkorea sind längst tiefer integriert. Die EU muss jetzt nachziehen – mit ambitionierten, durchsetzbaren Abkommen.“
Mehr als Symbolpolitik: echter Marktzugang zählt
24.02.2026 - Aus Sicht der deutschen Wirtschaft braucht es umfassende Abkommen mit klarem Fokus auf Zollabbau, Abbau nichttarifärer Handelshemmnisse, Investitionsschutz, Schutz geistigen Eigentums und offenen Dienstleistungsmärkten. Halbherzige Vereinbarungen reichen nicht.
„Unsere Unternehmen erwarten mindestens eine gleichwertige Marktöffnung wie sie andere Wettbewerber bereits erhalten haben. Alles andere wäre ein Standortnachteil für Europa“, so Treier.
Der Handlungsbedarf ist konkret: Die EU listet aktuell zahlreiche Handelshemmnisse in allen drei Ländern auf – von Importrestriktionen über Lokalisierungsvorgaben bis zu regulatorischen Sonderwegen. Für viele Betriebe, gerade für Mittelständler, sind solche Hürden ein echter Bremsklotz.
Lieferketten stärken, Abhängigkeiten reduzieren
Gerade vor dem Hintergrund geopolitischer Spannungen gewinnen die Abkommen strategisch an Bedeutung. Thailand, Malaysia und die Philippinen sind wichtige Bausteine für resilientere Lieferketten – etwa in der Elektronik, im Maschinenbau oder bei Rohstoffen.
„Wer über De-Risking spricht, muss Handelsabkommen abschließen“, sagt Treier. „Diversifizierung gelingt nicht durch Sonntagsreden, sondern durch verlässliche Regeln, transparente Verfahren und durchsetzbare Vereinbarungen.“ Dazu gehören klare Ursprungsregeln, digitale Zollverfahren, die Vermeidung neuer Bürokratie beim Präferenznachweis sowie ein konsequentes Vorgehen gegen Exportverbote und -steuern bei Rohstoffen.
EU‑Indonesien rasch ratifizieren – ASEAN als nächster Schritt
Die DIHK fordert zudem eine schnelle Ratifizierung des EU-Indonesien-Abkommens. Es wäre ein starkes Signal an die gesamte Region.
Mittelfristig sollte die EU die bilateralen Abkommen zu einem umfassenden EU-ASEAN-Abkommen weiterentwickeln. „Ein regionales Dach würde Europas wirtschaftspolitische Sichtbarkeit erhöhen und Unternehmen langfristige Planungssicherheit geben“, so Treier.
Gleichzeitig plädiert die DIHK für eine engere Zusammenarbeit mit der Transpazifischen Partnerschaft (CPTPP). Eine verstärkte EU-CPTPP-Kooperation könne helfen, das regelbasierte Welthandelssystem zu stabilisieren – gerade in Zeiten einer geschwächten WTO.
Klare Regeln für digitalen Handel und Fachkräfte
Das Positionspapier (PDF, 533 KB) setzt zudem Schwerpunkte bei digitalem Handel, Fachkräftemobilität und Nachhaltigkeit. Grenzüberschreitende Datenflüsse, interoperable Standards etwa bei E-Signaturen oder E-Rechnungen sowie Rechtssicherheit für Cloud-Nutzung sind für viele Unternehmen längst geschäftskritisch.
Auch die Mobilität von Fachkräften müsse erleichtert werden – ausdrücklich nicht nur für akademische Berufe. „Gerade unsere dual ausgebildeten Fachkräfte sind international gefragt. Hier brauchen wir pragmatische und schnelle Verfahren“, betont Treier.
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Veröffentlicht 24.02.2026
Pressekontakt
Julia Fellinger
Pressesprecherin