Die deutschen Gasspeicher hatten Mitte Februar 2026 einen Füllstand von rund 20 Prozent. Das zeigt: Nach den Energiekrisen infolge des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine und des Iran-Kriegs sind Versorgungsengpässe im Winter keine theoretische Gefahr mehr. In einem Impulspapier zeigt die DIHK auf, was zu berücksichtigen ist, um Stabilität für den Winter 2026/27 zu erreichen – und ein grundlegend überarbeitetes System für den Winter 2027/28.
Unter der Überschrift "Gasspeicherpolitik als Baustein der Versorgungssicherheit" analysiert die DIHK
- die aktuelle deutsche Regelung, die gesetzliche Füllstandsvorgaben mit der Rolle des Marktgebietsverantwortlichen kombiniert,
- die Absicherungspflicht, mit der die Versorgungssicherheit in dem tatsächlich erforderlichen Umfang bereitgestellt wird,
- die strategische Gasreserve, außerhalb derer der Marktmechanismen grundsätzlich erhalten bleibt, und die
- regulierte Gasspeicherung (französisches Modell) mit umfassenden regulatorischen Vorgaben.
"Versorgungssicherheit zu wettbewerbsfähigen Preisen muss oberste Priorität haben. Dafür sollte die Gasspeicherbefüllung in Deutschland reformiert werden. Es braucht funktionierende Preissignale und ein europäisch abgestimmtes Vorgehen."
Dr. Sebastian Bolay
-- Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie
Zweistufiger Ansatz empfohlen
Im Ergebnis spricht sich die DIHK für einen zweistufigen Ansatz aus: Zunächst sollte demnach am bestehenden System festgehalten werden. Die Einspeichersaison habe bereits begonnen, kurzfristige Änderungen würden zusätzliche Unsicherheiten erzeugen, so die Begründung. Für den Winter 2027/28 empfiehlt sie, ein marktnahe und europäisch anschlussfähiges System zu etablieren, das auf einem Instrumentenmix aus einer Absicherungspflicht und einer schlank ausgestalteten strategischen Gasreserve basiert.
Die Forderungen der DIHK im Überblick
Das ist nach Auffassung der DIHK zu tun:
- kurzfristig: Beibehaltung der 80-Prozent-Füllstandsvorgabe zum 1. November 2026 – Stabilität vor Systemwechsel
- mittelfristig: Einführung einer Absicherungspflicht für Lieferanten kombiniert mit einer schlank ausgestalteten strategischen Gasreserve – für den Winter 2027/28
- europäisch: EU-weite Koordinierung der Gasspeicherpolitik, da nationale Alleingänge zu kurz greifen
- strukturell: Stärkung von Preissignalen statt dauerhafter staatlicher Markteingriffe
- politisch: Gesetzliche Festlegung der neuen Rahmenbedingungen bis spätestens 31. Dezember 2026
Download
Hier gibt es das komplette Papier zum Download:
Gasspeicherpolitik als Baustein der Versorgungssicherheit (PDF, 304 KB)
- Relevant im Themenfeld:
- Energie
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Veröffentlicht 15.05.2026
Ansprechpartner
Louise Maizières
Referatsleiterin für Wasserstoff und internationale Energiepartnerschaften
Erik Pfeifer
Referatsleiter Betrieblicher Klimaschutz