Der internationale Handel wird für deutsche Unternehmen rauer. Neue Handelskonflikte, wachsende regulatorische Anforderungen und anhaltende geopolitische Spannungen setzen das Auslandsgeschäft zunehmend unter Druck. Das zeigt der DIHK-Außenwirtschaftsreport 2026. Grundlage ist eine Umfrage unter den 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) mit insgesamt rund 382.000 Beratungskontakten pro Jahr.
"Die Risiken im Auslandsgeschäft nehmen spürbar zu", sagt Melanie Vogelbach, Bereichsleiterin für Internationale Wirtschaftspolitik und Außenwirtschaftsrecht bei der DIHK. "Unternehmen müssen sich gleichzeitig auf neue Handelsbarrieren, politische Unsicherheiten und immer komplexere Vorgaben einstellen. Das bindet Ressourcen und bremst die internationale Expansion."
Im Zentrum steht derzeit vor allem die Handelspolitik der USA. Für viele IHKs gehört sie zu den aufwendigsten Beratungsthemen. Häufige Zollanpassungen, unklare Vorschriften und zusätzliche Nachweispflichten sorgen für erhebliche Planungsunsicherheit. "Das US-Geschäft wird für viele Betriebe zunehmend unberechenbar, gerade für kleinere Unternehmen wird der Marktzugang deutlich schwieriger", so Vogelbach.
Auch andere geopolitische Faktoren bleiben prägend. Die Sanktionen gegen Russland erfordern weiterhin intensive Prüfprozesse in den Unternehmen, während gleichzeitig neue Herausforderungen im China-Geschäft entstehen – etwa durch Exportkontrollen und Unsicherheiten in den Lieferketten.
Parallel wächst der Druck durch regulatorische Vorgaben, vor allem aus Brüssel. Ob CO₂-Grenzausgleich, Entwaldungsverordnung oder Sorgfaltspflichten: Viele Unternehmen sehen sich mit komplexen und teils schwer umsetzbaren Anforderungen konfrontiert. "Die Vielzahl an Regelungen überfordert gerade mittelständische Betriebe", sagt Vogelbach. "Oft fehlt es an klaren Verfahren und praktikablen Lösungen."
Digitalisierung sorgt für Tempo – und Entlastung
Fortschritte gibt es bei der Digitalisierung der Außenwirtschaftsprozesse. Seit September 2025 können Ursprungszeugnisse erstmals vollständig digital abgewickelt werden. Bereits 119.000 Exportsendungen wurden bis zum Jahresende über das neue Verfahren ausgestellt. "Das ist ein echter Fortschritt für die Praxis", betont Vogelbach. "Digitale Verfahren sparen Zeit, reduzieren Fehler und erleichtern den Zugang zu internationalen Märkten."
Auch das Carnet-Verfahren wird weiter modernisiert: Ab Mitte 2026 soll die Abwicklung für die EU, die Schweiz, Norwegen und das Vereinigte Königreich per App und QR-Code erfolgen – ein weiterer Schritt hin zu weniger Bürokratie im grenzüberschreitenden Warenverkehr.
Rückläufige Zahlen, steigende Anforderungen
Die Zahl der ausgestellten Ursprungszeugnisse ist 2025 um 4,2 Prozent auf rund 1,03 Millionen gesunken. Gleichzeitig wächst ihre strategische Bedeutung, etwa im Kontext von Zöllen und Handelskonflikten.
Der Befund des Reports ist eindeutig: Weniger Routine, mehr Komplexität. "Internationale Geschäfte bleiben für viele Unternehmen attraktiv – aber sie werden deutlich anspruchsvoller", so Vogelbach. "Damit Deutschland wettbewerbsfähig bleibt, braucht es dringend einfachere und verlässlichere Rahmenbedingungen."
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Die Umfrageergebnisse gibt es hier zum Download:
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Veröffentlicht 04.05.2026
Pressekontakt
Julia Fellinger
Pressesprecherin