Die Insolvenzwelle schwillt weiter an. Im zu Ende gehenden Jahr 2025 vermeldet das Statistische Bundesamt Monat für Monat neue Dekaden-Höchststände bei Unternehmensinsolvenzen. Nach aktuellen Berechnungen muss für das Gesamtjahr mit deutlich mehr als 22.000 Fällen gerechnet werden – das wäre der höchste Wert seit über einem Jahrzehnt. Besonders betroffen sind kleine und mittelgroße Unternehmen mit weniger als 100 Beschäftigten, die vielfach schon länger mit Liquiditätsengpässen kämpfen. Auch im Verarbeitenden Gewerbe steigen die Zahlen spürbar. Die Entwicklung ist kein Randphänomen, sondern greift tief in die Substanz der Breite der Wirtschaft.
Warum die Lage so angespannt ist
Die Ursachen sind klar: anhaltend schwache Konjunktur, zwei Jahre mit Schrumpfung oder Stagnation, dazu hohe Kosten für Energie, Personal und Beschaffung. Hinzu kommt eine teils enorme Bürokratielast, die Betriebe zunehmend Zeit und Ressourcen kostet. Im internationalen Geschäft belasten Unsicherheiten im transatlantischen Handel und eine schwache globale Nachfrage. Besonders energieintensive Industrien leiden unter hohen Standortkosten. Kurz gesagt: Weniger Nachfrage, hohe Kosten, viel Bürokratie und unsichere Rahmenbedingungen – eine Mischung, die die wirtschaftliche Substanz vieler Unternehmen angreift.
Besonders gefährdet: Kleine Betriebe
Die Insolvenzen sind ein später Indikator – wenn Unternehmen diesen Schritt gehen, sind Liquidität und Perspektiven meist schon lange aufgebraucht. Besonders kritisch: Die Masse der kleinen und mittelgroßen Unternehmen gerät zunehmend in Schwierigkeiten. Laut aktueller DIHK-Konjunkturumfrage blicken 30 Prozent der Unternehmen mit weniger als 20 Beschäftigten pessimistisch auf die kommenden Monate. Diese Betriebe machen rund 85 Prozent aller Unternehmen aus und sind entscheidend für Beschäftigung und regionale Wertschöpfung. Wenn sie wegfallen, drohen strukturelle Brüche.
Ausblick: Keine schnelle Entspannung
Kurzfristig sieht die DIHK keine Trendwende. Die Unternehmen melden weiterhin eine verhaltene Geschäftslage, hohe Kosten und viel Unsicherheit. In der aktuellen DIHK-Konjunkturumfrage erwarten 27 Prozent der Betriebe schlechtere Geschäfte, bei kleinen Unternehmen sogar 30 Prozent. Das spricht dafür, dass die Insolvenzzahlen zunächst auf hohem Niveau bleiben. Erst wenn spürbare Entlastungen kommen – etwa bei Stromsteuer, Sozialabgaben und Bürokratie – kann sich die Lage 2026 allmählich verbessern. Die Unternehmen wollen investieren und wachsen, doch sie brauchen dafür Luft.
Mehr zur aktuellen Stimmungslage finden Sie in der DIHK-Konjunkturumfrage.
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Veröffentlicht 17.12.2025
Ansprechpartner
Dr. Marc Evers
Referatsleiter Mittelstand, Existenzgründung, Unternehmensnachfolge