22.04.2026 - „Die Bundesregierung korrigiert ihre Erwartungen nach unten und passt sie damit der bitteren Realität an. Deutschlands Aufschwung ist nicht nur fragil, er ist akut gefährdet. Wenn die Wachstumsprognose für 2026 faktisch halbiert wird, ist das ein Warnsignal für den Standort.
Der Krieg im Nahen Osten verstärkt den Druck auf die Unternehmen nochmal enorm. Stark gestiegene Energiepreise und gestörte Lieferketten treffen eine ohnehin geschwächte Wirtschaft. Schon vor dem Kriegsbeginn litten die Unternehmen unter hohen Standortkosten, strukturellen Defiziten und handelspolitischen KonHelena Melnikov zur Frühjahrsprojektion 2026flikten. Wegen der hohen Kosten am Standort investieren Industrieunternehmen zunehmend im Ausland, aber nicht um Märkte zu erschließen, sondern um Kosten zu sparen. Mit 43 Prozent ist das der höchste Wert seit der Strukturkrise 2003. Der Standort verliert Substanz.
Der Nahost-Konflikt trifft die Breite der Wirtschaft. 83 Prozent der Unternehmen spüren bereits jetzt die negativen Folgen der Krise, besonders Kostensteigerungen und Engpässe bei Öl, Gas, Kraftstoffen sowie Kunststoffprodukten oder Baumaterialien. Das zeigt unsere aktuelle DIHK-Blitzbefragung unter 2400 Betrieben. Die Luft für viele Unternehmen wird immer dünner. Ein weiteres Jahr Stagnation wird immer wahrscheinlicher.
Was jetzt zählt, ist Handlungsfähigkeit. Die Unternehmen brauchen rasch Entlastungen und verlässliche Reformen, um investieren zu können. Energie- und Arbeitskosten sowie die steuerliche Belastung müssen sinken, Bürokratie und Berichtspflichten konsequent abgebaut und Verfahren auf allen Ebenen deutlich beschleunigt werden. Kurzfristige Maßnahmen wie die Senkung der Energiesteuern auf Benzin und Diesel helfen, reichen aber nicht aus. Die Stromsteuer muss endlich auf das europäische Mindestmaß runter, die Unternehmenssteuern sollten früher und entschiedener sinken. Investieren und Bauen müssen einfacher und deutlich schneller möglich sein.
Die Reformvorschläge liegen auf dem Tisch, auch bei den sozialen Sicherungssystemen. Die Politik braucht jetzt den Mut für eine beherzte Umsetzung. Deutschland kann sich ein weiteres Jahr Stillstand nicht leisten.“
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Veröffentlicht 22.04.2026
Aktualisiert 23.04.2026
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Sven Ehling
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