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Neue Dynamiken nutzen: Was 2026 Deutschlands Innovationskraft bestimmt

Das laufende Jahr könnte zum Wendepunkt für Deutschlands Innovationskraft werden – vorausgesetzt, es gelingt der Bundesregierung, ihre innovationspolitischen Vorhaben konsequent umzusetzen. Denn noch bremsen zögerliche Entscheidungen, fehlende Planungssicherheit und Bürokratie die Betriebe aus.

Innovationen entscheiden maßgeblich darüber, wie wettbewerbsfähig Deutschland in den kommenden Jahren sein wird. Sie zu stärken, ist eine gemeinsame Herausforderung für Wirtschaft, Wissenschaft und Politik.

Bislang fehlt es an Schwung: Viele von der Bundesregierung angekündigte innovationspolitische Vorhaben kommen nicht in dem Tempo voran, das im globalen Wettbewerb notwendig wäre. Gleichzeitig fallen aktuell auch die geplanten Investitionen der Unternehmen in neue Produkte, Dienstleistungen oder Geschäftsmodelle unterdurchschnittlich aus. Immer drängender stellt sich daher die Frage, wie Deutschland sein Potenzial als Innovationsstandort besser ausschöpfen und 2026 zu einem Aufbruchsjahr für Zukunftstechnologien machen kann.

Eine Agenda zwischen Anspruch und Stillstand

Das Bundesforschungsministerium hat im vergangenen Jahr die "Hightech Agenda Deutschland" vorgestellt. Sie soll die Innovationsgeschwindigkeit hierzulande erhöhen und Wertschöpfungsketten in sechs Schlüsseltechnologien sowie fünf strategischen Forschungsfeldern stärken. Ein politisch ambitioniertes Vorhaben, schließlich müssen nicht nur erhebliche finanzielle Mittel mobilisiert, sondern gleichzeitig auch strukturelle Veränderungen in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung angestoßen werden.

Damit die Hightech Agenda Wirkung entfalten kann, brauchen die Unternehmen Planungssicherheit. Deshalb müssen Bundesregierung und Parlament für alle Vorhaben zügig Klarheit über die Finanzierung schaffen. Auch die Bundesländer stehen in der Verantwortung, sich konstruktiv in die fachliche Ausgestaltung der Innovationsstrategie einzubringen.

Das Forschungsministerium wiederum sollte seine koordinierende Rolle entschlossen wahrnehmen und die Beteiligten frühzeitig zusammenbringen. Wichtig ist jetzt, einen klar strukturierten Fahrplan zu erarbeiten – transparent, akteursoffen und mit klaren Meilensteinen. Nur so kann die Agenda zu dem strategischen Innovationsimpuls werden, den die Wirtschaft hierzulande dringend braucht.

Wie nötig ein solcher Anstoß ist, spiegelt die aktuelle DIHK-Digitalisierungsumfrage: Etliche Unternehmen sprechen sich dafür aus, dass Schlüsseltechnologien und Sprunginnovationen stärker politisch unterstützt werden sollten, um die digitale und technologische Souveränität der deutschen Wirtschaft zu verbessern. Die Betriebe fordern also ein entschlosseneres Handeln aktiv ein.

Ambitionierte Dachmarke, unklare Basis

Als Teil der Hightech Agenda soll die im Koalitionsvertrag angekündigte Dachmarke "Initiative Forschung und Anwendung" dazu beitragen, dass Forschungsergebnisse schneller in die Anwendung gelangen.

Die rund 140 Innovations- und Technologieberaterinnen und -berater der 79 Industrie- und Handelskammern unterstützen bereits heute intensiv den Innovations- und Technologietransfer vor Ort und schlagen regional viele Brücken zwischen Wirtschaft und Wissenschaft. Damit für Unternehmen ein echter Mehrwert entsteht, benötigt die geplante Dachmarke daher ein klares Konzept: Sie muss Innovationsakteure technologieoffen stärken, einen spürbaren Bürokratieabbau bewirken und den Mut zu neuen Förderformaten mitbringen.

Real wird es erst mit Reallaboren

Auch bei der Schaffung von Experimentierräumen braucht es dringend Fortschritte. Reallabore ermöglichen es, Innovationen zeitlich befristet, lokal eingegrenzt und unter erleichterten regulatorischen Bedingungen zu testen. So lassen sich neue Produkte, Verfahren und Dienstleistungen schneller praktischer umsetzen. Auf Bundes- und EU-Ebene sind bereits Anpassungen geplant, um solche Vorhaben zu unterstützen. Unnötige Bürokratie im Testverfahren kann auf diese Weise vermieden werden. Zugleich erleichtern Reallabore den Wissenstransfer zwischen Wirtschaft und Wissenschaft.

Allerdings muss die Wirtschaft noch immer auf das deutsche Reallabore-Gesetz warten. Für Unternehmen, die unter hohem Innovations- und Transformationsdruck stehen, werden solche politischen Unsicherheiten zunehmend zu einem Risiko. Ohne eine klare innovationspolitische Strategie drohen zentrale Vorhaben in Forschung, Entwicklung und Transfer weiter ausgebremst zu werden – mit Folgen für Investitionen, Wertschöpfung und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Gelingt es, diese politischen Vorhaben jetzt entschlossen umzusetzen, kann 2026 jedoch zu einem Jahr werden, in dem Deutschland seine Innovationspotenziale tatsächlich hebt. So eröffnen sich auch Chancen, im internationalen Wettbewerb wieder ganz vorne mitzuspielen.

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Ansprechpartner

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Lukas Littmann

Referatsleiter Innovationspolitik

Gewinnus, Susanne_test

Dr. Susanne Gewinnus

Referatsleiterin Industrie- und Forschungspolitik