Die Erhebung unter knapp 5.000 Unternehmen aller Branchen macht deutlich, dass sich die Betriebe in Sachen Digitalisierung oder Cyberabwehr grundsätzlich solide aufgestellt sehen. Sie zeigt aber auch den Handlungsbedarf bei den Rahmenbedingungen: Ohne Bürokratieabbau etwa beim Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) oder Maßnahmen zur Stärkung der digitalen Souveränität wird es für die Wirtschaft zunehmend schwierig, Risiken zu begegnen und Chancen zu nutzen.
Zentrale Ergebnisse der Umfrage
- Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit behalten Unternehmen bei der Digitalisierung den Anschluss
- KI ist als Produktivitätsfaktor in den Unternehmen angekommen
- Gigabit-Ausbau schreitet voran: Anteil der versorgten Unternehmen plus 5 Prozent zum Vorjahr
- Öffentliche Verwaltung hemmt die digitale Transformation der deutschen Wirtschaft
- Cybersicherheit: Bedrohungslage bleibt sehr hoch, Krisenvorsorge ausbaufähig
- Digitale Souveränität braucht offene Schnittstellen & Standards, Kompetenzen und Open Source
Digitalisierung auf solidem Niveau
Die deutsche Wirtschaft hält bei der Digitalisierung Schritt. Mit einer durchschnittlichen Bewertung von 2,8 bleibt der Digitalisierungsgrad in den Betrieben auf solidem Niveau.
Twitter brauchte 2006 zwei Jahre für eine Million Nutzer, ChatGPT 2022 fünf Tage: Geschwindigkeit und Entwicklungszyklen haben rasant zugenommen – Potenziale und Chancen von digitalen Innovationen auch. Zusätzlich sind die Unternehmen mit schwierigen Marktlagen konfrontiert. Das bedeutet: Die Unternehmen verlieren nicht den Anschluss – sie holen aber auch nicht auf. Ein gewisser digitaler Reifegrad, etwa mit Blick auf strukturierte Prozesse oder ein funktionierendes Datenmanagement, ist Grundlage für die Implementierung innovativer digitaler Anwendungen.
Die Digitalisierung hilft Unternehmen, aktuellen Herausforderungen zu begegnen: hohe Energiepreise, geopolitische Unsicherheiten, steigende Kundenanforderungen. Betriebe digitalisieren in erster Linie, um (Arbeits-)Prozesse effizienter zu gestalten und um die Qualität ihrer Produkte zu verbessern.
Trotz des schwierigen Umfelds nutzen mehr als ein Drittel der Unternehmen die Digitalisierung, um innovative Produkte, Dienstleistungen oder neue Geschäftsmodelle zu entwickeln.
Digitale Transformationsprojekte sind aufwendig und erfordern viel Zeit und Geld. Häufig sind sie sehr komplex, da interne Prozesse reorganisiert und die Mitarbeitenden mitgenommen werden müssen. Die Aufmerksamkeit für Sicherheitsrisiken ist bei den Unternehmen gegenüber dem Vorjahr gestiegen – von 34 auf 37 Prozent.
Wettbewerbsfaktor KI
Künstliche Intelligenz ist in den Unternehmen angekommen – und das über Standardanwendungen hinaus. Am häufigsten wird generative KI zur Erstellung von Texten, Bildern oder Codes genutzt (78 Prozent), gefolgt von Anwendungen für personalisierte Kundenansprache und Kundensupport (43 Prozent) sowie für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung (38 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr nimmt der Einsatz von KI für Qualitätssicherung und Prozessüberwachung deutlich zu. Auch die Entwicklung und Optimierung von Produkten gewinnt an Bedeutung, insbesondere in der Informations- und Kommunikationsbranche sowie in der Industrie.
Branchen setzen KI sehr unterschiedlich ein: Im Gastgewerbe (62 Prozent) und Handel (53 Prozent) liegt der Schwerpunkt auf personalisierter Kundenansprache, während die Finanzwirtschaft KI verstärkt für Risikoanalysen nutzt (41 Prozent). Um auch die Unternehmen zu adressieren, die KI-Anwendungen nicht im Einsatz haben oder den Einsatz planen, braucht es gezielte Unterstützungsangebote bezüglich des digitalen Reifegrads. KI wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor – insbesondere vor dem Hintergrund hoher Standortkosten in Deutschland.
Mehr als jedes dritte Unternehmen, das KI bereits nutzt oder deren Einsatz in den kommenden drei Jahren plant, erwartet einen starken Einfluss auf die eigene Produktivität. Unter den Unternehmen, die KI schon heute praktisch einsetzen, bewerten sogar 41 Prozent den Produktivitätseffekt als hoch. Der Einsatz der Technologie wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor.
In der Informations-/Kommunikationsbranche (49,7 Prozent) und der Finanzwirtschaft (46,4 Prozent) wird der Einfluss von KI am höchsten eingeschätzt, während Industrie, Handel, Bau und Gastgewerbe vor allem moderate Effekte sehen. Die Unterschiede in der Einschätzung des KI-Einflusses auf die Produktivität können auf die unterschiedlichen Ausgangsbedingungen und Geschäftsmodelle der Branchen zurückgeführt werden.
In Bereichen wie Information/Kommunikation und Finanzwirtschaft sind digitale Prozesse und datengetriebene Entscheidungen bereits stark etabliert. Hier kann KI unmittelbar an bestehende Systeme anknüpfen und schneller spürbare Effizienzgewinne bringen – etwa durch Automatisierung, intelligente Datenanalyse oder personalisierte Services. In Branchen wie Industrie, Handel, Bau und Gastgewerbe sind die Potenziale ebenfalls groß, aber die Umsetzung ist oft komplexer, da physische Prozesse, Lieferketten oder Kundeninteraktionen integriert werden müssen.
Rechtliche Unsicherheiten bleiben die größte Herausforderung für Unternehmen bei der Datennutzung. Fehlendes Know-how, eingeschränkter Zugang zu Daten Dritter und Kosten werden im Vergleich zum Vorjahr seltener als Hemmnis genannt, während die Datenqualität 2025 etwas stärker in den Fokus rückt.
Über alle Branchen hinweg sind Datenschutz und technische Hemmnisse die zentralen Themen bei der Datennutzung. Technische Hürden wie zum Beispiel Datensilos, fehlende Infrastruktur oder Software, stehen in Zusammenhang mit dem Digitalisierungsgrad und nehmen mit wachsender Reife ab.
Infrastruktur ausbauen, Verwaltung digitalisieren
Die Digitalisierung der Unternehmen hängt entscheidend davon ab, wie schnell Glasfasernetze bis in die Gebäude ausgebaut werden und moderne Mobilfunknetze flächendeckend verfügbar sind. Die zunehmende Nutzung von Cloud-Diensten und künstlicher Intelligenz erhöht den Bedarf an hoher Bandbreite weiter.
Bereits 60 Prozent der Unternehmen, die dazu Angaben machen können (ein Viertel kann das nicht), verfügt über einen Internetanschluss von mindestens 1 Gbit/s. So gut wie alle dieser Betriebe sehen ihren Bedarf damit gedeckt. Der Anteil der Unternehmen, die über einen Gigabitanschluss verfügen, ist damit gegenüber dem Vorjahr um 5 Prozent gestiegen.
Der Netzausbau wird in der Regel von privaten Anbietern im Wettbewerb vorangetrieben, stößt jedoch auf Hindernisse: Hohe Baukosten und langwierige, nicht durchgängig digitalisierte Genehmigungsverfahren der öffentlichen Hand bremsen den Fortschritt.
Die Fortschritte bei der Digitalisierung der Verwaltung kommen bislang kaum bei den Unternehmen an. Die Unternehmen geben der Verwaltung die Schulnote 4 minus – eine Leistung, die gerade noch die Anforderungen erfüllt, aber deutliche Mängel aufweist. Wenn die öffentliche Hand nicht mit der digitalen Entwicklung in Unternehmen Schritt hält, hat das negative Folgen für die Standortqualität und damit für die Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft. Ein Beispiel ist der Ausbau von Glasfaser- und Mobilfunknetzen, der durch langwierige Genehmigungsverfahren häufig ins Stocken gerät. Bund, Länder und Kommunen müssen dringend ihre Strukturen modernisieren und sich zukunftsfähig aufstellen.
Damit die öffentliche Hand an der Innovationskraft der Privatwirtschaft teilhaben kann, müssen grundlegende technische Architekturfragen und föderale Bremsen gelöst werden. Ein reformiertes Vergaberecht sollte den Zugang von Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen zu öffentlichen Aufträgen erleichtern. Im Hinblick auf gesamtstaatliche Resilienz sollte die öffentliche Verwaltung zudem ihre Nachfragemacht stärker nutzen, um souveräne Lösungen im digitalen Ökosystem zu unterstützen.
Wider den Cyberstress
Die größere Angriffsfläche durch die weiter voranschreitende Digitalisierung, die geopolitische Lage und die weitere Professionalisierung der Angriffe unter anderem durch künstliche Intelligenz sind dafür verantwortlich, dass die Bedrohungslage insgesamt sehr hoch bleibt. Die Industrie und der Bereich Verkehr, Transport und Lagerei sind ganz besonders im Fokus der Angreifer. Cybersicherheit bleibt insbesondere für mittlere und größere Unternehmen ein besonders kritischer Faktor. Kleinere Unternehmen sind zwar noch weniger betroffen, tragen aber ebenfalls ein relevantes Risiko.
Die Anzahl erheblicher Cybervorfälle ist im Vergleich zum Vorjahr gleich geblieben und bei den größeren Unternehmen sogar gesunken. Der Wirtschaft gelingt es scheinbar, sich besser zu schützen. Der merkliche Rückgang bei den größeren Unternehmen könnte auf verbesserte Sicherheitsmaßnahmen und eine erhöhte Beurteilungskompetenz in Bezug auf erhebliche Sicherheitsvorfälle sowie die Erfüllung regulatorischer Vorgaben hindeuten. Die IKT-Branche hat am wenigsten Vorfälle zu beklagen – die berufsmäßige Vorsorge zahlt sich offenbar aus.
Insgesamt zeigt sich: Unternehmen setzen auf Prävention, aber die Vorbereitung auf den Ernstfall ist noch ausbaufähig, insbesondere bei Unternehmen mit weniger als 250 Beschäftigten. Mittlere und große Unternehmen sind sehr gut aufgestellt. Industrie und Finanzwirtschaft haben in der Breite die meisten Maßnahmen umgesetzt, genauso wie die IKT-Branche selbst.
Technische Basismaßnahmen wie Backups, Updates und Identitätsmanagement sind weit verbreitet, während proaktive organisatorische Maßnahmen wie Penetrationstests, Notfallübungen oder das übungsmäßige Wiedereinspielen von Backups deutlich unterrepräsentiert bleiben.
Angesichts des hohen Kostendrucks und vieler Herausforderungen müssen die Unternehmen dranbleiben und Cybersicherheitsmaßnahmen weiter Priorität einräumen. Vor allem die Krisenvorsorge im Sinne von Resilienz bedarf weiterer Anstrengungen, damit der Betrieb nach einem Angriff schnell wieder aufgenommen werden kann und die Schäden begrenzt bleiben.
Mehr Unabhängigkeit nötig
Bedenklich: Die Unternehmen sehen sich in nahezu allen Bereichen deutlich von Nicht-EU-Ländern abhängig. Besonders hoch beurteilen sie die Abhängigkeit bei Hardware und Betriebssystemen, wo sich jeweils rund 46 Prozent als vollständig abhängig betrachten. Die deutsche Wirtschaft sieht deshalb dringenden politischen Handlungsbedarf.
Die Betriebe fordern von der Politik vor allem die Schaffung verlässlicher Rahmenbedingungen für die digitale Transformation. Dies ist aus den mehr als 400 Freitext-Antworten deutlich ablesbar. Durch generellen Bürokratieabbau und eine innovationsorientierte Regulierung sollen den Unternehmen mehr Handlungsfreiräume ermöglicht werden.
Nach Ansicht der Unternehmen tragen vor allem die Unterstützung gemeinsamer offener Schnittstellen und Standards, eine bessere Vermittlung digitaler Kompetenzen an Schulen und anderen staatlichen Bildungseinrichtungen sowie die Förderung von Open-Source-Lösungen zur Stärkung der digitalen Souveränität bei. Ergänzend wird eine gezielte Förderung von Schlüsseltechnologien und Sprunginnovationen sowie der Ausbau von Rechenzentrums- und Infrastrukturkapazitäten verlangt.
Endlich mal machen!
In den Freitext-Antworten wird neben einer gezielten Unterstützung eigener europäischer Lösungen vor allem eine souveräne nutzerorientierte Verwaltungsdigitalisierung auf Basis privatwirtschaftlicher Lösungen betont. Weitere Themen sind der Ausbau von Glasfaser- und Energienetzen und IT-Sicherheit – verbunden mit dem klaren Appell: Endlich mal machen!
Forderungen der Wirtschaft
- Digitalisierung
Ein gewisser digitaler Reifegrad ist Voraussetzung für die Anwendung und Implementierung digitaler Innovationen. Insbesondere einige kleinere Unternehmen benötigen gezielte Unterstützungsangebote zur Erhöhung ihres digitalen Reifegrads. Entsprechende Unterstützungsangebote von EU, Bund und Ländern – wie die Mittelstand-Digital Zentren oder die European Digital Innovation Hubs – sollten passgenau weiterentwickelt werden.
- KI & Daten
Der Einsatz von KI wird zunehmend zum Wettbewerbsfaktor. Damit Unternehmen KI-Lösungen implementieren und Daten nutzen können, brauchen sie klare und rechtssichere Rahmenbedingungen. Es sollte sichergestellt werden, dass der rechtliche Rahmen innovationsfreundlich, konsistent und kohärent ist, um bürokratischen Aufwand zu minimieren und Doppelverpflichtungen sowie Regelungskonflikte auszuschließen.
- Netzausbau
Der Ausbau der Glasfaser- und Mobilfunknetze wird häufig durch langwierige, nicht durchgängig digitalisierte Genehmigungsverfahren der öffentlichen Hand verzögert. Bund, Länder und Kommunen müssen dringend ihre Strukturen modernisieren und sich zukunftsfähig aufstellen.
- Moderne Verwaltung
Eine vollständig digitalisierte Verwaltung ist ein zentraler Baustein für den Fortschritt. Unternehmen brauchen durchgängig digitale und unkomplizierte Verfahren. Dafür sollte die öffentliche Hand ein plattformbasiertes Verwaltungsökosystem aufbauen, das effizient arbeitet und gleichzeitig das Innovationspotenzial der Privatwirtschaft einbindet.
- Cybersicherheit
Im Bereich Cybersicherheit braucht es einen laufenden Verbesserungsprozess. Entscheidend sind eine engere Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft sowie passgenaue Unterstützungsangebote, die den unterschiedlichen Bedürfnissen der Unternehmen gerecht werden.
- Digitale Souveränität
Im Hinblick auf digitale Souveränität wünschen sich die Unternehmen vor allem verlässliche politische Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine innovationsfreundliche Regulierung. Priorität sollte offenen Schnittstellen und Standards, digitaler Bildung und der Förderung von Open‑Source eingeräumt werden sowie Investitionen in Schlüsseltechnologien, Rechenzentren und Infrastruktur. Durch ein reformiertes Vergaberecht sollte der Zugang von Start-ups sowie kleinen und mittleren Unternehmen zu öffentlichen Aufträgen erleichtert werden. Die öffentliche Verwaltung sollte ihre Nachfragemacht in einem Digital-Ökosystem mit souveränen Lösungen stärker ausspielen.
Download
Alle Grafiken gibt es hier auch im PDF-Format:
DIHK-Digitalisierungsumfrage 2026 (PDF, 865 KB)
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- Cybersicherheit
Veröffentlicht 28.01.2026
Ansprechpartner
Arian Siefert
Referatsleiter Wirtschaft digital
Dr. Katrin Sobania
Referatsleiterin Informations- und Kommunikationstechnologie | E-Government | Postdienste | IT-Sicherheit