Menschen arbeiten an Statistiken

Jahresanalyse: EU ringt weiter um mehr Innovationsdynamik

In ihrem jährlichen Binnenmarkt-Bericht sieht die Europäische Kommission beim Thema Innovation Fortschritte bei der Forschung – Unternehmen stoßen bei Skalierung, Digitalisierung und Fachkräften aber noch an Grenzen.

Der aktuelle Binnenmarktbericht 2026 der EU-Kommission zeichnet im Kapitel "Closing the Innovation Gap" (Schließen der Innovationslücke) mit Blick auf Forschung und Innovation ein gemischtes Bild. Zwar verfügt die EU über starke wissenschaftliche Grundlagen, gut ausgebildete Fachkräfte und eine wachsende Zahl an Start-ups, doch zentrale Innovationsindikatoren stagnieren. Die Forschungs- und Entwicklungsinvestitionen (F&E) liegen weiterhin bei 2,2 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit deutlich unter dem EU-Ziel von drei Prozent. 

Zum Vergleich: Deutschlands F&E-Investitionen liegen weiterhin über 3 Prozent des BIP und somit deutlich über dem EU-Durchschnitt. Besonders ins Gewicht fällt dabei aus Sicht europäischer Unternehmen, dass private F&E-Investitionen – etwa in digitale Technologien – hinter internationalen Wettbewerbern zurückbleiben und sich Patentanmeldungen zuletzt kaum dynamisch entwickelt haben.

Für innovative Unternehmen bleibt vor allem der Weg von der Forschung in den Markt schwierig. Trotz jährlich tausender Neugründungen entstehen in Europa deutlich weniger schnell wachsende Technologieunternehmen als in den USA. Gründe sind laut Kommission unter anderem fragmentierte Regulierung, hoher Verwaltungsaufwand und begrenzter Zugang zu Wachstumskapital. Während die EU bei grünen Technologien sowie in Gesundheit und Biotechnologie gut aufgestellt ist, besteht bei digitalen Schlüsseltechnologien weiterhin eine hohe Abhängigkeit von externen Anbietern.

Auch die Digitalisierung der Wirtschaft kommt nur schleppend voran. Zwar steigt der Einsatz von künstlicher Intelligenz, Cloud-Lösungen und Datenanalysen, insbesondere bei großen Unternehmen, doch kleine und mittlere Unternehmen hinken deutlich hinterher. Das gefährdet Produktivitätsgewinne, die laut Kommission erheblich wären. Hinzu kommen wachsende Fachkräfte- und Kompetenzengpässe: Rund 80 Prozent der Unternehmen sehen sie als zentrales Hemmnis für Investitionen und Wachstum. In ihrem Binnenmarktbericht unterstreicht die Kommission daher die Bedeutung von Qualifizierung, beruflicher Bildung und der gezielten Gewinnung internationaler Fachkräfte, um Europas Innovationslücke nachhaltig zu schließen.

Ansprechpartner

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Lorenz Kramer

Referatsleiter Wirtschaft in Europa