So gut es ist, dass jetzt eine Reform in Angriff genommen wird: Sie darf nach Auffassung der DIHK nicht dazu führen, dass Zollstellen geschlossen, Gebühren erhöht und Betriebe nicht eingebunden werden, kurz: dass mehr Bürokratie entsteht statt weniger. Die geplante Stärkung der Führungsstrukturen, mehr nationale und internationale Zusammenarbeit sowie den Ausbau der Digitalisierung sind dagegen positiv zu bewerten.
Besonders kritisch sieht die DIHK die Pläne, kleinere Zollämter zu streichen. Für Unternehmen im ländlichen Raum hieße das: längere Wege und Wartezeiten. Denn: Wer frische Lebensmittel oder Medikamente exportiert oder importieren, kann sich Verzögerungen nicht leisten. Auch die Industrie mit Just-in-time-Produktion gerät dadurch unter Druck.
Für bedenklich hält die DIHK zudem zusätzliche Gebühren für zollseitige Dienstleistungen: Das würde gerade kleine und mittlere Unternehmen belasten, die ohnehin schon mit hohen Kosten kämpfen. Staatliche Gebührenpolitik würde ihre Wettbewerbsfähigkeit noch weiter gefährden. Zudem gilt, dass Unternehmen die Zollpraxis je nach Standort teilweise sehr unterschiedlich erleben. Während Anträge an manchen Orten zügig bearbeitet werden, dauert es andernorts deutlich länger.
Die DIHK mahnt deshalb verlässliche Standards an – zumal auch die internen Abläufe oft schwerfällig und uneinheitlich seien. Wenn Entscheidungen je nach Behörde unterschiedlich ausfielen und Prozesse komplizierter statt einfacher würden, konterkariere das die Modernisierungsidee, kritisiert sie.
Echte Digitalisierung nötig
Die Reformstrategie wurde zwar schon 2024 gestartet – bislang jedoch ohne ausreichende Einbindung der Wirtschaft. Damit tragfähige Lösungen entstehen können, müssen Unternehmen von Anfang an mitreden können, stellt die DIHK klar.
Nachholbedarf sieht sie vor allem bei der Digitalisierung. Das geplante Zollportal dürfe kein bloßer digitaler Briefkasten bleiben, sondern müsse zu einem echten Cockpit werden – mit einem einzigen Zugang, klaren Fristen und Schnittstellen zu europäischen Systemen wie dem geplanten EU-Data-Hub. Nur so haben Unternehmen Investitionssicherheit.
Stellungnahme 2025
Wie die Zollstrategie 2030 mit mehr Transparenz, Beteiligung der Wirtschaft und klaren Verbesserungen für die Praxis zum Meilenstein werden kann, hat die DIHK in ihrer Stellungnahme von August 2025 zusammengefasst:
Strategie "Zoll 2030" des Bundesministeriums der Finanzen (PDF, 176 KB)
DIHK-Ideen für weniger Bürokratie
Konkrete Vorschläge zum Bürokratieabbau im Zoll unterbreitet die DIHK in einem Ideenpapier, das hier in einer Lang- und einer Kurzfassung abrufbar ist:
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- Zoll
- Außenwirtschaft
Veröffentlicht 29.08.2025
Aktualisiert 27.01.2026
Ansprechpartner
Steffen Behm
Referatsleiter Zoll
Sven Ehling
Pressesprecher | Visuelle Kommunikation