Peter Adrian_Reaktion

Rentenreform: "Entscheidend ist die konkrete Ausgestaltung"

DIHK-Präsident Peter Adrian zu den Reformvorschlägen, die die Rentenkommission der Bundesregierung am 23. Juni überreicht hat

23.06.2026 Die Vorschläge der Rentenkommission markieren wichtige Schritte auf dem Weg zu einer überfälligen Reform unseres Rentensystems. Die Wirtschaft leistet bei der Alterssicherung einen enormen Beitrag und ist deshalb sehr auf ein tragfähiges System angewiesen, das als gesamtgesellschaftliche Aufgabe auch den Standort stabilisiert. Für ein nachhaltig finanziertes Rentensystem brauchen wir aber nicht nur isolierte Reformschritte, sondern auch eine Wirtschaft, die wieder auf den Wachstumspfad kommt. Beides gehört zusammen.

Im Interesse aller Beteiligten dürfen notwendige Reformen nicht weiter verschleppt werden. Der vorliegende Maßnahmenmix trägt den Herausforderungen des demografischen Wandels Rechnung und soll die Finanzierung der gesetzlichen Rentenversicherung langfristig sichern. Die Orientierung an mehr Kapitaldeckung ist grundsätzlich der richtige Weg. Entscheidend ist jedoch die konkrete Ausgestaltung. Denn schon jetzt ist die hohe Abgabenbelastung deutscher Arbeitsplätze einer der Gründe, warum unser Standort im weltweiten Wettbewerb ins Hintertreffen geraten ist. Mit den vorgesehenen zwei Prozentpunkten zusätzlicher Beitragssatz für die gesetzliche Kapitalrente würde die Gesamtbelastung mit Sozialabgaben auf deutlich mehr als 40 Prozent steigen. Wir müssen aber in die andere Richtung, wieder verlässlich unter 40 Prozent. Denn oberhalb dieser Schwelle bewegen wir uns weiter im Teufelskreis zwischen steigenden Beiträgen, sinkender Investitionskraft und schwindender Beschäftigung. Das ist einer der Gründe, warum wir an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, statt sie zurückzugewinnen.

Aus Sicht der Unternehmen ist insbesondere der Stopp der Frühverrentung ein wichtiges Signal zur Bekämpfung des Fachkräftemangels. Hier geht es jedes Jahr um 250.000 Menschen, die dem Arbeitsmarkt erhalten bleiben. Das entlastet alle Beitrags- und Einzahler zugleich immerhin um zehn Milliarden Euro jährlich. Sinnvoll sind die vorgeschlagenen Verbesserungen, um Härtefälle abzufedern. So bleibt die Reform sozial verantwortbar und ökonomisch konsequent.

Auch wenn der Reformdruck enorm ist und das Zeitfenster für ein austariertes Gesamtpaket genutzt werden muss, kommt es jetzt auf gründliche, praxisnahe und nachhaltige Gesetzesarbeit an: Wer die Minijobs in aktueller Form abschaffen will, muss zugleich sinnvolle Alternativen für flexible Zusatz- und Mehrarbeit schaffen. Viele Betriebe etwa im Gastgewerbe und Handel sind existentiell auf flexible Beschäftigungsformen angewiesen, etwa für Sonderschichten in Saisonspitzen oder bei kurzfristigen Personalengpässen. Eine vollständige Verbeitragung würde diese Branchen unmittelbar treffen, in denen die Personalnot ohnehin am größten ist. Das sozialpolitische Anliegen, insbesondere der Schutz von Frauen vor Altersarmut, nehmen wir ernst, aber die Antwort muss differenzierter sein als ein abruptes Ende der bisherigen Mini-Jobs. Hier müssen neue kreative Lösungen wie etwa die Aktivrente in vergleichbarer Weise bei anderen Fallkonstellationen möglich sein – auch als Mittel gegen Schwarzarbeit. 

Wichtig sind zudem tragfähige Konzepte bei der Altersvorsorge für Selbstständige. Eine Absicherungspflicht für künftige Selbstständige kann sinnvoll sein, um spätere Belastungen der Allgemeinheit auszuschließen. Allerdings darf damit unternehmerisches Engagement nicht ausgebremst werden. Deshalb kommt es auch hier sehr auf die konkrete Ausgestaltung an. Erforderlich sind unter anderem Schonzeiten für Existenzgründer, unbürokratische Verfahren zur Beitragsberechnung und -zahlung sowie die Möglichkeit, bei Nachweis einer eigenen Vorsorge die Mitgliedschaft in der gesetzlichen Rentenversicherung unbürokratisch zu ersetzen. Eine Pflichtmitgliedschaft ohne Opt-Out-Option lehnen wir ab.“

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Dominik Ohlig

Pressesprecher – Chef vom Dienst