Reaktion von Volker Treier

Ukraine-Wiederaufbau: Aus Interesse müssen Investitionen werden

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier zur Ukraine Recovery Conference am 25./26. Juni 2026 in Danzig

24.06.2026 - „Mehr als vier Jahre nach Beginn der russischen Vollinvasion beweist die Ukraine auch wirtschaftlich eine bemerkenswerte Widerstandskraft. Trotz der enormen Belastungen funktionieren Wirtschaft und Verwaltung weiterhin vergleichsweise gut. Das Interesse vieler deutscher Unternehmen an der Ukraine ist weiterhin sehr hoch. Damit aus Interesse aber mehr Handel und Investitionen werden, müssen die Rahmenbedingungen weiter verbessert werden. 

Erstens brauchen Unternehmen geeignete Möglichkeiten zur Finanzierung und Absicherung ihrer Projekte. Die Nachfrage nach Investitions- und Exportkreditgarantien ist hoch, die tatsächlichen Volumina bleiben jedoch hinter den Möglichkeiten zurück. Gerade unter Kriegsbedingungen sind verlässliche Instrumente, eine adäquate staatliche Teilabsicherung und ein breiter Zugang zu Finanzierungen entscheidend. 

Zweitens kommt es darauf an, die Reformen und die Annäherung der Ukraine an die Europäische Union konsequent voranzutreiben. Mehr Rechtssicherheit, weniger Bürokratie und eine schnellere Übernahme des europäischen Regelwerks schaffen Vertrauen und Planungssicherheit – und verbessern so die Voraussetzungen für eine wirtschaftliche Zusammenarbeit auf Augenhöhe. 

Drittens sollten erfolgreiche Modelle der deutsch-ukrainischen Zusammenarbeit im Verteidigungssektor auf weitere Bereiche übertragen werden. Dort, wo gemeinsame Projekte pragmatisch organisiert und Beschaffungsprozesse beschleunigt werden, entstehen schneller konkrete Ergebnisse. Dieses Prinzip sollte auch im Energie- und Infrastrukturbereich stärker genutzt werden. 

Der Wiederaufbau der Ukraine ist weit mehr als eine Frage der Solidarität. Er bietet durch die Vernetzung von Unternehmen die Chance, Europas Nachbarschaft wirtschaftlich enger zu verzahnen und die deutsch-ukrainischen Beziehungen auf ein neues wirtschaftliches Fundament zu stellen. Gerade in Bereichen wie Energie, Digitalisierung, Agrarwirtschaft und Verteidigung liegen konkret erschließbare Potenziale. Die Ukraine Recovery Conference zeigt: Der Wiederaufbau der Ukraine ist eine gemeinsame wirtschaftliche Chance für Europa.“ 

Hintergrund

Auf der Ukraine Recovery Conference (URC) am 25. und 26. Juni in Danzig beraten Regierungen, internationale Organisationen und Unternehmen über den Wiederaufbau und die wirtschaftliche Zukunft der Ukraine. Die DIHK bringt dabei die Perspektive der deutschen Wirtschaft ein. 

Trotz des anhaltenden Krieges bleibt das Interesse deutscher Unternehmen hoch. Nach Angaben der AHK Ukraine sind weiterhin zahlreiche deutsche Unternehmen vor Ort aktiv. Besondere Chancen liegen in den Bereichen Energie, Infrastruktur, Agrarwirtschaft, Digitalisierung, Maschinenbau und Verteidigung. Mehr als 280 Unternehmen sind im Netzwerk der AHK Ukraine organisiert. 

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Julia Fellinger

Pressesprecherin