Der Gesetzgeber plant mit dem sog. „Wehrdienst-Modernisierungsgesetz“ (WDModG) die Einführung eines neuen freiwilligen Wehrdienstes, um die personelle und strukturelle Verteidigungsfähigkeit Deutschlands zu stärken. Für Unternehmen ergeben sich daraus neue Herausforderungen: Mitarbeitende können für Wehrdienst oder Musterungen freigestellt werden, ihre Ausbildung für den Wehrdienst unterbrechen. Insgesamt dürfte sich der Wettbewerb um Fachkräfte durch einen attraktiveren Dienst verschärfen. Gleichzeitig eröffnet das Gesetz Potenziale für die Weiterbildung junger Menschen, die nach dem Wehrdienst mit mehr Qualifikationen auf den Arbeitsmarkt zurückkehren.
Das Wichtigste Kürze
- WDModG zielt auf personelle Aufstockung der Bundeswehr.
- Fachkräftemangel in Wirtschaft
und öffentlichem Dienstkann sich verschärfen. - Wiedereinführung der Musterung ab 2027; neue Wehrdienstmodelle für Männer.
- Freistellung von Mitarbeitenden kann betriebliche Abläufe beeinflussen.
- Bildungsförderung und Fahrerlaubnis-Zuschüsse sollen Wehrdienst attraktiv machen.
Hintergrund
Die geopolitische Lage, verschärft durch den Krieg in der Ukraine, erfordert eine Anpassung der Verteidigungsstrategie Deutschlands. Das WDModG soll zur Erfüllung der NATO-Ziele beitragen und ab dem 1. Januar 2026 zusätzliche personelle Potenziale für die Streitkräfte schaffen. Für einen auf Freiwilligkeit basierenden Wehrdienst sieht Entwurf attraktive Angebote vor, die über den reinen Sold hinausgehen. Konkret sind Bildungsförderung und die Bezuschussung von Fahrerlaubnissen vorgesehen. Unternehmen stehen vor der Herausforderung mit personellen Ausfällen und später verfügbaren Fachkräften umzugehen.
Der Bundestag berät im November und Dezember 2025 über das Gesetz. Die Zustimmung des Bundesrats ist erforderlich.
Was für Unternehmen wichtig ist
- Planung von Personalressourcen: Mitarbeitende können zeitweise fehlen, Ersatzbedarf entsteht.
- Frühzeitige Information zu Musterungsterminen und Freistellungszeiträumen ist entscheidend.
- Qualifizierung von Wehrdienstleistenden, zum Beispiel Führerscheine und Teilqualifikationen, kann Fachkräftepotenziale für Bundeswehr und Arbeitgeber erhöhen.
Position der DIHK
- Klarstellung der Regelungen zu Freistellung, Musterung und Zurückstellung, inkl. digitaler Antragsverfahren.
- Frühzeitige Festlegung von Wehrdienstzeiträumen und transparente Kommunikation an Unternehmen.
- Ausbau der Bildungsförderung während des Wehrdienstes, zum Beispiel Teilqualifikationen und berufsbezogene Weiterbildungen.
- Erweiterung der Fahrerlaubnis-Zuschüsse auf Führerscheine der Klassen für LKW, Bus und Zugmaschine zur Stärkung von Fachkompetenzen.
- Zusammenarbeit mit Bundeswehr und IHKs für Berufsorientierung und Weiterbildung würde den Übergang in den zivilen Arbeitsmarkt erleichtern.
FAQ
Häufig gestellte Fragen
Wer muss Wehrdienst leisten?
Der Wehrdienst ist freiwillig. Alle jungen Menschen erhalten einen Fragebogen, über den sie ihre Bereitschaft zur Ableistung eines Wehrdienstes ableisten können. Aufgrund verfassungsrechtlicher Konstellationen müssen Männer den Fragebogen beantworte, alle anderen Geschlechter können ihn beantworten.
Wie lange dauert der Grundwehrdienst?
Für den freiwilligen Wehrdienst ist eine Dauer von sechs bis elf Monaten vorgesehen.
Welche Chancen bietet der Wehrdienst für die berufliche Qualifizierung?
Wehrdienstleistende können z. B. Führerscheine bezuschusst bekommen, was ihre spätere Beschäftigungsfähigkeit erhöhen und auch den Unternehmen zugutekommen soll.
Download
DIHK-Stellungnahme Wehrdienst-Modernisierungsgesetz Regierungsentwurf (PDF, 211 KB)
Veröffentlicht 07.11.2025
Aktualisiert 17.12.2025