Reaktion von Volker Treier

Wirtschaftssicherheit braucht starke Standorte und offene Märkte

DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier zur Abstimmung im Europäischen Parlament zum EU-US-Deal und zur EU-Wirtschaftssicherheitsstrategie

15.06.2026 - "Mit der Zustimmung des Europäischen Parlaments zum EU-USA-Handelsdeal rückt wieder mehr Berechenbarkeit in die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen. Genau das brauchen die Unternehmen nach Monaten voller Zollstreitigkeiten und politischer Kurswechsel. Auch wenn der asymmetrische Deal keinen Schönheitspreis gewinnt, sollten die Vereinbarungen jetzt umgesetzt und nicht durch neue Handelshemmnisse oder weitere Zolldrohungen infrage gestellt werden. Klar bleibt dabei: Die US-Zölle stehen im Widerspruch zu den internationalen Verpflichtungen der USA und schaden Unternehmen auf beiden Seiten des Atlantiks. Umso wichtiger ist es, dass die EU den neuen Vorwürfen der US-Seite zu angeblichen Überkapazitäten oder Importen mit Zwangsarbeit entschieden entgegentritt, sofern diese als Rechtfertigung für neue Zölle herangezogen werden. 

Vor dem Hintergrund der schwierigen handels- und geopolitischen Gesamtlage wird der EU-Fokus auf die Wirtschaftssicherheit umso wichtiger. Diese sollte in jedem Falle nicht weniger Handel bedeuten, sondern mehr Resilienz durch breitere Partnerschaften und eine klügere Risikostreuung. Die EU sollte genau hinschauen, wo einseitige Abhängigkeiten zu geopolitischen Druckmitteln werden können. Entsprechende Risiken sollten gezielt reduziert werden. Das betrifft Rohstoffe und Lieferketten ebenso wie digitale Plattformen, Cloud-Infrastrukturen oder Schlüsseltechnologien. Auf diesen Feldern geraten europäische Unternehmen immer stärker zwischen die geopolitischen Interessen der großen Wirtschaftsräume.   

Die richtige Antwort auf die aktuelle Situation muss mit einer Erhöhung der Diversifizierung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit einhergehen: neue Handelsabkommen, eine engere wirtschaftliche Anbindung der europäischen Nachbarschaft, ein leistungsfähigerer Binnenmarkt, weniger Bürokratie und bessere Rahmenbedingungen für Investitionen und Innovationen. Auch die technologische Souveränität Europas muss gestärkt werden – etwa durch offene und vertrauenswürdige digitale Ökosysteme. Neue Instrumente wie ein Outbound-Investment-Screening sollten indes mit großer Zurückhaltung betrachtet werden. Europa stärkt seine wirtschaftliche Sicherheit nicht durch neue Kontrollmechanismen, sondern durch bessere Standortbedingungen und eine stärkere Position im internationalen Wettbewerb.” 

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Julia Fellinger

Pressesprecherin