Zehn Jahre nach Brexit: DIHK drängt auf wirtschaftlichen Neustart mit Großbritannien

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum wirbt die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) für einen wirtschaftspolitischen Neustart zwischen der Europäischen Union und dem Vereinigten Königreich. Angesichts geopolitischer Krisen und zunehmender Handelskonflikte brauche Europa mehr wirtschaftliche Kooperation und weniger neue Barrieren.

 „Der Brexit ist Unternehmen auf beiden Seiten teuer zu stehen gekommen“, sagt DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier. „Gerade jetzt wäre es töricht, an unnötigen Handelshemmnissen festzuhalten. Europa muss wirtschaftlich enger zusammenrücken.“  Vor dem Brexit war das Vereinigte Königreich Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner, inzwischen liegt es nur noch auf Rang neun. Zollformalitäten, regulatorische Unterschiede und Hürden für Dienstleistungen und Geschäftsreisen belasteten den Austausch spürbar. „Vor allem mittelständische Betriebe kämpfen mit mehr Bürokratie, höheren Kosten und wachsender Unsicherheit“, so Treier. „Das schwächt Investitionen, Handel und Wachstum.“ 

"Deutschland und Großbritannien bleiben enge Partner. Jetzt braucht es den politischen Willen, die wirtschaftlichen Beziehungen wieder auf Zukunftskurs zu bringen."

Volker Treier am Geländer 2022

Dr. Volker Treier

-- Außenwirtschaftschef | Mitglied der Hauptgeschäftsführung

Aus Sicht der deutschen Wirtschaft sollte die Zusammenarbeit noch gezielter ausgebaut werden – etwa bei Energie, im Zoll- und Dienstleistungsbereich und in der Regulatorik. „Europa und unsere Unternehmen brauchen wirtschaftliche Integration und keine neuen Trennlinien“, betont Treier. „Je enger die institutionelle Zusammenarbeit zwischen EU und Vereinigtem Königreich ausfällt, desto größer sind die Wohlstandsgewinne auf beiden Seiten.“ Solange ein Wiederbeitritt des Königreichs in die EU nicht absehbar sei, würde die deutsche Wirtschaft britische Bestrebungen hin zu einer Zollunion oder dem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum sehr begrüßen. 

Besonders dringenden Handlungsbedarf sieht die DIHK beim grenzüberschreitenden Dienstleistungsverkehr. Viele Unternehmen hätten seit dem Brexit erhebliche Probleme bei Montageeinsätzen, Wartungen oder kurzfristigen Geschäftsreisen. „Wer Qualität Made in Germany exportiert, muss auch Fachkräfte unkompliziert entsenden können“, sagt Treier. „Wenn Techniker und Dienstleister an Visaauflagen und Bürokratie scheitern, dann ist dies ein klarer Wettbewerbsnachteil.“ 

Mit Blick auf den nächsten EU-UK-Gipfel im Sommer 2026 fordert die DIHK konkrete Fortschritte bei Energie-, Zoll- und Wirtschaftssicherheitsfragen. Auch die Bundesregierung solle sich stärker für eine Vertiefung der Beziehungen einsetzen. „Deutschland und Großbritannien bleiben enge Partner“, so Treier. „Jetzt braucht es den politischen Willen, die wirtschaftlichen Beziehungen wieder auf Zukunftskurs zu bringen.“ 

Hintergrund

Die EU ist der wichtigste Handelspartner des Vereinigten Königreichs. 2024 exportierte die EU Waren im Wert von 341 Milliarden Euro nach Großbritannien, die Importe beliefen sich auf 164 Milliarden Euro. Zu den wichtigsten Exportgütern zählen Maschinen, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse. 

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Julia Fellinger

Pressesprecherin