Die Flaggen der Europäischen Union und des Vereinigten Königreichs wehen vor dem Parlamentsgebäude in London

Handelsbeziehungen EU-UK umfassend stärken

Zehn Jahre nach dem Brexit-Referendum belastet der EU-Austritt des Vereinigten Königreichs (UK) den Handel auf beiden Seiten des Kanals noch immer spürbar. Im Vorfeld des EU-UK-Gipfels 2026 am 19. Mai in London hat die DIHK zusammengefasst, worauf es aus Sicht der Unternehmen jetzt ankommt.

Die Folgen des Brexit sind weiterhin enorm: Vor dem Referendum war das Vereinigte Königreich Deutschlands fünftwichtigster Handelspartner – heute rangiert es bei den Exporten auf Rang acht und beim gesamten Handelsvolumen auf Platz neun. Nichttarifäre Handelshemmnisse, regulatorische Divergenz und der Wegfall der Personenfreizügigkeit bremsen den Wirtschaftsaustausch auf beiden Seiten.

Dabei ist das Potenzial groß: Die EU bleibt mit einem Anteil von 51,7 Prozent der mit Abstand wichtigste Handelspartner des Vereinigten Königreichs. Umgekehrt ist UK nach den Vereinigten Staaten und China der drittgrößte Handelspartner der Europäischen Union. 

Nach Einschätzung der DIHK bietet der EU-UK-Gipfel 2026 eine konkrete Gelegenheit, die Zusammenarbeit zu vertiefen – in Handel, Energie, Regulierung, Zollfragen und Wirtschaftssicherheit. Sie fordert beide Seiten auf, diese Chance zu nutzen. 

Solange ein Wiederbeitritt zur EU nicht absehbar ist, sollten die EU und UK ihre Zusammenarbeit mit möglichst engen institutionellen Beziehungen in allen relevanten Bereichen vertiefen. Die deutsche Wirtschaft würde britische Bestrebungen hin zu einer Zollunion oder dem Beitritt zum Europäischen Wirtschaftsraum befürworten.

Was den Handel bremst

Denn derzeit bestehen trotz des zollfreien Warenaustausches erhebliche nichttarifäre Handelshemmnisse:

Zoll- und Grenzabwicklung: Insbesondere kleine und mittlere Unternehmen sind mit deutlich gestiegenem Aufwand für Zollanmeldungen, Konformitätsprüfungen und regulatorische Anforderungen konfrontiert. Verzögerungen an den Grenzen beeinträchtigen vor allem den Handel mit verderblichen Waren. Die britische Einfuhrregelung ("Border Target Operating Model") führt in der Praxis zu häufigen, kurzfristigen Änderungen der Risikokategorisierung, uneinheitlichen Auslegungen und langen Wartezeiten.

Regulatorische Divergenz: Das Vereinigte Königreich hat seit dem Brexit vor allem im Finanz- und Technologiebereich eigene Regelungen entwickelt. Die laufende Weiterentwicklung des EU-Rechts, die das Vereinigte Königreich nicht übernimmt, vertieft diesen Graben weiter. Das britisch-amerikanische Wirtschaftsabkommen vom 8. Mai 2025 droht die Divergenz zu verschärfen: Die Vereinigten Staaten drängen das Vereinigte Königreich zur Anerkennung US-amerikanischer Akkreditierungsstellen – ein Schritt, der die britische Akkreditierungsstelle UKAS von der Europäischen Kooperation für Akkreditierung ausschließen würde.

Fachkräftemobilität und Visumspflicht: Seit 2022 müssen Drittstaatsangehörige – und damit auch EU-Bürgerinnen und -Bürger – von einer im Vereinigten Königreich ansässigen Einrichtung gesponsert werden, um dort vorübergehend arbeiten zu können. Die Visavergabe ist an Hochschulabschlüsse und Mindesteinkommen geknüpft und ohne aktive Mitwirkung der britischen Auftraggeberseite praktisch nicht durchführbar. Das trifft insbesondere exportorientierte Unternehmen, für die Montage-, Wartungs- und Schulungsleistungen zum Kerngeschäft gehören.

Die Forderungen der DIHK im Überblick

 

Einige Kennzahlen

EU-UK-Handel 2024

  • 341 Mrd. Euro – EU-Exporte ins Vereinigte Königreich
  • 164 Mrd. Euro – EU-Importe aus dem Vereinigten Königreich
  • 51,7 Prozent des britischen Außenhandels mit Waren entfallen auf die EU
  • 10,1 Prozent des EU-Außenhandels entfallen auf das Vereinigte Königreich (Rang 3 nach den Vereinigten Staaten und China)
  • 1,8 Billionen Euro EU-Direktinvestitionen im Vereinigten Königreich (2023)
  • 1,3 Billionen Euro britische Direktinvestitionen in der EU

Wichtigste EU-Exportgüter ins Vereinigte Königreich

  1. Maschinen und Geräte: 20,4 Prozent
  2. Transportmittel: 18,9 Prozent
  3. Chemische Erzeugnisse: 11,5 Prozent
  4. Nahrungsmittel, Getränke und Tabak: 9,3 Prozent
  5. Unedle Metalle: 6,7 Prozent

Deutscher Außenhandel mit dem Vereinigten Königreich

  • Rang 8 bei deutschen Exporten (2019: Rang 5)
  • Rang 9 beim gesamten Handelsvolumen (2019: Rang 5, 2022 zwischenzeitlich Rang 11)
  • 41,3 Mrd. Euro Handelsbilanzüberschuss Deutschlands gegenüber dem Vereinigten Königreich (2025) – übertroffen nur durch die Vereinigten Staaten und Frankreich

Downloads

Die komplette DIHK-Position gibt es hier zum Download in einer deutschen und einer englischen Fassung:

EU-UK Handelsbeziehungen stärken (PDF, 770 KB)

Strengthening EU-UK trade relations (PDF, 719 KB)

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Schwerpunkte:
  • Außenwirtschaft

Ansprechpartner

Porträt Klemens Kober

Klemens Kober

Referatsleiter Handelspolitik, transatlantische Beziehungen und EU-Zollfragen