Sebastian Bolay Juni

"Erneuerbaren-Ausbau und Elektrifizierung müssen miteinander harmonieren"

Sebastian Bolay, DIHK-Bereichsleiter Energie, Umwelt, Industrie, zur vom Bundeswirtschaftsministerium geplanten Energiereform

Am 29. Juli sollen im Bundeskabinett das Netzpaket und die EEG-Novelle verabschiedet werden. Hierzu erklärt DIHK-Bereichsleiter Sebastian Bolay:

29.07.2026 – "Die Transformation der Wirtschaft stockt, weil Stromkosten zu hoch sind und Unternehmen häufig sehr lange auf Netzanschlüsse warten müssen. Damit steht sich die Energiewende selbst im Weg. Um diesem Teufelskreis zu entkommen, müssen Erneuerbaren-Ausbau und Elektrifizierung in den Unternehmen miteinander harmonieren.

Insbesondere das Netzpaket enthält hierfür vielversprechende Ansätze. Die vorgesehenen Regelungen schaffen mehr Verbindlichkeit und damit Tempo bei Netzanschlüssen. Durch bessere Steuerung, digitale Verfahren und eine gezieltere Netzintegration können Engpässe frühzeitiger vermieden und Investitionen effizienter geplant werden. Es fehlen aber verbindliche Bearbeitungsfristen und Kriterien, nach denen Netzbetreiber Anfragen priorisieren sollten. Dabei sollten Ortsgebundenheit, Flächenbesitz und Finanzierungsnachweise des Antragstellers herangezogen werden. 

Unverständlich ist zudem, dass an Orten mit wenig Netzkapazitäten weiterhin neue Erzeugungsanlagen staatlich gefördert werden sollen. Um den Anstieg der Netzentgelte zu begrenzen, sollten Erzeugungsanlagen vorrangig dort ausgebaut werden, wo entsprechende Netzkapazitäten vorhanden sind. Die Netzbetreiber müssen bei Netzausbau und Digitalisierung aber auch aufs Gaspedal drücken und Engpässe beseitigen. 

Die EEG-Novelle bleibt insgesamt hinter ihren Möglichkeiten zurück. Erneuerbare Energien sind heute in weiten Teilen wettbewerbsfähig. Jetzt ist es Zeit für sie, zunehmend auf eigenen Füßen zu stehen: Dafür braucht es einen klaren Pfad in den Markt und keine Umstellung auf Differenzverträge, die die weitere Marktintegration behindern, auch weil sie Erlösmöglichkeiten abschneiden. Der Wechsel in Direktlieferverträge, sogenannten PPAs, wird dadurch ebenfalls erschwert, was die betriebliche Klimaneutralität in Industrie und Gewerbe erschwert. Förderungen sollten daher, wenn überhaupt, auf Investitionszuschüsse begrenzt werden."

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Julia Löffelholz

Pressesprecherin